28. Mai 2008

Fahrbericht Maserati Gran Turismo S Der Schöne ist das Biest

Der Maserati Gran Turismo Sport
Der Maserati Gran Turismo Sport © Foto: Maserati

Maserati spitzt den Dreizack: Der Gran Turismo S ist das sportliche Top-Modell, kommt aber optisch zurückhaltend daher. Doch wenn man die richtigen Knöpfe drückt, schält sich ein Wolf aus dem Schafspelz.




Sebastian Viehmann

Im italienischen Bermuda-Dreieck sind Ferrari und Lamborghini fürs Posen und Protzen zuständig. Maserati spielt die Rolle des Schönlings, der seine Muskeln unter feinstem Edelzwirn verbirgt. Da man die betörende Pininfarina-Karosse der Asphalt-Diva GT wahrscheinlich nur verschlimmbessern könnte, bekommt das neue Sportmodell dezent verstärkte Seitenschürzen, einen winzigen Heckspoiler, ovale Auspuffendrohre und siebenarmige 20-Zoll-Felgen in stilisiertem Dreizack-Design. Auf das nahe liegende S-Logo verzichten die Italiener, nur ein Schriftzug über dem Handschuhfach weist auf das Top-Modell hin.


Drehmoment wichtiger als Leistung

Im Cockpit lässt man sich in straffen Schalensitzen nieder und wundert sich über den fehlenden Schalthebel. Der wurde durch zwei Tasten für den ersten und den Rückwärtsgang sowie durch Schaltwippen am Volant ersetzt. Der auf 4,7 Liter Hubraum gewachsene V8 des GTS hat 35 Pferdchen mehr im Stall und 30 Newtonmeter mehr Drehmoment als der normale Gran Turismo - nicht gerade viel im Vergleich zu den Sport-Modellen der Konkurrenz. Ein BMW M6 etwa bringt es auf 507 PS. Der Mercedes SL kann mit bis zu 612 PS dienen. Schließlich bleibt in dieser Fahrzeugklasse Leistung ein wichtiges Verkaufsargument. «Höhere PS-Zahlen mögen ja einen kommerziellen Mehrwert haben, aber am Ende des Tages zählt das nicht», meint Giorgio Cornacchia, Chef der Technik und Entwicklung bei Maserati. «Wir wollen den Gran Turismo-Charakter behalten. Der Wagen soll einfach zu fahren sein, auch bei langsamem Tempo. Wir haben uns vor allem auf Drehmoment konzentriert und nicht auf Leistung», sagt Cornacchia.

Kontrollierter Antritt

Maserati GTS
Maserati GTS © Foto: Maserati

Natürlich ist der GTS auch mit «nur» 440 PS ein enorm schnelles Auto. Er jagt in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 295 km/h. Bei Vollgas presst der Italiener seine Piloten so kraftvoll und souverän in die Sitze, wie es sich für einen sportlichen Gran Turismo mit Hinterradantrieb gehört. Doch während man etwa bei einem Lamborghini manchmal das Gefühl hat, jemand tritt einem ins Kreuz, läuft im Maserati alles eine Spur zarter ab. Beim Kickdown lässt sich der Wagen ein wenig Zeit. Dafür gibt es keine durchdrehenden Antriebsräder, und der Maserati bringt seine Kraft auch ohne Allradantrieb kontrolliert auf die Straße.

Grandiose Soundkulisse

Maserati GTS
Maserati GTS © Foto: Maserati

Der GTS hat ein neues elektrisch betätigtes Sechsganggetriebe an Bord. Das kann man rein automatisch schalten lassen oder im manuellen Modus mit den Schaltwippen am Lenkrad selbst steuern. Per Sport-Taste wechselt man in den MC Shift-Modus. Ab 5.500 Touren und etwa 80 Prozent des möglichen Gaspedalweges verkürzt sich die Schaltzeit durch das teilweise Überlappen der Schaltphasen auf 100 Millisekunden. Das sorgt beim Überholen für einen ununterbrochenen Kraftschub. Untermalt wird das Ganze von einer grandiosen Soundkulisse. Denn im Sport-Modus werden Klappen in der Nähe der Endrohre pneumatisch verstellt. Damit geht der vorher gereinigte Abgasstrom nicht den zur maximalen Schalldämpfung nötigen verschlungenen Umweg, sondern wird auf direktem Wege nach außen geleitet. Das erzeugt ein tiefes Grollen, das in engen Häuserschluchten ein kraftvolles Echo produziert. Bei Italienern scheint dieser Schlüsselreiz einen angeborenen Maserati-Reflex zu wecken, was die vielen hochgereckten Daumen während der Testfahrt erklären würde. Auf Knopfdruck reduziert sich das Grollen binnen weniger Sekunden wieder auf den gewohnten seidig-schnurrenden Sound.

Optimale Gewichtsverteilung

Maserati GTS
Maserati GTS © Foto: Maserati

Das Handling des 1,9 Tonnen schweren Wagens ist trotz des hohen Gewichtes ausgezeichnet. Die Transaxle-Bauweise (Motor hinter der Vorderachse, Getriebe vor der Hinterachse) ermöglicht eine optimale Gewichtsverteilung (47% vorn, 53% hinten), die im Vergleich zum GT etwas härteren Stoßdämpfer sorgen für eine straffe Federung. Die Bremsanlage, deren Scheiben aus einem Verbund aus Aluminium und Gusseisen hergestellt und mit Monoblock-Bremssätteln mit sechs Bremskolben kombiniert sind, lässt sich gut dosieren.

Wachstum in China

127.330 Euro muss man für einen GTS auf den Tisch legen, doch Kunden gibt es reichlich. Die Geschäfte laufen gut für die italienische Nobelmarke. In den ersten vier Monaten 2008 stiegen die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent auf 3.000 Stück. Eine wachsende Rolle spielen dabei Märkte wie China. Die Kunden seien meist jung, anspruchsvoll und «sehr, sehr, sehr reich», sagt Maserati-Vertriebschef Raffaele Fusilli. Wenn sie bei einer Party vorführen, stünden da schon genug Porsche vor dem Haus.






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Maserati

Fünf Brüder gründeten 1914 die Marke mit dem Dreizack, der eine Hommage an die Heimatstadt Bologna ist und im richtigen Leben den Neptunbrunnen der Stadt ziert. Bereits zur Gründung hatten sich die Brüder ausschließlich dem Rennsport verschrieben, die größten Erfolge kamen allerdings erst in den 50er Jahren. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann 1957 auf einem Maserati sein fünftes Championat. Nachdem Citroen Ende der 60er Jahre 60 Prozent an dem italienischen Unternehmen hielt, übernahm Fiat 1993 das Kommando und gliederte vier Jahre später Maserati bei Ferrari ein. Seit 2005 ist Maserati aber wieder ein eigenständiges Unternehmen im Fiat-Konzern, arbeitet aber weiterhin eng mit Ferrari zusammen.



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