2. Juni 2009

Fahrbericht Lexus RX 450 h Gedrängel in der Brennkammer

Der Lexus RX 450 h
Der Lexus RX 450 h © Foto: Lexus

Lexus versucht den Spagat. Mit dem Nobel-SUV soll der Sparfuchs geweckt werden. Viel wichtiger ist den Besitzern aber das saubere Image.




Von Thomas Flehmer

Lateinamerikanische Verhältnisse herrschen in Deutschland noch nicht vor, doch die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander. Zwar merken Nobelmarken auch ein wenig die derzeitige Krise, doch das Segment der Luxusautos ist von den Missständen nicht so betroffen wie andere Fahrzeugklassen. Trotzdem gilt sparen als sexy und Geiz ist immer noch geil. Auch im neuen Lexus RX 450 h, laut Geschäftsführer Ulrich Selzer dem «Herzstück des Modellprogramms», ist Haushalten nicht nur dank des Hybridantriebs der zweiten Generation angesagt.


Verschiedene Verdichtungsverhältnisse

Durch innermotorische Maßnahmen sollen Verbrauch und CO2-Ausstoß reduziert werden. Der so genannte Atkinson-Zyklus weist im Verbrennungstriebwerk verschiedene Verdichtungsverhältnisse auf, so dass der Verbrennungsdruck länger auf den Kolben lastet und mehr Verbrennungsenergie in Bewegung setzt.

Zudem wird das von 650 auf 150 Grad Celsius wassergekühlte Abgas zurückgeführt und ersetzt einen Teil des Frischgasvolumens, so dass auch hier weniger Frische fürs Vorankommen benötigt wird. Über die Abgasrückgewinnung kann auch die Kaltlaufphase von 400 Sekunden auf 100 Sekunden vermindert werden. 23 Gramm weniger CO2 werden so pro Kilometer in die Luft gestoßen.

Knapp zwei Liter gespart

6,3 Liter Verbrauch sind für das Dickschiff angegeben
6,3 Liter Verbrauch sind für das Dickschiff angegeben © Foto: Lexus

Zugleich fällt das Hybrid-Steuergerät 37 Prozent leichter aus als der Inverter im Vorgängermodell und minimiert den Energieverbrauch um zehn Prozent. Acht weitere Gramm CO2 werden durch eine Reibungsminderung eingespart. Insgesamt 45 Gramm CO2 pro Kilometer sind dem Rotstift zum Opfer gefallen. Das ist umgerechnet eine Einsparung von knapp zwei Litern. Für den noblen Cross Over, der schon mehr SUV ist als Limousine, verspricht Lexus nun 6,3 Liter und 148 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer. Das sind Werte aus der Golfklasse.

Dabei ist der Neue der dritten RX-Generation ordentlich mit Leistung bestückt. Die 299 PS Systemleistung des Verbrennungs- und Hybridmotors machen den RX 450 h, der bis zu drei Kilometer im rein elektrischen Modus fahren kann, zum stärksten Sechszylinder im Segment.

Verzögerte Gasbefehle

Ladeanzeige statt Drehzahlmesser
Ladeanzeige statt Drehzahlmesser © Foto: Lexus

Dabei sind die knapp 300 PS des 3,5 Benziners mit 277 PS sowie der beiden E-Motoren mit 167 PS vorn und 68 PS hinten beim Anfahren nicht so zu spüren, wie man annehmen könnte. Hier machen sich die 2,2 Tonnen Leergewicht doch stark bemerkbar. Ist dann noch der Eco-Modus eingeschaltet, werden die Gasbefehle etwas verzögert weitergeleitet. Spätestens «hier wird der Sparfuchs geweckt», meint Selzer. Eine Anzeige auf der Instrumententafel - ähnlich dem Drehzahlmesser - zeigt an, in welchem Bereich der sparsamste Vortrieb gegeben ist.

Zwischen 7,6 und 8,1 Liter reichten bei normaler Fahrweise zwar nicht an die Vorgabe der Toyota-Nobelmarke heran, doch sind selbst diese Werte für das Dickschiff mit elektrischem Allradantrieb sehr ordentlich und liegen unter denen des kürzlich vorgestellten Mercedes S 400 Hybrid, der mit 7,3 Litern als Vorgabe ins Rennen geht.

Intelligentes Hybridgetriebe

Edler, aber unspektakulärer Innenraum
Edler, aber unspektakulärer Innenraum © Foto: Lexus

Trotz aller Bemühungen zum Sparen kann der RX 450 h auch dynamisch unterwegs sein. In der höchsten Ausstattungsvariante Impression Line verhindert eine aktive Fahrwerksstabilisierung je nach Kurvengröße das Wanken des Fahrzeugs und sorgt so nicht nur für Sicherheit als auch für Komfort, den die Passagiere genießen können. Der Touchscreen wird jetzt nicht mehr betatscht, sondern man kann die einzelnen Menüs über eine an der Mittelkonsole angebrachte Automaus bedienen.

Das erstmals eingesetzte AI-Shift Hybridgetriebe kann erkennen, ob das Auto bergauf oder bergab fährt und wählt dann die optimale Übersetzung. Doch all die technischen Raffinessen sowie die reichliche Sicherheitsausstattung mit gleich zehn Airbags an Bord können über eine gewisse Sachlichkeit nicht hinwegtäuschen. So wirkt der edle Innenraum ebenso wenig aufregend wie der äußere Auftritt des RX 450 h, der ein neues Frontdesign erhielt, aber dadurch auch nicht stärker auffällt. Immerhin weist der Lexus dank seiner Coupehaften Linie einen CW-Wert von lediglich 0,32 auf.

Image statt Sparen

Stärker fällt der Einstiegspreis von 59.690 Euro auf, der bis zur Impression Line auf 74.410 Euro ausgebaut werden kann. Lexus-Pressesprecher Karsten Rehmann verweist zwar auf die im Vergleich der Mitbewerber bessere Serienausstattung, doch warten als Extras auch noch das adaptive Geschwindigkeitsregelsystem für 3500 Euro, das Glasschiebe-Dach (1350 Euro) und das Headup-Display für immerhin 2800 Euro. Doch der gemeine RX-Kunde braucht sich über Geld keine Gedanken zu machen. Am häufigsten wird die Topausstattung Impression Line gewählt. Der Hybridantrieb funktioniert somit lediglich als Imageträger, mit einem sauberen Auto unterwegs zu sein. Der Sparfuchs kann weiter schlafen.






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