2. März 2009

Fahrbericht Lexus IS-F Verboten gut

Lexus IS-F
Lexus IS-F © Foto: Lexus

Umweltschützer würden schon aufgrund der technischen Daten für ein Fahrverbot des Lexus IS-F plädieren. Doch wie alles Verbotene hat auch das japanische Gefährt seinen besonderen Reiz.




Die Kluft zwischen grüner Seele und sportlicher Fahrfreude entsteht, wenn man die Stufenhecklimousine IS-F von Lexus fährt. Umweltschützer würden schon aufgrund der technischen Daten für ein Fahrverbot der sportliche Mittelklasse des japanischen Herstellers plädieren: Aus fünf Litern Hubraum schöpft der Achtzylinder-Benziner 311 kW/423 PS Leistung, das maximale Drehmoment von 505 Nm liegt bei 5200 U/min an.


In 4,8 Sekunden auf Tempo 100

In beachtlichen 4,8 Sekunden beschleunigt der Motor die 1800 Kilogramm schwere Limousine von null auf 100 km/h. Entsprechend fällt der Verbrauch aus, der zwar mit 11,4 Litern Superbenzin auf dem Papier angegeben wird, aber in der Realität kaum unter 14,5 Liter Kraftstoff zu drücken ist. Gibt man dem Gefährt die Sporen, genehmigt er sich auch gern 18 Liter Sprit.

Aber auch die Anschaffungskosten mit 69 600 Euro sind nicht ganz ohne, womit er Konkurrenten wie den 67 960 Euro teuren BMW M3 überbietet. Da wirkt der Beitrag zur jährlich fälligen Haftpflichtversicherung bei der AXA mit 613 Euro schon als Schnäppchen. Doch Geschmack hat seinen Preis, zudem weiß der Japaner mit seiner Qualität zu überzeugen.

Das Cockpit des Lexus IS-F
Das Cockpit des Lexus IS-F © Foto: Lexus

Auf den ersten Blick kann der oberflächliche Betrachter keinen großen Unterschied zum normalen Lexus IS erkennen. Doch beim genauen Hinsehen fallen die tief sitzenden Nebelscheinwerfer in der Frontschürze und die leistungsunterstreichenden Auspuffenden auf. Vier Endrohre, paarig rechts und links am Heck angeordnet, lassen schon den mächtigen Antrieb erahnen. So dezent wie die äußere sportliche Erscheinung des IS-F ist, bietet auch der Innenraum sportliches Understatement. Von dem von schwarzem Kunststoff dominierten Armaturenbrett setzen sich die in Alu-Optik gehaltenen Schaltpanels am Lenkrad sowie die silberfarbende Mittelkonsole angenehm ab. Die Aluminium-Pedalerie fällt auf, ohne aufdringlich zu sein. Ansonsten gibt es keine Spielereien, kein Schnick-Schnack stört.

Solider Halt

Auf bequemen und gut einstellbaren Ledersitzen, die soliden Halt bieten, nehmen Fahrer und Beifahrer Platz. Auf allen fünf Sitzen finden die Insassen ausreichend Kopf- und Beinfreiheit vor, Ablagen und Becherhalter haben Getränke und andere Dingen sicher im Griff. Urlaubsreisen sind zwar von der Bequemlichkeit gut möglich, aber das Gepäck von vier Personen findet in dem Kofferraum mit 378 Litern keinen Platz. Das Volumen lässt sich auch nicht erweitern, die Lehnen der Rücksitze sind nicht umklappbar.

Es gibt lediglich eine Durchlade zum Kofferraum für lange Gegenstände wie Skier. Ein angenehmes Feature sind die selten gewordenen Haltegriffe über der Tür mit ausklappbaren Kleiderhaken. Alles ist gut verarbeitet. Die Komfortausstattung reicht unter anderem vom Parkassistent über die automatische Klimaanlage bis zur Lederausstattung, auch die Sicherheitsausstattung kann mit zehn Airbags bis hin zum ESP als vollständig bezeichnet werden.

Beim Starten des Motors signalisiert ein sonores, kraftvolles Brummen die Fahrbereitschaft des Hecktrieblers. Von der Trittstärke aufs Gaspedal ist es nun abhängig, ob sanftes Cruisen oder straffes Anfahren angesagt ist. Auf beides ist auch die nahezu ruckfrei schaltende Achtstufenautomatik ausgerichtet, die unmittelbar auf jeden den Gasbefehl reagiert. Die flotte Kurvenräuberei auf Landstraßen ist ebenso das Element des IS-F wie das Kilometerfressen auf der Autobahn - und beides bereitet wahre Freude.

Ihren Teil tragen dazu auch das gut abgestimmte Sportfahrwerk und die direkte Lenkung bei. Ausweichmanöver gelingen mit dem 4,66 Meter langen Gefährt erstaunlich gut. Dafür hält die Federung für Menschen mit einem Körpergewicht unter 60 Kilogramm eine Überraschung parat: Unebenheiten in der Fahrbahn sorgen für Hüpfeinlagen auf dem Sitz. Wer schwerer ist, verspürt höchstens eine leichtes Vibrieren, schmerzhafte Stöße im Rücken bleiben aber aus.

Lexus IS-F
Lexus IS-F © Foto: Lexus

Je nach Fahrlaune und Umgebung kann über das Fahrdynamik-Management VDIM zwischen den drei Fahrcharakteristiken «Sport», «Normal» und «Snow» gewählt werden. Dabei werden alle dynamischen Komponenten wie Bremsen, Lenkung und das Stabilitätsprogramm ESP so aufeinander abgestimmt, dass im Sport-Modus mehr Schlupf an der Hinterachse zur Verfügung stehen, um auch Powerslides zu ermöglichen. Um ein ungefiltertes Fahrerlebnis zu erleben, können auch alle Assistenten samt ESP komplett abgeschaltet werden. Damit wird die Reiselimousine zum rennstreckentauglichen Dampfhammer. Der Normalfahrer erliegt bereits im Standardmodus dem Japaner, bietet er doch schon damit - trotz einem Stich in der grünen Seele - jede Mengen Fahrspaß. (mid)






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