22. September 2010

Fahrbericht Lexus IS F Alpenüberquerung im Sportwagen

Der Lexus IS F
Der Lexus IS F © Foto: Lexus

Der Lexus IS F sorgt nicht nur in bergigen Regionen für Aufsehen. Die geschmeidige Sportlimousine mit acht Zylindern unter der Haube versteht sich auf das Zusammenspiel von Eleganz und Sportlichkeit.




Von Benjamin Palm

Eine idyllische Ruhe kennzeichnet die Alpentäler und Bergspitzen südlich von Deutschland: Kühe und Schafe grasen auf den Weiden, Vogelgesang und Grillengezirpe ertönen im Orchester. Wer in dieser Region mit einem Lexus IS F unterwegs ist, kann sich einer gewissen Aufmerksamkeit sicher sein. Die japanische Hightech-Sportlimousine bildet hier einen interessanten Kontrast zur zerklüfteten urwüchsigen Felslandschaft.


Ungewohnte Töne in der Alpenidylle

Bereits bei Fahrtbeginn in der morgendlichen Frühe hört man in der Alpenidylle ungewohnte Töne: Mit einem vernehmbaren Brüllen erwacht das unter der Motorhaube des Viertürers arbeitende V8-Benzintriebwerk zum Leben. Ebenso schnell wie das Geräusch aufbraust, verstummt es zu einem leisen, aber umso betörenderen Schnurren, das nur vor Ort wahrnehmbar ist. Wird der Schalthebel der Achtgang-Automatik auf die Position "D" gestellt, startet die Reise.

Gemächlich rollt die rund 1,3 Tonnen schwere Stufenhecklimousine an. Der Tritt auf das Gaspedal erweckt den 311 kW/423 PS starken 5,0-Liter-Motor zum Leben und lässt den Japaner nach vorn schnellen. Von seinem bequemen und gut ausgebauten Ledersitz aus steuert der Fahrer den Wagen durch die kleine, verschlafene Ortschaft, deren Wiesen und Felder noch der Morgentau ziert. Am Ortsausgang endet das Tempolimit, ein Wimpernschlag später zeigt der Tacho Tempo 100. 505 Newtonmeter, die bei 5200 Umdrehungen anliegen, sorgen dabei für den Vortrieb.

Kaum Neigung zu spüren

Über eine Serpentinenstraße geht es ins Tal. Langgezogene Kurven wechseln sich mit engen Kehren ab, starkes Abbremsen und schnelles Beschleunigen folgen aufeinander. Die Automatik arbeitet gut und schaltet spontan, aber sanft. Schnell wird automatisch ein niedriger Gang eingelegt, damit die Drehzahl in den schmalspurigen, langsamen Kurven absinkt, um jederzeit effizient wieder beschleunigen zu können.

Über die am Lenkrad befestigten Schaltwippen kann der Fahrer für einen früheren respektive späteren Gangwechsel sorgen. Das Fahrwerk ist für sportliche Fahrten ausgelegt, der mindestens 69.600 Euro teure Mittelklässler gibt sich extrem agil. In den Kurven ist so gut wie keine Neigung zu merken, die Passagiere vorn werden durch die Schwerkraft bei der Beschleunigung in die Sitze gepresst, doch sie fühlen sich geborgen - zumal Sicherheitssysteme eingreifen, wenn der Fahrer es einmal übertreibt. Der Schleuderschutz ESP in Kombination mit einer Traktionskontrolle beispielsweise verhindert durchdrehende Reifen und ein ausbrechendes Heck, wenn eine Kurve zu aggressiv angesteuert beziehungsweise verlassen wird.

Präzise Lenkung

Wer die "Sport"-Taste drückt, gibt mehr Schlupf an die Hinterachse. Die ohnehin präzise Lenkung agiert eine Spur straffer, wodurch sich besser durch die Kehren manövrieren lässt. Am Ende der Serpentinen wartet ein kurzes Autobahnstück. Die erlaubte Geschwindigkeit von Tempo 130 ist schnell erreicht. Spätestens hier zeigt sich, dass der japanische Hecktriebler nicht nur sportlich, sondern auch komfortabel sein kann. Die Reisenden sind bequem unterwegs, eine sehr gute Federung schluckt nahezu alle Unebenheiten.

Mitgenommenes Gepäck lässt sich im 378 Liter fassenden Kofferraum verstauen. Gegenüber anderen Hochleistungskonkurrenten wie dem BMW M3 oder dem Mercedes-Benz C 63 AMG ist dies kein Spitzenwert, reicht aber für kleinere Koffer aus. Der lautlose Blinker zeigt das Verlassen der Bundesautobahn an. Nun steht erneut eine kurvenreiche Strecke durch die Alpen an, um ebendiese hinter sich zu lassen und das flachere Land im Norden Italiens zu erreichen. Die Straßen sind noch enger - obwohl beidseitig befahrbar, passen keine zwei Fahrzeug nebeneinander.

Sportlich und komfortabel

Knifflig wird es bei Gegenverkehr an einem solchen Nadelöhr. Dann heißt es, Rückwärtsgang einlegen und zur nächsten Ausweichstelle zurücksetzen. Hier ist besondere Vorsicht geboten: Auf der einen Seite findet sich die Felswand, auf der anderen der Abgrund. Ein Problem ist beim Lexus IS F die schlechte Übersicht nach hinten. Auch die Rückfahrkamera verzerrt die Sicht eher statt zu helfen.

Der Lexus IS F wirkt in den Alpenregionen eher ungewohnt als fremd, immerhin kann er bis 270 km/h durchziehen, was in den Bergen natürlich nicht klappt. Der japanische Sportler findet sich gut zurecht, der Wechsel aus schnellen und langsamen Kurven scheint wie für ihn gemacht. Trotz aller Sportlichkeit gibt er sich komfortabel, was den Passagieren das Reisen angenehm macht. (mid)






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