9. Juli 2009

Fahrbericht Lexus HS 250h Kraftvolle Stufenlösung

Der Lexus HS 250h
Der Lexus HS 250h © Foto: press-inform

Wenn es weltweit eine Hybridikone gibt, ist es der Toyota Prius. Doch während aktuell die dritte Generation auf unsere Straßen rollt, bleibt Europa die Stufenhecklösung von Lexus vorenthalten.




Von Stefan Grundhoff

In den USA will Hybridpionier Toyota nicht länger die konservativen Kunden und Fahrer einer Stufenheck-Limousine außen vor lassen. Zum Herbst kommt daher der Lexus HS 250h auf den US-Markt. Der Grund liegt auf der Hand. In den USA ist der Prius als Hybridmodell einer von vielen. Zunehmend machen sich Mittelklassemodelle wie der Ford Fusion als Hybridmodell einen Namen. Da will der Toyota-Konzern im volumenträchtigen Mittelfeld nicht allein auf eine Waffe setzen.


Flotter als der Prius

Eine ganze Ecke kraftvoller motorisiert als der Toyota Prius soll das Teilzeit-Elektromobil mit den Dimensionen des europäischen Lexus IS neue Kundengruppen erschließen. In unseren Breiten hat man als Hybridinteressent nur die Wahl zwischen dem alles andere als dynamischen Toyota Prius mit seiner aerodynamischen Tropfenform oder den großen Lexus-Modellen RX, GS oder LS. Dabei hätte der Lexus HS 250h durchaus auch in Deutschland eine Chance, die Hybridtechnik bezahlbar in das Mittelklassesegment zu tragen. In den USA startet der HS 250h zu Preisen von knapp 35.000 Dollar.

Die Unterschiede zwischen Prius und HS 250h sind dabei nicht nur optisch offensichtlich. Auch bei der Motorisierung bietet der Lexus deutlich mehr als der auch in der dritten Generation allzu zurückhaltende Prius. Während das Elektromodul bei beiden Fahrzeugen nahezu identisch ist, arbeitet im Lexus HS 250h ein 2,4 Liter großer Vierzylinder. Statt der 99-Prius-PS leistet der immerhin 106 kW / 147 PS und ein maximales Drehmoment von 187 Nm. Macht letztlich eine Systemleistung von 187 PS, mit der der Fronttriebler deutlich flotter zu bewegen ist, als der Toyota.

Drei Kilometer rein elektrisch

Drei Kilometer können auch rein elektrisch zurückgelegt werden
Drei Kilometer können auch rein elektrisch zurückgelegt werden © Foto: press-inform

Wenn der Fahrer will, kann er am Armaturenbrett vorab wählen, ob der im Elektro-, Normal- oder Sportmodus unterwegs sein möchte. Im Elektromodus legt der HS 250h eine Kurzstrecke von bis zu drei Kilometern allein mit elektrischer Energie und ohne Zuarbeit des Verbrenners zurück. Ansonsten gibt es das bekannte Vollhybrid-Szenario. Im langsamen Fahrbetrieb und beim rückwärts Fahren, geht es elektrisch und bei mehr Tempo schaltet sich der Benzinmotor zu.

Das Plus an Motorleistung macht sich im normalen Benzinfahrbetrieb deutlich bemerkbar. Dass der Lexus trotz 187 PS beim kraftvollen Beschleunigen noch immer vergleichsweise zurückhaltend seine Flucht nach vorn antritt, liegt an dem stufenlosen CVT-Getriebe, dass sportliches Engagement jäh unterbindet. Ein forscher Sprung in die Lücke im laufenden Verkehr oder ein engagierter Überholversuch auf der Landstraße wollen daher gut überlegt sein. Den Spurt 0 auf 100 km/h legt der Lexus HS 250h in knapp zehn Sekunden zurück. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 180 km/h zumindest nach europäischen Maßstäben allzu dünn. Ein vergleichbarer Benziner mit ähnlichen Leistungsdaten schafft über 210 km/h und den Spurt 0 auf 100 km/h in unter acht Sekunden - ganz abgesehen von subjektiven, deutlich trägeren Fahreindruck.

6,7 Liter auf 100 Kilometer

6,7 Liter sind füpr die USA eine Hausnummer
6,7 Liter sind füpr die USA eine Hausnummer © Foto: press-inform

Immerhin verspricht Lexus im HS 250 h einen Durchschnittsverbrauch von 6,7 Litern Super auf 100 Kilometer. Für einen hiesigen Mittelklasse-Diesel zwar keine Offenbarung, aber in den USA eine Hausnummer, die gegenüber den oftmals wenig innovativen Konkurrenten Zeichen setzt. Leider bleibt der Lexus damit auch deutlich hinter dem Prius zurück. Weniger Motorleistung, Gewicht und eine bessere Aerodynamik lassen den Toyota mit 4,7 Litern Super auf 100 Kilometer deutlich weiter kommen.

Bei der Akkutechnik ist der Lexus HS 250h mit einer Zwischenlösung unterwegs. So reduziert der mächtige Nickel-Metallhydridakku den Kofferraum auf dünne 340 Liter. Das Umklappen der Rückbank zum Transport großer Gegenstände fällt dadurch ebenso weg. Jedoch dürfte der Großakku innerhalb der nächsten zwei Jahre gegen einen moderneren Lithium-Ionen-Akku ausgetauscht werden. Das würde Gewicht sparen und Laderaum schaffen.

Extravaganz im Innenraum

Interessante Mittelkonsole
Interessante Mittelkonsole © Foto: press-inform

Der Innenraum des HS 250h zeigt sich im bekannten Lexus-Look. Die Materialien sind wertig und orientieren sich weitgehend am US-Geschmack. Das Cockpit ist aufgeräumt; jedoch verzichtet das große Multifunktionsdisplay in der Mitte des Armaturenbretts darauf, die Energieflüsse der einzelnen Triebwerke publikumswirksam aufzuschlüsseln. Dies geschieht nur in einer kleinen Digitalanzeige im Cockpit.

Chic und extravagant zieht die scheinbar frei schwebende Mittelkonsole die Blicke im Innenraum auf sich. Auf ihr befindet sich ein blauer Controller, mit dem man wie am heimischen Computer die Maus auf dem Bildschirm steuern kann. Ziemlich abgefahren, aber keine schlechte Lösung. Diese aufwendige Konstruktion passt jedoch nicht zum bleistiftdünnen Ganghebel, mit dem gleich nebenan die einzelnen Fahrstufen angewählt werden. Die vollelektrischen Sitze sind bequem und das Platzangebot ist im klassenüblichen Rahmen. Jedoch sollte man es wegen der überschaubaren Innenbreite bei zwei Personen im Fond belassen.

Alternative ohne Konkurrenz

Die Umwelt schont der Lexus HS 250h im Übrigen nicht nur durch die Hybridtechnik und einen reduzierten Gesamtverbrauch. Rund ein Drittel der verbauten Kunststoffe stammt aus biologisch wiederverwertetem Material. Das alles gibt es zu einem vernünftigen Preis. In den USA wird der ab Herbst verfügbare Lexus LS 250h zwischen 30.000 und 35.000 US-Dollar kosten - inklusiv Ledersitzen, Klimaautomatik und Navigationssystem.

Wer will, kann das Paket um Details wie Spurwechselassistent, Einparkautomatik, Xenonlicht und Head-Up-Display erweitern. Wäre doch auch in Deutschland eine nette Alternative in der Mittelklasse - ohne aktuelle Konkurrenz.






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