7. Oktober 2011

Fahrbericht Gute Verbrauchswerte des Hybriden Lexus CT 200h: Ein Hauch von grünem Gewissen

Der Lexus CT 200h macht einen guten EIndruck.
Der Lexus CT 200h macht einen guten EIndruck. © Leuxus

Der Lexus CT 200h ist ein überzeugendes Hybridfahrzeug. Doch trotz seiner Stärken bleiben die Absatzerwartungen hinter den Erwartungen zurück. Was der Japaner kann, zeigt unser Test.




Von Silke Koppers

Mit dem Lexus CT 200h ist seit dem Frühjahr ein edles Hybridfahrzeug mit Benzin-Elektroantrieb in der Kompaktklasse erhältlich. Zu Preisen ab 28.900 Euro kann man mit grünem Gewissen teils rein elektrisch über Deutschlands Straßen fahren, allerdings nicht so häufig wie die Konzernmutter Toyota sich das gewünscht hat. Eigentlich sollten mit der "Creative Technology", wofür das Kürzel CT steht, auf leisen Sohlen die schwächelnden Absatzzahlen des vergangenen Jahres wieder aufgepeppt werden.

Rund 2000 Einheiten der kompakten Schräghecklimousine plante der Hersteller noch dieses Jahr in Deutschland zu verkaufen, seit der Markteinführung im März wurden bis August jedoch erst 835 Stück an den Mann bzw Frau gebracht. Doch woran liegt es?


Lexus glänzt mit niedrigem Verbrauch

Liegt es eventuell am Preis, der im Vergleich zu den Wettbewerbern mit ähnlich starken konventionellen Antrieben wie dem BMW 1er oder dem A3 von Audi bis zu 1800 Euro höher liegt. Doch dafür verfügt der Japaner bereits in der Basisausstattung über einiges, was bei der genannten Konkurrenz aufpreispflichtig ist: zehn Airbags, LED-Scheinwerfer, Tempomat, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine CD-Audioanlage und Alu-Räder, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Im Lexus CT 200h überzeugt ein wertiger Innenraum
Im Lexus CT 200h überzeugt ein wertiger Innenraum © Lexus

Hinzu kommt ein niedrigerer Verbrauch aufgrund des Antriebs. Wie im Toyota Prius arbeitet auch im Lexus CT 200h eine Einheit aus Verbrennungs- und Elektromotor nebst stufenlosem CVT-Getriebe. Der Vierzylinder-Benziner mit 1,8 Litern Hubraum leistet 73 kW/99 PS und besitzt ein maximales Drehmoment von 142 Nm, hinzukommen 60 kW/82 PS und 207 Nm vom Elektromotor, so dass sich eine Systemleistung von 100 kW/136 PS ergibt. Der E-Motor wird von konventionellen Nickel-Metallhydrid-Akkus gespeist, die ein emissionsfreies Fahren über wenige Kilometer und bis zu einer Geschwindigkeit von knapp 50 km/h ermöglichen.

Zwar spricht Lexus von einem Durchschnittsverbrauch von 3,8 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern und damit von einem CO2-Ausstoß von 87 Gramm pro Kilometer, doch in der Praxis ist dieser Wert kaum zu erreichen, selbst nicht in Kombination mit dem besonders umweltschonenden Fahrmodus "Elektro (EV)". So verbrauchte der Kompakte im Modus "Eco" im Schnitt 5,1 Liter, im "Normal"-Betrieb 5,9 Liter und im Modus "Sport" sowie entsprechender Fahrweise gar 7,7 Liter Super.

Sportlich sieht anders aus

Doch so richtig sportlich geht der Lexus nicht zur Sache, was auch dem stufenlose Automatikgetriebe zu verdanken ist. Den Standardsprint auf Tempo 100 schafft der Fronttriebler in 10,3 Sekunden, generell kann die Beschleunigung als eher gemütlich denn als zügig bezeichnet werden. Dabei klingt der Motor allerdings laut, gequält und wenig souverän, was auch für die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h gilt. Ansonsten lässt sich der CT solide fahren, in flott gefahrenen Kurven gibt sich das Fahrzeug spurtreu und das Fahrwerk ist sogar recht straff, aber nicht unbequem. Im Gegenteil: Die gut konturierten und für jede Größe einstellbaren Sitze bieten einen hohen Komfort und guten Halt.

Das Heck des Lexus CT 200h
Das Heck des Lexus CT 200h © Lexus

Auch sonst fühlt man sich im 4,32 Meter langen Lexus 200 h schnell wohl: Das Cockpit ist klar gezeichnet, die verwendeten Materialien sind edel, die Verarbeitung hochwertig. Die Bedienung sowie das Platzangebot vorn und hinten geben keinen Anlass zur Kritik, auf allen fünf Sitzen steht ausreichend Kopf- und Beinfreiheit zur Verfügung. Und die Ausstattung sucht in dieser Klasse ihresgleichen. Lediglich die Heckkamera zum Einparken muss zusätzlich geordert werden, ohne sie fällt das Einparken aufgrund des unübersichtlichen Hecks recht schwer. Das liegt mehr am Design als an der Kofferraumgröße, die mit 375 Litern Klassendurchschnitt ist und für drei Getränkekisten reicht. Muss größeres Stückgut hinter der niedrigen Ladekante verstaut werden, können die Rücksitzlehnen getrennt umgelegt werden und es entsteht eine durchgehend ebene Ladefläche für 985 Liter Gepäck.

In der Summe dürfte der CT 200h den meisten Ansprüchen der Kompaktwagenkäufer genügen, in Sachen Komfort sogar übertreffen. Und dennoch verkauft er sich nicht so gut, wie ein Audi A3 oder BMW 1er, obwohl deren Modellerneuerung kurz bevorsteht und die Verkaufszahlen daher traditionell nachlassen. Liegt es am Image von Lexus? Heimische Hersteller haben bei den Käufern im Vergleich zu Importeuren meist einen Stein im Brett. Vielleicht sind aber auch die Deutschen noch nicht bereit und das grüne Gewissen nicht groß genug für einen edlen Hybriden dieser Art - was schade ist. (mid)






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