24. Oktober 2008

Fahrbericht Kawasaki ER-6n Gelungenes Facelift für den Allrounder

Die neue Kawasaki ER-6n
Die neue Kawasaki ER-6n © Foto: Kawasaki

Kawasaki hat die ER-6n überarbeitet. Herausgekommen ist ein überzeugendes Allround-Bike mit einem noch aggressiverem Auftreten.


Von Norbert Meiszies

Das Erfolgskonzept des Allround-Motorrades ER-6n will Kawasaki auch mit der Neuauflage für das Modelljahr 2009 fortsetzen. Dennoch haben die Japaner es nicht bei einigen kleinen Retuschen belassen, sondern dem Bike eine komplett neue Optik verpasst. Zudem wurde technisch dort nachgebessert, wo es von Nöten war.

Erstklassiges Einsteiger-Bike

Als vor drei Jahren die Kawasaki ER-6n erstmals vorgestellt wurde, waren es die Allround-Fähigkeiten des Reihenzweizylinder-Motorrades, die von den Kunden über den grünen Klee gelobt wurden. Die 650er Kawa erwies sich als erstklassiges Einsteiger-Bike, sehr beliebt bei Fahrschulen und weiblichen Bikern. Der Motor überforderte niemanden, besaß aber ausreichend Potenzial, um nicht als lahm abgetan zu werden.

Die augenfälligste Änderung gegenüber der alten Maschine ist das klare, aggressive neue Styling. Die runden Formen der ersten ER-6n wurden durch kantige Konturen ersetzt, alle Linien weisen nach vorn und verleihen dem Motorrad ein geducktes Erscheinungsbild - wie ein zum Sprung bereites Raubtier.

Einen wesentlichen Anteil daran trägt die komplett neu entwickelte Rahmenkonstruktion. Das Design des Stahlrohrahmens, der hinteren Federung und der Schwinge bilden eine ununterbrochene Linie vom Lenkkopf bis zur hinteren Radnabe. Das wirkt sehr filigran, auch wenn sich hinter den abgerundeten Profilen der Stahlschwinge kantige Verstärkungen verbergen. Erreicht wird dies auch durch die eckige Form der Verkleidung des Scheinwerfers, die nun deutlich aggressiver und schlanker wirkt, was noch unterstützt wird von der neuen Form der nach vorne gezogenen Abdeckung der Kühlerverkleidung.

Neu gestyltes Cockpit

Auch Details wie die LED-Rückleuten, der zusätzlich innen angebrachte Schmutzfänger oder das neu gestylte Cockpit passen sich dem sportiven Design an. Neu ist auch eine Tankanzeige, die bei der letzten ER-6n noch fehlte.
Der Hang zu immer kompakteren Info-Einheiten führt allerdings dazu, dass die digitale Balkenanzeige für die Drehzahlen ungenau ablesbar ist.

Die Seitenansicht der neuen Kawasaki ER-6n
Die Seitenansicht der neuen Kawasaki ER-6n © Foto: Kawasaki

Das neue Design der Spiegel ähnelt dem der sportlichen Naked Bike-Modelle der Z-Reihe. Von der Mittelachse um 20 Millimeter weiter nach außen verlegt, sollen sie außerdem eine verbesserte Sicht nach hinten bieten. Das gelingt nur teilweise, denn der Lenker ist mit einer Breite von 76 Zentimeter immer noch sehr schmal und so sieht der Fahrer gerade im linken Spiegel außer dem eigenen Arm recht wenig.

Viel Aufmerksamkeit haben die Designer der Sitzposition gewidmet, dank der geringen Sitzhöhe von 78,5 Zentimeter und der schlanken Form des Rahmens fällt es selbst kleinen Menschen leicht, mit den Füßen den Boden zu erreichen.

Eingriffe ins Motormanagement

Der Motor der Kawasaki ER-6n wurde überarbeitet
Der Motor der Kawasaki ER-6n wurde überarbeitet © Foto: Kawasaki

Neben den zahlreichen optischen Überarbeitungen fallen die Eingriffe in das Motormanagement kaum auf, handelt es sich doch um den gleichen Motor wie im Vorgängermodell - mit einer Leistung von 53 kW/72 PS bei 8500 U/min, einem maximalen Drehmoment von 66 Nm bei 7000 U/min und einer Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h.

Allerdings hat man ihn nochmals einem Fein-Tuning unterzogen. Um ein besseres Ansprechverhalten gerade im unteren Drehzahlbereich zu erzielen, wurde die Einstellung der Kraftstoffeinspritzung überarbeitet. Das ist spürbar gelungen, die ER-6n entfaltet ihre Pferdestärken spontaner und gleichmäßig sanft.

Besonders auffällig ist das beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven. Lediglich das konstante Ruckeln im Schiebebetrieb konnte man der Kawa nicht austreiben.
Verschwunden sind dagegen die beim letzten Modell kritisierten Vibrationen.

ABS ist Serie

Die Kawasaki ER-6n verfügt serienmäßig über ABS
Die Kawasaki ER-6n verfügt serienmäßig über ABS © Foto: Kawasaki

Zudem wird die kleine Kawa in Deutschland serienmäßig mit ABS angeboten. Damit auch das Fahrwerk mit den höheren Bremsleistungen mithalten kann, erhielt die Telegabel härtere Federn. Der Unterschied zu einer ER-6n ohne ABS ist auffallend, hier wirkt die Telegabel beim kräftigen Betätigen der Bremse nicht ganz so souverän.

In der Kombination aus effektiver Einspritzanlage und einem neuen, im Gewicht reduzierten G-Kat werden die Vorgaben der Euro-3-Abgasnorm erfüllt. Der Katalysator sorgt zudem dafür, dass der ungewöhnlich unter dem Motor angebrachte Schalldämpfer auch noch einmal überarbeitet wurde und sich so dem Gesamtbild positiv anpasst - auch wenn man deshalb auf einen Hauptständer verzichten muss.

Ab Ende Dezember soll die neue Kawasaki ER-6n beim Händler stehen, preislich wird sie sich an der Vorgängerin orientieren, also circa 6600 Euro kosten. Für ein so ausgewogenes und in vielen Details noch einmal verbessertes Motorrad ein verlockendes Angebot, das die Erfolgsgeschichte des Kawasaki-Einstiegs-Motorrades auch als sportiveren Allrounder fortschreiben dürfte. (mid)