12. November 2008

Fahrbericht Fahrbericht: Infiniti EX 37 Edler Spätzünder

Der Inifiniti EX37
Der Inifiniti EX37 © Foto: Infiniti

Dicht an dicht drängen sich kompakte Nobel-SUV auf einem ohnehin schwierigen Markt. Nun kommt mit Infiniti eine weitere Marke hinzu. Der EX 37 punktet mit einer reichhaltigen Ausstattung, doch das dürfte für einen schnellen Erfolg kaum reichen.




Von Sebastian Viehmann

Im Herbst 2009 wird es ernst für Infiniti. In anderen Ländern Europas ist der Verkauf bereits angelaufen, in Deutschland kam das Händlernetz bislang nur schleppend voran. Bis zum nächsten Herbst sollen zumindest in mehreren großen Städten Infiniti-Center eröffnen und die Edelmarke hierzulande anlaufen. Neben dem großen SUV FX und dem G37 rechnen sich die Japaner vor allem beim EX Chancen aus. Mit 4,64 Metern Länge und 1,9 Tonnen Lebendgewicht geht einem das Wort Kompakt nur zögerlich über die Lippen, doch der EX soll die kleinen SUV der «Großen Drei» angreifen: Audis Q5, BMWs X3 und den GLK von Mercedes.


Wenig Stauraum

Im Vergleich zum FX wirkt der kleinere EX dezenter und gefälliger gestylt. Allerdings sieht er von außen größer aus, als er innen ist. Auf den vorderen Plätzen kann man es sich noch bequem machen, hinten hätte man vor allem an den Knien mehr Lebensraum erwartet. Auch die sehr hohe Ladekante und ein Gepäckraum von lediglich 340 Litern enttäuschen. Ein Audi Q5 schluckt 540 Liter, der X3 kann 480 Liter wegstecken und der Mercedes GLK immerhin noch 450 Liter. Im Innenraum kann sich der Infiniti ebenfalls kaum von der Konkurrenz abheben: Die Verarbeitung ist tadellos, aber die Innenraumanmutung eben auch nicht besser oder schlechter als bei Audi und Co.

Rundum-Sichtsystem

Der Inifiniti EX37
Der Inifiniti EX37 © Foto: Infiniti

Ein Highlight, das die Konkurrenz nicht zu bieten hat, ist das optionale Rundumsicht-System. Vorne, hinten und in den Außenspiegeln des EX37 sind winzige Kameras angebracht. Die Bilder werden vom Computer verknüpft und auf dem serienmäßigen 8-Zoll-Farbdisplay angezeigt, so dass der Fahrer eine Sicht aus der Vogelperspektive mit dem Auto in der Mitte hat. Das erleichtert das Rangieren ungemein, denn die runden Formen des EX machen den Wagen unübersichtlich. Immerhin ist auch ohne Rundumsicht-Monitor eine akustische Einparkhilfe für vorn und hinten serienmäßig an Bord.

Umfangreiche Ausstattung

Rückfahrt aus der Vogelperspektive
Rückfahrt aus der Vogelperspektive © Foto: Infiniti

Überhaupt ist es die reichhaltige Ausstattung, die den EX dann doch noch von der Konkurrenz abhebt. Im Basispreis, der ungefähr 46.000 Euro betragen soll, sind Dinge wie Zweizonen-Klimaautomatik, Audiosystem mit Multifunktionslenkrad, Automatikgetriebe oder elektrische Sitzverstellung bereits enthalten. Die Aufpreisliste besteht im Wesentlichen aus Oberklasse-Features wie Abstandstempomat, Xenon-Scheinwerfern mit Kurvenlicht oder dem Rundumsicht-System.

Europäische Abstimmung

Auch beim Fahrverhalten peilt Infiniti die deutschen Premiummarken an. Für den europäischen Geschmack wurden die bislang vor allem in den USA bekannten Infinitis mit über 500 Modifikationen abgestimmt. Das Fahrwerk ist erfreulich straff, die Lenkung direkt und der permanente Allradantrieb sehr reaktionsfreudig, so dass der EX37 auf der Straße eine überraschend dynamische Figur macht. Dazu steuert natürlich der Antrieb sein Scherflein bei. Mit 3,7 Litern Hubraum, 235 kW / 320 PS Leistung und einem maximalen Drehmoment von 360 Newtonmetern galoppiert der schwere Geländewagen in 6,4 Sekunden auf 100 km/h. Flotter ist man auch mit X3, Q5 oder GLK nicht unterwegs.

Dieselmotor und Hybrid kommen 2010

Edlers Cockpit
Edlers Cockpit © Foto: Infiniti

Sparsamer allerdings sehr wohl: Der satt vor sich hin brabbelnde und dennoch seidenweich laufende V6 ist bislang die einzige Motorisierung, die für den EX zu haben ist. 11,2 Liter pro 100 Kilometer (Werksangabe) fließen im Durchschnitt durch die Leitungen. Die stärksten Benzinaggregate der Konkurrenz (etwa der Dreiliter-Benziner mit 272 PS beim X3 oder der 3,5-Liter V6 mit 272 PS beim GLK) geben sich mit deutlich weniger Sprit zufrieden. Vor allem aber punkten Audi, BMW und Mercedes mit sparsamen und trotzdem kraftvollen Dieselmotoren. Bei Infiniti halten Selbstzünder und Hybridantrieb voraussichtlich 2010 Einzug. Basis ist das Dreiliter-Aggregat, das die Renault-Nissan-Allianz im neuen Renault Laguna Coupé vorgestellt hat. Dort leistet es 235 PS.

Preis-Leistung

Beim Preis orientiert sich Infiniti an der Konkurrenz. Ein Q5 ist ab 42.350 Euro zu haben (hat dann aber nur einen Zweiliter-Benzinmotor), der X3 xDrive 3.0 kostet 44.900 Euro und der GLK 350 stramme 46.053 Euro. Weil aber der Dieselmotor im SUV-Segment eine enorme Rolle spielt und im X3-Segment rund zwei Drittel aller Zulassungen für sich verbuchen kann, könnte der Start des EX37 trotz eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses ziemlich holprig werden.






Mehr zur Marke Infiniti

Moderner Retro-RoadsterInfiniti elektrisiert Pebble Beach

Infiniti fährt auf dem Concours d’Elegance mit einem besonderen Rennwagen vor. Der Prototype 9 erinnert an die legendären Silberpfeile, ist aber mit einem modernen Antrieb ausgestattet.


Auch neuer Q50 in GenfInfiniti Projekt Black S: Formel 1 für die Straße

Infiniti verwandelt das Q60 Sportcoupé in einen Boliden für den Alltag. Die neue Modellfamilie bildet damit den oberen Leistungspunkt im Portfolio des Edel-Ablegers von Nissan.


Emanzipation vom DieselInfiniti setzt auf variable Verdichtung

Infiniti will die Verdichtung im Benzinmotor variabel einsetzen. Der VC-T könnte dann für jede Fahrsituation entweder Leistung oder Sparsamkeit abrufen und den Selbstzünder mittelfristig damit aus dem Programm werfen.



Mehr aus dem Ressort

Der VW Golf GTI TCR darf nur auf Rennkursen bewegt werden
Bei Seat gebautVW Golf GTI TCR: Nur für die Rennstrecke

65 Prozent aller Bauteile sind identisch mit einem normalen Serienmodell. Trotzdem darf der VW Golf GTI TCR nicht am Alltagsverkehr teilnehmen – und das ist auch gut so.


Porsche hat auch den Panamera Kombi hybridisiert
Turbo S E-Hybrid Sport Turismo mit 680 PSHybrider Porsche Panamera Kombi: Teilzeit-Stromer der Superlative

Porsche hat die Kombivariante des Panamera an den Stecker gepackt. Die hybride Zufuhr dient dem Turbo S E-Hybrid Sport Turismo dabei sowohl der Leistungssteigerung als auch der emissionsfreien Fahrt durch urbane Umweltzonen.


Japaner polarisiertHonda Civic Type R: Fast and Furios

Dieses Auto polarisiert: Die einen fahren auf das Design des Honda Civic Type R ab, für die anderen wirkt es schlicht prollig. Dabei hat der Japaner abseits seines Aussehen viele Stärken.