14. März 2012

Fahrbericht Gelungene Modellpflege Hyundai i30: Liebesgrüße nach Wolfsburg

Der Hyundai i30 wird dem Golf etliche Kunden abjagen. Fotos ▶
Der Hyundai i30 wird dem Golf etliche Kunden abjagen. © Hyundai

Was da anrollt wird VW-Chef Martin Winterkorn nicht gefallen. Der neue Hyundai i30 bringt alles mit, um dem Golf Kunden streitig zu machen. Neben einem adretten Aussehen bietet er auch dynamische Fahrleistungen.




Von Jens Meiners

Schon mit der vergangenen Modellgeneration des i30 hat sich Hyundai in der Kompaktklasse endgültig etabliert und sich Lorbeeren erworben in einem Segment, in dem andere Importmarken kräftig Federn lassen mussten. Nun gilt es die errungene Position zu festigen und den Bestseller im Segment, den VW Golf, weiter unter Druck zu setzen. Die Marke hat genau zugehört und einige Kritikpunkte am Vorgängermodell präzise korrigiert.

Deutlich charaktervoller als bisher präsentiert sich die Karosserie, die unter der Ägide des früheren BMW-Designers Thomas Bürkle entstanden ist. Der i30 zeichnet sich durch eine prononcierte Keilform mit kräftig ausgeformten Vorderkotflügeln aus; Seitenfenster und Dach sind coupéhaft ausgeformt, das Heck ist stark horizontal betont. Ähnlich gefällig wie die Außenhaut ist das Interieur gezeichnet, wenngleich es für unseren Geschmack auch ein paar Linien weniger getan hätten. Aber für kalten Purismus ist ohnehin die Schwestermarke Kia zuständig: bei Hyundai sind die Formen elegant, teils gar opulent.


Hyundai i30 mit umfangreicher Ausstattung

Dazu passt die umfangreiche Ausstattung des i30. Schon in der Einstiegsvariante Classic für 15.850 Euro gibt es ein Audiosystem, Klimaanlage und elektrische Fensterheber vorn. Die nächsthöhere Ausstattungslinie trägt die Bezeichnung Trend, die Spitze markiert das Niveau Style, und auch hier ist weitere Aufwertung möglich. Wer alle Extras bestellt - sie sind in preisgünstigen Paketen gebündelt - bekommt ein Fahrzeug auf dem Ausstattungsniveau der oberen Mittelklasse. Auch den kleinsten Motor erhält man mit der höchsten Ausstattung; dies war ein expliziter Kundenwunsch. Zum Marktstart gibt es für kurze Zeit eine sogenannte Intro Edition.

Das Cockpit des Hyundai i30
Das Cockpit des Hyundai i30 © Hyundai

Die Palette der Benzinmotoren umfasst den ausreichend kräftigen 1,4-Liter mit 73 kW/99 PS sowie den deutlich agileren 1,6-Liter mit 99 kW/135 PS. Bei diesem Motor handelt es sich um eine Komfortmotorisierung, die gute Reserven zum Überholen auf der Landstraße bietet und sich akustisch weitgehend zurückhält. Auf der Autobahn wird bei 195 km/h abgeregelt - egal, ob man sich im fünften oder sechsten Gang aufhält.

Zudem stehen drei Dieselmotoren zur Wahl. Der 1,4-Liter-CRDi mit 66 kW/90 PS wurde im Vergleich zum Vorgängermodell erheblich überarbeitet und tritt nun bei niedrigen Drehzahlen deutlich kräftiger an. Höhere Drehzahlen liebt der kleine Diesel allerdings gar nicht, und auf der Autobahn verliert das Aggregat vorzeitig die Motivation. Wer regelmäßig längere Strecken zurücklegt, ist erheblich besser mit dem 81 kW/110 PS starken 1,6-Liter-CRDi bedient, der bei höheren Drehzahlen nicht nur spürbar mehr Kraft erzeugt, sondern auch mit einem satten Klangbild erfreut. Wer noch mehr Kraft wünscht, erhält den größeren Diesel auch in einer 94 kW/128 PS starken Variante.

Alle Modelle mit Sechsgang-Getriebe

Alle i30-Modelle sind mit einem Sechsgang-Getriebe ausgerüstet, das sich leicht und exakt schalten lässt. Gegen Aufpreis gibt es für die 1,6-Liter-Motoren eine Sechsgang-Automatik. Ein Start-Stopp-System ist hingegen nur beim blue 1.6 CRDi mit dem stärksten Dieselmotor an Bord - das auf niedrigen Verbrauch getrimmte blue-Paket ist obligatorisch an die mittlere Ausstattung Trend gekoppelt. Damit verbraucht der i30 im Zyklus lediglich 3,7 Liter pro 100 Kilometer. Übrigens könnte auch noch ein 1,6-Liter-Turbo-Benziner mit 137 kW/186 PS nachgereicht werden; Hyundai prüft eine solche Variante gerade intern.

Das Heck des Koreaner kann sich sehen lassen
Das Heck des Koreaner kann sich sehen lassen © Hyundai

Das Fahrwerk des i30 ist vom Vorgänger abgeleitet und bietet einen annehmbaren Kompromiss aus Komfort und Fahrdynamik, wobei Dynamiker etwas weniger auf ihre Kosten kommen. Übrigens hat sich Hyundai die Kritik an der gefühllosen Lenkung des Vorgängers zu Herzen genommen. Die elektromechanische Flex-Steer-Servolenkung ist nunmehr in drei Stufen verstellbar, von denen keine zu 100 Prozent überzeugen kann. Der sehr leichtgängige Komfort-Modus erfordert bei Bewegungen aus der Mittellage die Überwindung eines kleinen Widerstandes; beim Rangieren ist der Modus allerdings sehr angenehm. Der Normal- und der etwas schwergängigere Sport-Modus bieten ausreichend Rückmeldung, ermutigen aber nicht zur verschärften Kurvenhatz.

Aber solange es keinen Turbo-Benziner gibt, ist dieser Kompakte ja auch nicht unbedingt dafür gebaut. Die Kundschaft dürfte sich eher an der guten Sitzposition, dem geräumigen Kofferraum sowie der hohen Verarbeitungsqualität erfreuen, der sogar hochrangige Konkurrenzmanager öffentlich Respekt zollen. Gefertigt wird der i30 übrigens im tschechischen Noschowitz. Hyundai ist eben angekommen - und mit dem i30 in einigen Bereichen sogar Vorbild geworden. Was noch fehlt, ist Emotion. Die kommt hoffentlich mit dem Turbo. (SP-X)






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