28. Juli 2010

Fahrbericht Honda Jazz 1.2 Der Trick mit dem Tank

Der Honda Jazz
Der Honda Jazz © Honda

Er wirkt nicht gerade modern, doch dafür überzeugt der Honda Jazz mit seinen inneren Werten. Vor allem bietet er seinen Passagieren ausreichend Platz. Allerdings könnte der 1.2 Liter-Benziner mehr Durchzugskraft vertragen.




Von Holger Holzer

Es muss nicht immer ein Van oder Kombi sein: Obwohl der Honda Jazz auf den ersten Blick ein eher konventioneller Kleinwagen ist, bietet er im Innenraum dank pfiffiger Konstruktion Variabilität und Platz auf dem Niveau klassischer Familienautos. Der 3,90 Meter kurze Stadtfloh ist mit einem munteren 66 kW/90 PS-Benziner ab 12 550 Euro zu haben.


Konstruktionstrick mit dem Tank

Der Fünftürer wartet mit einem von außen unsichtbaren Konstruktions-Trick auf: Sein Kraftstofftank ist statt wie üblich unterhalb der Rückbank unter den Vordersitzen angebracht. Dort stört er Fahrer und Beifahrer nicht weiter, die Dreier-Bank im Fond gewinnt dadurch jedoch ungekannte Bewegungsfreiheit. So lassen sich nicht nur wie üblich die Lehnen zur Vergrößerung des Kofferraums umlegen, sondern alternativ die Sitzflächen wie im Kino hochklappen. Dann entsteht im Fußraum Platz, der sich hervorragend zum Transport von Einkaufstaschen eignet. Auch Große Zierpflanzen etwa lassen sich in kaum einem anderen Auto derart gut transportieren.

Zudem kann die Lehne des Beifahrersitzes flach gelegt werden, so dass sogar besonders lange Güter mitgenommen werden könne. Neben dem Tank-Trick profitiert der Jazz auch von der platzsparend kurzen Motorhaube sowie dem leicht erhöhten Dach. Da wundert es nicht, dass sich bereits die trockenen Volumenangaben aus dem technischen Datenblatt beeindruckend lesen: Bei voller Bestuhlung bietet der Kleinwagen mit 428 Litern fast so viel Kofferraum wie der eine Klasse größere VW Golf, wird die Rückbank umgeklappt, wächst das Stauvolumen auf 1 396 Liter. Zum Vergleich: In den Golf passen maximal 1305 Liter – und der ist gut 30 Zentimeter länger.

Etwas altbacken

Durch den Fokus auf hohen Alltagsnutzen präsentiert sich der Jazz äußerlich nicht so modisch-schick wie Wettbewerber vom Schlage eines Ford Fiesta oder Seat Ibiza. Mit seiner von großen dreieckigen Scheinwerfern verzierten kurzen Schnauze und dem relativ steilen Heck ist er aber durchaus gefällig anzusehen. Der Innenraum wartet sogar mit einem für die Kleinwagenklasse recht flotten Design auf. Auch Materialauswahl und Verarbeitung können voll überzeugen.

Das hohe Niveau bei Variabilität und Verarbeitung kann der Jazz im Fahrbetrieb nicht ganz halten. Der relativ leichte Kleinwagen wirkt etwas dünnblechig - Motor- und Abrollgeräusche sind im Inneren deutlich zu vernehmen. Der kurze Radstand sorgt zudem für eingeschränkten Fahrkomfort auf unebener Straße. Der 66 kW/90 PS starke 1,2-Liter-Benziner dreht zwar munter hoch, muss aber auch mit viel Gas bei Laune gehalten werden.

Denn im unteren Drehzahlband tut sich in Sachen Durchzug fast nichts. Resultat ist ein vergleichsweise hoher Verbrauch; statt der vom Hersteller angegebenen 5,3 Liter fließen in der Praxis eher rund sieben Liter durch die vier Brennräume. Da hilft auch die serienmäßige Schaltpunktanzeige nichts. Im Stadtverkehr schlägt sich der kleine Motor unterm Strich wacker, auf Langstrecken gerät er jedoch schnell an seine Grenze. Auch fehlt für hohe Geschwindigkeiten ein drehzahlsenkender sechster Gang, der auch Verbrauch und Geräuschniveau niedrig halten würde.

Sechs Airbags

Die Ausstattung in der Basisversion ist in Sachen Sicherheitsextras vollständig: Sechs Airbags und der Schleuderschutz ESP sind an Bord. Wichtige Komfort-Features wie Klimaanlage und CD-Radio gibt es aber erst in der höheren Ausstattungslinie "Trend" für 2 340 Euro Aufpreis. Der Preis für ein ordentlich ausgestattetes Modell steigt somit auf 14 890 Euro. Dafür bewahrt eine dreijährige Garantie den Besitzer vor unangenehmen Überraschungen in der Werkstatt. Die Prämie für die Kfz-Haftpflichtversicherung beträgt etwa bei der AXA 562 Euro im Jahr, der Fiskus verlangt 36 Euro.

Für die Stadt ist der Honda Jazz mit seinen parkplatzfreundlichen Abmessungen und dem vergleichsweise großen Nutzraum ein ideales Auto. Auf Langstrecken und bei längeren Autobahnfahrten stören die fehlende Durchzugskraft und das hohe Geräuschniveau. (mid)






Mehr zur Marke Honda

Premiere in TokioHonda GL 1800: Neuauflage der kultigen Goldwing

Die Honda Goldwing gehört zu den Luxus-Tourern im Segment. Auf der Tokio Motorshow haben die Japaner nun die neue GL 1800 präsentiert.


Premiere auf der IAAHonda Jazz auf der Spur des Civic

Honda frischt den Jazz auf. Der Kleinwagen wird dabei nicht nur optisch verfeinert, sondern erhält zudem noch ein neues Top-Aggregat samt neuer Ausstattungslinie.


Hohe Ziele bis 2025Honda setzt bei E-Mobilität auf Europa

Honda setzt bei der Elektromobilität auf Europa als Wachstumstreiber. Die Japaner planen, dass bis 2025 jedes dritte hier verkaufte Fahrzeug über einen Elektroantrieb verfügen soll.



Mehr aus dem Ressort

Marktstart im Frühjahr 2018Volvo XC40: Cool sein hat seinen Preis

Volvo will wachsen – und dazu beitragen soll insbesondere das Kompakt-SUV XC40. Er wird im März auf den Markt kommen. Das Auto bringt alles mit, um ein Erfolg zu werden. Wenn da nur nicht der Preis wäre.


Der VW Golf GTI TCR darf nur auf Rennkursen bewegt werden
Bei Seat gebautVW Golf GTI TCR: Nur für die Rennstrecke

65 Prozent aller Bauteile sind identisch mit einem normalen Serienmodell. Trotzdem darf der VW Golf GTI TCR nicht am Alltagsverkehr teilnehmen – und das ist auch gut so.


Porsche hat auch den Panamera Kombi hybridisiert
Turbo S E-Hybrid Sport Turismo mit 680 PSHybrider Porsche Panamera Kombi: Teilzeit-Stromer der Superlative

Porsche hat die Kombivariante des Panamera an den Stecker gepackt. Die hybride Zufuhr dient dem Turbo S E-Hybrid Sport Turismo dabei sowohl der Leistungssteigerung als auch der emissionsfreien Fahrt durch urbane Umweltzonen.