Hybrider Lockvogel

Honda CR-Z

Der Honda CR-Z © Foto: Honda

Hybridtechnik und sportliches Fahren schließen sich angesichts der bestehenden Modelle in den kleineren Segmenten aus. Auch der Honda CR-Z zeigt, dass auch ein auf sportlich angelegtes Konzept die Gratwanderung nicht unbedingt erfolgreich absolviert.

Bisher waren Hybrid-Fahrzeuge wie der Toyota Prius oder der Honda Civic Hybrid und der Insight nicht unbedingt die Hingucker in Sachen Design. Die bananenförmigen Mobile mit den zwei Motoren an Bord veranlassten viele schon auf den ersten Blick, in Sachen Hybrid abzuwarten. Mit dem CR-Z will Honda nun die anlocken, die trotz Nachhaltigkeit nicht auf Fahrspaß verzichten wollen.

Reminiszenz an die achtziger Jahre

Der auf sportlich getrimmte Zweisitzer ist eine Reminiszenz an den CR-X der achtziger Jahre, die sportliche Alternative aus Japan zum GTI. Sollten damals die zumeist jüngeren Fahrer mit günstigen Preisen von der deutschen Konkurrenz fortgelockt werden, so soll der CR-Z aktuell das jüngere Publikum in die Welt der Hybridtechnik einführen.

Nicht ganz so schrill wie der aktuelle Civic präsentiert sich der 2+2-Sitzer von der Front her. Hier hält sich der 4,08 Meter lange CR-Z noch dezent zurück. Um so interessanter präsentiert sich die - von der Seite betrachtet - absteigende Linie hinter der B-Säule, die den sportlichen Charakter unterstreicht.

Waschechter Honda in mittleren Geschwindigkeiten

Blickfreiheit ist kaum gegeben Foto: Honda

Doch das zwei geteilte Heckfenster hat seine Schwächen, die auch schon beim Civic sichtbar wurden. Der Blick nach hinten ist kaum gegeben und auch die kleinen Seitenscheiben halten den Fahrer nicht davon ab, Kurven schon mal im Blindflug zurückzulegen. Da hilft es auch nichts, dass die Rücksitze aufgrund Platzmangels zumeist frei bleiben werden und so für etwas mehr Blickfreiheit sorgen.

Auch im Innenraum, der auf den Elementen der 2007 in Tokio vorgestellten Studie CR-Z Concept basiert, ist Sportlichkeit Trumpf. 3D-Displays und ein überschaubares Cockpit lassen so etwas wie puristischen Charakter einfließen. Gestartet wird per Knopfdruck und der 1,5 Liter große Verbrennungsmotor heult auf. In mittleren Geschwindigkeiten zeigt sich der CR-Z als waschechter Honda. Die sechs Gänge – zum ersten Mal fährt ein Hybrid nicht mit einem Automatikgetriebe – lassen sich knackig einlegen, so dass die Kurvenhatz losgehen kann.

Kein elektrisches Fahren möglich

E-Motor nur zur Unterstützung Foto: Honda

Verschwunden sind die sportlichen Gefühle bei der Fahrt auf die Autobahn. Hier macht sich bemerkbar, dass der 1,2 Tonner lediglich von 124 PS angetrieben wird. Bis zur Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ist es ein langer und mühsamer Weg, der bereits bei 150 km/h steinig wird.

Von dem 14 PS starken Elektromotor merkt der Fahrer dabei nichts. Wie bei Honda üblich, ist die kleine Antriebsquelle mit Nickel-Metall-Hydrid-Technik auch nur zur Unterstützung des Verbrennungsmotors vorgesehen, wobei – im Gegensatz zu Civic und Hybrid – im CR-Z kein rein elektrisches Fahren möglich ist. Dass ein E-Motor an Bord ist, wird an der Ampel spürbar, wenn der Gang im Leerlauf ist. Dann schaltet sich der Motor ab. Per Herunterdrücken des Kupplungspedals erwacht das Aggregat wieder.

Ab 21.990 Euro

Warten auf die Pflanze in Grün Foto: Honda

Die dann weiter folgende Unterstützung des E-Motors kann der Fahrer am Instrumentenbrett mitverfolgen. Wie beim Insight wächst dort eine Pflanze mit, soweit man spritsparend unterwegs ist. Dann wechselt auch die Hintergrund-Beleuchtung ins Grüne. Senkt sich der Gasfuß, wechselt die Farbe auf Gelb, später auf rot. Dann sind die angegebenen fünf Liter Superbenzin natürlich nicht zu halten – und auch die Pflanze hat ihre letzten Blüten abgeworfen.

Nicht Blüten, sondern mindestens 21.990 harte Euro müssen für den Platz hinter dem Lenkrad des Hybriden mit sportlichem Charme auf den Tisch gelegt werden. Dafür sind dann sechs Airbags, aktive Kopfstützen, Berganfahrhilfe, ESP, Klimaautomatik und ein CD-Audiosystem an Bord. Wie in den achtziger Jahren ein günstiger Einstieg – und doch nur ein Lockangebot, denn die Sportlichkeit ist begrenzt und der Hybrid kommt über den Feigenblatt-Charakter kaum hinaus. (AG)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.