28. Mai 2010

Fahrbericht Ford Focus RS 500 Fliegender Rheinländer

Der RS 500 ist der krönende Abschluss der Focus-Reihe
Der RS 500 ist der krönende Abschluss der Focus-Reihe © Foto: Ford

Der RS 500 zieht einen beeindruckenden Schlussstrich unter die aktuelle Focus-Generation. 350 PS zerren an dem Lenkrad des bulligen Fünfzylinders und verweisen zugleich auf erste Wünsche für die folgende RS-Generation.




Von Stefan Grundhoff

Das einzige emotionale Auto in der Modellpalette des Automobilherstellers Ford ist der im Herbst auslaufende Focus RS. Als «RS 500» wird der kompakte Sportler nun zum fliegenden Rheinländer und bildet mit seinen unschlagbaren 257 kW/350 PS den krönenden Abschluss des Modell-Lebenszyklus. Der auf 500 Einheiten limitierte Schlussstrich kostet 46.050 Euro.


Bis an die Drehzahlgrenze

Bei einer ersten Testfahrt mit dem RS 500 geht es vom Ahrtal hinauf durch die Weinberge. Keine Touristenbusse, keine Radfahrer, die sich auf dem schmalen Kurvenschlängeln breit machen und dem starken Kölner in den Weg stellen. Zweiter Gang, dritter Gang, anbremsen, wieder in den zweiten und einlenken. Der Aufstieg ist steil und der aufgeladene Fünfzylinder-Benziner jubelt, als er wieder Luft zum Atmen bekommt. Zum x-ten Male möchte sich der Pilot am Steuer bedanken - den Ingenieuren von Ford die Hände schütteln, die die Lenkung kreiert haben oder das Fahrwerk zu dem gemacht haben, was es ist und dem Motor nochmals ein paar Flügel mehr verliehen haben.

Gegenüber dem 305 PS starken RS bietet der RS 500 nochmals 45 Pferdestärken mehr. Überflüssig zu erwähnen, dass diese in engen Kehren an der Vorderachse zerren. Doch es bleibt beeindruckend, wie der rasende Kölner mit Vorderantrieb seine Leistungsausbrüche in Vortrieb umwandelt. Der 2,5-Liter-Motor brüllt und presst den knapp 1,5 Tonnen schweren Rallye-Ableger die engen Kehren der Weinberge hinauf. Das ganze Teilstück geht im zweiten Gang, der sich bis an die 7000er-Drehzahlmarke keinerlei Zögern erlaubt.

Krönung zum Produktionsende

Der Vortrieb ist gewaltig und der typische Fünfzylinder-Sound begeistert derart, dass man das Seitenfenster gar nicht wieder hinauffahren möchte. «Wir wollten das Produktionsende der aktuellen Modellgeneration des Focus RS mit einer ganz speziellen Variante krönen», so Joe Bakaj, Vizepräsident der Produktentwicklung bei Ford Europa, «angesichts der begeisternden Optik und der atemberaubenden Leistungsdaten haben wir keinerlei Zweifel, dass uns der RS 500 von Sportwagen-Enthusiasten förmlich aus den Händen gerissen wird.» Und das wird. Die in Europa 500 zur Verfügung stehenden Einheiten sind bis auf ganz wenige Fahrzeuge bereits vergeben. Auch die 55 für Deutschland bestimmten RS 500 gingen weg wie warme Semmeln. «Es hat keine zwei Wochen gedauert», so Deutschland-Geschäftsführer Wolfgang Booms.

Doch der Focus RS 500 ist mehr als ein fahrender und brüllender Motor auf einem 19-Zoll-Radsatz. Genauso begeisternd wie der bullig blubbernde Fünfzylinder ist das ungemein neutrale Fahrwerk. So sehr man sich bei Wechselkurven auch an den vermeintlichen Grenzbereich herantastet, es scheint ihn kaum zu geben. Die ESP-Leuchte am Armaturenbrett zeigt keine Regung und das Heck bleibt schon durch den gewaltigen Dachspoiler in der Spur. Allein das üppige Gewicht von rund 1,5 Tonnen kann der Focus nicht völlig überspielen - aber das leistungsstarke Triebwerk lässt einen immer wieder darüber hinwegsehen.

In 5,6 Sekunden auf 100 km/h

Die Höchstgeschwindigkeit hat sich durch den Leistungszuwachs von rund 15 Prozent kaum geändert. Statt der 263 km/h Spitze des RS schafft der RS 500 265 km/h. Das reicht immerhin, um abgeregelte Luxuslimousinen aus Stuttgart, Ingolstadt oder München zu jagen. Die Unterschiede der beiden RS-Versionen liegen vielmehr im bissigeren Ansprechen des Fünfzylinders in höheren Drehzahlbereichen. Aus dem Stand auf Tempo 100 schafft es der Kölner Bolide in 5,6 Sekunden.

«Die optimierte Sauerstoffzufuhr des Motors ermöglicht eine deutlich höhere Kraftentfaltung, ohne dafür den Ladedruck übermäßig heraufsetzen zu müssen», erläutert Cheftechniker Gunnar Herrmann. Der in Aussicht gestellte Normverbrauch von 9,4 Litern Super auf 100 Kilometern lässt sich angesichts der möglichen Kraftausbrüche des Focus RS jedoch nur abseits aller Realitäten erreichen. Schließlich will im Focus RS 500 geritten und nicht flaniert werden.

Warten auf den Allrad-Antrieb

Optisch unterscheidet sich der Focus RS 500 vom normalen RS allein durch den mattschwarzen Lack, den RS-500-Schriftzug am Heck und die kleine Plakette in der Mittelkonsole mit der laufenden Produktionsnummer. Nach Nummer 500 wird Schluss sein, auch wenn die Kundschaft lautstark an die Tore der Händler klopft und die nötigen 46.050 Euro auf den Verkaufstisch legen möchte.

Denn im Herbst war es das mit dem aktuellen Focus. Anfang des Jahres steht die neue Generation in den Schaufenstern. Und man muss kein Prophet sein, um auch beim Nachfolger eine RS-Version am Horizont blitzen zu sehen - vielleicht dann auch mit Allradantrieb. Die würde den Focus RS noch besser machen. (mid)






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