21. November 2012

Fahrbericht Fünf neue Motoren Ford Fiesta: Unter Kontrolle der Eltern

Ford hat den Fiesta gründlich überarbeitet.
Ford hat den Fiesta gründlich überarbeitet. © Ford

Ford hat den Fiesta zur Lebensmitte kräftig überarbeitet. Neben neuen Motoren und neuem Design gibt es auch ein Detail, über das sich Fahranfänger nicht so sehr freuen werden.




Nicht kleckern, sondern klotzen stand wohl ganz oben in dem Lastenheft der Ford-Ingenieure. Zumindest haben sie an den Fiesta während der großen Überarbeitung zur Lebensmitte nicht einfach nur kosmetisch Hand angelegt, sondern auch unter dem Blech ordentlich aufgeräumt. Fünf neue Motoren erhält der Kleinwagen, dazu einige neue Sicherheitsfeatures.


Zehn Triebwerke für den Ford Fiesta

Von den zehn verfügbaren Triebwerken - sieben Benziner, zwei Diesel und eine Variante mit Autogas - liegen sieben beim Durchschnittsverbrauch unter der CO2-Ausstoßgrenze von 100 Gramm. Sparmeister ist der 1,6-Liter-Diesel mit 70 kW/95 PS. In der optimierten Version begnügt sich der Selbstzünder mit 3,3 Litern, emittiert 87 Gramm CO2. Mit diesem Aggregat sowie einem neuen 1,5 Liter mit 55 kW/75 PS zielt Ford auf Länder wie Frankreich, Spanien oder Italien, wo der Dieselanteil auch bei Kleinwagen sehr hoch ist.

In Deutschland dürfte jedoch die neue Dreizylinder-Motorengeneration das Rennen um die Gunst der Kunden machen. Der 1,0-Liter-Turbo feierte sein Debüt im Focus. Im Fiesta kommen nun weitere Ableger zum Einsatz. Für erste Fahrtests stand eine Variante mit 92 kW/125 PS zur Verfügung – das vorläufige Top-Triebwerk, bis im Frühjahr der ST mit 134 kW/182 PS folgt.

Starker Turbo-Dreizylinder im Ford Fiesta

Der Dreizylinder treibt den Ford Fiesta kräftig an
Der Dreizylinder treibt den Ford Fiesta kräftig an © Ford

Der kleine Turbo legt sich mächtig ins Zeug und gibt sich dabei akustisch sehr verhalten. Die typische und manchmal penetrante Drei-Töpfe-Begleitmusik kann hier selbst bei geöffnetem Fenster nicht wahrgenommen werden. Zudem vermittelt der Fiesta ein spritziges Fahrgefühl, was von dem straffen, aber nicht unbequemen Fahrwerk unterstützt wird. Bei 170 Nm Maximalausbeute muss man natürlich gerne schalten wollen, das ist aber dank des leichtgängigen Fünfgang-Getriebes kein Problem. Auf Autobahnstrecken vermisst man indes einen sechsten Vorwärtsgang.

Der Fahrspaß mit dem kleinen Turbobenziner hat seinen Preis. Nicht nur, dass sich auf unserer Testfahrt der Verbrauch rund drei Liter über dem Normwert von 4,3 Litern bewegte, schon bei der Anschaffung muss der Kunde tief in die Tasche greifen. Mindestens 17.570 Euro sind in Verbindung mit der gehobenen Titanium-Linie fällig. Damit ist aber der Fiesta allerdings auch sehr komfortabel ausgestattet.

Ford Fiesta peilt fünf Sterne an

Ford hat in puncto Sicherheit nachgelegt
Ford hat in puncto Sicherheit nachgelegt © Ford

Als Volumenmotor mit rund einem Drittel Marktanteil erwartet Ford jedoch nicht diesen Motor, sondern den 59 kW/80 PS starken Dreizylinder, der ohne zusätzliche Beatmung auskommt und ab 13.470 Euro in der Liste steht. Hier muss der Kunde aber auch auf eine serienmäßige Klimaanlage verzichten. Die technischen Daten weisen einen Durchschnittsverbrauch von 4,3 Litern aus, sofern die 200 Euro teure Start-Stopp-Automatik als Extra mit an Bord ist. Auf Dauer wird dieses Aggregat den bereits in die Jahre gekommenen Vierzylinder mit 60 kW/82 PS ersetzen.

Ford will aber nicht nur mit sparsamen Aggregaten im hart umgekämpften Kleinwagenmarkt für Attraktivität sorgen. In Punkto Sicherheit hat man ebenfalls nachgelegt. ESP und sieben Airbags gehören zur Standardausstattung. Bei den Ende November geplanten NCAP-Crashtest-Bewertungen erwartet man fünf Sterne. Gerade im Stadtverkehr dürfte sich der Notbremsassistent (675 Euro Aufpreis) als praktisch erweisen. Bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h kann der lasergestützte Helfer selbständig bremsen und so Auffahrunfälle vermeiden. Wer das Multimediasystem Sync ordert, erhält einen Notrufassistenten kostenlos dazu. Über das eigene Mobiltelefon setzt das System im Falle eines Unfalls einen Notruf ab.

Ford Fiesta mit programmierbarem Schlüssel

Die Mittelkonsole des Ford Fiesta bleibt überfrachtet
Die Mittelkonsole des Ford Fiesta bleibt überfrachtet © Ford

Einmalig in diesem Segment: Eltern von Fahranfängern haben die Möglichkeit, den Schlüssel zu programmieren, um beispielsweise die Höchstgeschwindigkeit zu begrenzen oder um zu verhindern, dass Assistenzsysteme deaktiviert werden. Oder sie legen fest, wie laut die Musik im Auto maximal sein darf. Sind Fahrer und Beifahrer nicht angeschnallt, bleibt die Musikanlage stumm. Ob allerdings der Nachwuchs solche Fürsorge der Eltern zu goutieren weiß, bleibt abzuwarten. Für Gesprächsstoff in den Familien dürfte auf jeden Fall gesorgt sein.

Apropos Gesprächsbedarf: Natürlich haben auch die Designer ihren Anteil am Facelift. Sie entschieden sich für einen großen Kühlerschlund, flankiert von eckigeren Scheinwerfern und einer markanter geformten Motorhaube. Ob das im Vergleich zu dem bisherigen Auftritt eine Verschönerung darstellt, ist Geschmackssache. Das Interieur profitiert von einer verbesserten Materialauswahl. So glänzen zumindest in den höheren Ausstattungsvarianten Chromapplikationen und Klavierlack um die Wette. Geblieben ist die leicht überfrachtete Bedieneinheit in der Armaturentafel. Die wird wohl erst mit der achten Generation ersetzt werden. Bis dahin laufen aber sicher noch viele Fiesta-Fahrzeuge vom Band. (SP-X)






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