7. November 2011

Fahrbericht Familientauglicher Geländewagen Chevrolet Captiva: Hoher Verbrauch trotz Eco-Taste

Der Chevrolet Captiva vermittelt einen Hauch von US-Flair
Der Chevrolet Captiva vermittelt einen Hauch von US-Flair © AG/Mertens

Der Chevrolet Captiva bringt US-Flair auf die deutschen Straßen. Wer ein Fan von großen Geländewagen ist und für den der Verbrauch nur zweitrangig ist, für den könnte dieser Chevy eine Alternative sein.




Von Frank Mertens

Im März ist der Chevrolet Captiva nach einer umfassenden Modellüberarbeitung zu den Händlern gerollt. Eigentlich kein schlechtes Timing, denn der Markt der Geländewagen boomt. Doch so richtig profitieren von diesem Trend kann die GM-Tochter davon nicht. Der Captiva ist zwar kein Ladenhüter, aber das ursprüngliche Absatzziel von über 3000 Fahrzeugen für dieses Jahr wird der SUV der US-Marke nur mit Mühe erreichen können.


Chevrolet Captiva hat vom Facelift profitiert

Nach zehn Monaten liegt der Absatz des Chevrolet Captiva laut den Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) in Flensburg bei 2396 Fahrzeugen, im Oktober gingen 223 Fahrzeuge in Kundenhand über. Das hört sich ernüchternd an - im Vergleich zur Konkurrenz ist das aber gar nicht mal so schlecht. Von den direkten Konkurrenten wie dem Peugeot 4007 wurden im Oktober nur 43 Autos (gesamt 395) verkauft, vom Citroen C-Crosser nur 49 (Gesamt 457). Für den technisch annähernd identischen Opel Antara der Konzernschwester entschieden sich immerhin 105 Kunden, nach zehn Monaten waren es 1283 Fahrzeuge, die ausgeliefert wurden.

Das Cockpit im Captiva
Das Cockpit im Captiva © Chevrolet

Im Vergleich mit den Mitbewerbern macht der Captiva damit also keine schlechte Figur. Auch mit seinem Design braucht sich der Captiva nicht verstecken, vor allem nach seinem Facelift zu Jahresbeginn, vorausgesetzt, man mag Dickschiffe wie den Captiva. Denn mit einer Länge von 4,67 Metern, einer Breite von 1,85 Metern und einer Höhe von 1,75 Metern ist der Captiva ein Trumm von einem Auto. Mit einem Leergewicht von fast zwei Tonnen ist er zudem kein Leichtgewicht.

Wer so viel Gewicht mit sich herumschleppen muss, der braucht auch einen leistungsstarken Motor. Unser Testwagen war mit dem 2.2 Liter und 184 PS starkem Vierzylinder-Diesel unterwegs, der mit einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern aufwartet. Das klingt vielversprechend, relativiert sich dann aber doch etwas im Alltagsbetrieb. Zwar beschleunigt der Captiva mit seiner gut abgestimmten Sechsstufen-Automatik in ordentlichen 10,1 Sekunden auf Tempo 100, aber irgendwie kommt einem die Beschleunigung doch recht gemächlich vor.

Diesel könnte laufruhiger sein

Die Sitze im Captiva lassen sich im Fahrzeugboden versenken
Die Sitze im Captiva lassen sich im Fahrzeugboden versenken © AG/Mertens

Der Commonrail-Diesel könnte seine Arbeit zudem etwas laufruhiger verrichten. Die Servolenkung im Captiva zieht wegen ihrer wenig direkten Abstimmung zudem Kritik auf sich; sie vermittelt einfach keine gute Rückmeldung, was einem gerade in der Stadt unangenehm auffällt. Dafür gibt es, auch dank des Allradantriebes, an der Traktion nichts zu mäkeln, sie ist ohne Beanstandungen. Und der Verbrauch? Der wird mit durchschnittlich 7,7 Litern auf 100 Kilometern angegeben, was einem CO2-Ausstoß von 203 Gramm pro Kilometer entspricht. Doch mehr als ein Versprechen ist dieser Wert nicht. Bei den Testfahrten lag er bei 9,4 Litern – und das mit gedrückter Eco-Taste, die eigentlich den Verbrauch senken soll. Auch wenn ein Geländewagen gemeinhin kein Spritsparmodell ist, ist das einfach zu viel!

Pluspunkte verdient sich dieser Allrad-Chevy im Innenraum. Die Instrumente sind intuitiv zu bedienen und die Verarbeitung ist anständig. Wenn es denn im Innenraum etwas zu kritisieren gibt, dann sind es die Sitze. Sie bieten nur einen geringen Seitenhalt und wer auf ihnen einmal längere Strecken zurückgelegt hat, wünscht sich einfach eine bessere Sitzqualität.

Das Heck des Captiva
Das Heck des Captiva © AG/Mertens

Wer für den 2.2 Liter Diesel in der Ausstattungsvariante LTZ mit Automatikgetriebe 37.740 Euro auf den Tisch des Händlers legen muss, kann hier Besseres erwarten. Über zu wenig Platz braucht sich in diesem Captiva indes niemand zu beklagen, vor allem als Siebensitzer nicht. Wer den Kauf eines Captiva in Erwägung zieht, der sollte auf jeden Fall das Navigationssystem mit integrierter Rückfahrkamera für einen Aufpreis von 500 Euro (Serie bei LTZ) ordern. Er verhindert teure Parkrempler. Wer auf große Geländewagen steht und für den der Verbrauch nur eine nachrangige Bedeutung spielt - was es wider Erwarten immer noch geben soll - für den dürfte der Captiva eine Alternative zu anderen SUV´s darstellen.






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