31. Juli 2006

Fahrbericht Cadillac BLS: Heraus aus der grauen Masse

Cadillac BLS 2.0
Cadillac BLS 2.0 © Foto: Press-Inform

Wer Cadillac hört, denkt an acht Zylinder und Hubraum ohne Ende. Doch die Amerikaner wollen zukünftig auch auf dem europäischen Markt ein Wörtchen mitreden. Besonders groß sind die Erwartungen an den Cadillac BLS.




Von Stefan Grundhoff

Von wegen Power-Ami mit acht Zylindern und bulligem Aufpuffwummern. Der Cadillac BLS ist ein amerikanische Euro-Fighter, ein Saab 9-3 im USA-Designerdress. Und der kann sich sehen lassen. Optische Ähnlichkeiten zum ebenfalls im schwedischen Tröllhättan produzierten Saab-Mittelklassemodell lassen sich beim besten Willen nicht feststellen. Stattdessen gibt es leicht abgerundetes Amerika-Styling, kraftvoll und einprägsam. Ähnlichkeiten zu den größeren Modellen CTS und STS sind unbedingt erwünscht und heben ihn angenehm aus der Volumenmasse von Passat, Vectra und Co.


Hang zur Mittelklasse

Statt der erwarteten Power-Aggregate mit acht Zylindern macht der kleine Caddy ganz auf Mittelklasse. Es gibt ihn mit einen 150 PS starken GM-Diesel und einem kraftvollen 2,6-V6-Aggregat mit 255 PS. Cadillac und Diesel - dieser Sprung ist für viele dann doch etwas happig. Daher hat man zwei interessante Vierzylinder mit Turboaufladung im Programm. Die Zweiliter-Aggregate mit 175 und 210 PS sind aus der Saab-Familie hinlänglich bekannt und sollen nun auch die Verkaufszahlen des BLS nach oben drücken. Bereits der kleinere der beiden schlägt sich sehr ordentlich. Der zwei Liter große Vierzylinder ist angenehm leise. Wer kraftvoller beschleunigt, hört im Hintergrund allenfalls das sanfte Säuseln des Turboladers.

Das Cockpit im Cadillac BLS
Das Cockpit im Cadillac BLS © Foto: Press-Infom

Eine Unart hat der Amerikaner von seinem schwedischen Bruder übernommen. Die Antriebskräfte sind in der Lenkung unangenehm spürbar; noch deutlicher bei der 210-PS-Version. Der Vierzylinder leistet 128 kW / 175 PS und 265 Nm maximales Drehmoment. Der kleinere Turbo hat nur eine Fünfgang-Handschaltung. Daher erscheint die Fünfgang-Automatik für einen Cruiser wie den BLS als sinnvolle Lösung. Die Automatik ist zwar gut abgestuft, schaltet gerade zwischen den Stufen zwei, drei und vier mitunter viel zu nervös hin und her. Bald soll eine modernere Sechsstufen-Automatik folgen. Flott kann man jedoch allemal unterwegs sein. 0 auf 100 km/h in 8,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h lassen einem alle Möglichkeiten. In der Realität gibt sich der drehfreudige Vierzylinder mit rund neun Litern Super auf 100 Kilometern zufrieden.

Straffes Fahrwerk

Das Heck des Cadillac BLS
Das Heck des Cadillac BLS © Foto: Press-Inform

Das Fahrwerk ist stramm, aber alles andere als hart. Doch raue Fahrbahnbeläge kommen gerade mit breiteren Reifen spürbar in den Innenraum zu den Passagieren. Die Lenkung kann nicht überzeugen. Sie gibt einen allenfalls mittelprächtigen Kontakt zur Straße. In schnellen Kurven neigt der kopflastige Cadillac wie der Saab 9-3 zu deutlichem Untersteuern.

Der Innenraum des Cadillacs ist gefällig und klassisch gestaltet. Leichte Detailähnlichkeiten zum 9-3 lassen sich nicht verhehlen. Doch alles wirkt wertig und übersichtlich. Die Sitze geben guten Seitenhalt, sind jedoch nicht nur an den Seitenwangen zu weich. Während es vorne angenehm dimensioniert zur Sache geht, stören insbesondere die geringe Bein- und Schulterfreiheit im Fond. Auf kurzen Strecken kein Problem. Aber einem Hünen sollte man die Fahrt von Hamburg nach München in der zweiten Reihe nicht gerade zumuten.

Die Rückleuchten am Caddilac BLS
Die Rückleuchten am Caddilac BLS © Foto: Press-Infom

Das Preisgefüge des Cadillac BLS 2.0 Turbo beginnt bei knapp 28.000 Euro. Der gut ausgestattete BLS Elegance kostet mit 175 PS 30.390 Euro. Im Paket enthalten sind unter anderem 17-Zoll-Alufelgen, elektrischer Fahrersitz und Klimaautomatik. Die stärkere 210-PS-Version kann man sich getrost sparen. Für rund 2000 Euro Aufpreis bietet sie etwas bessere Fahrleistungen, die jedoch kaum jemand vermisst.






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