5. September 2006

Fahrbericht Buell Ulysses XB12X: Für große Abenteurer

Buell Ulysses XB12X
Buell Ulysses XB12X © Foto: Werk

Mit der Ulysses XB12X sagt Buell den Mitbewerbern im Segment der großen Reiseenduros den Kampf an. Dabei erregt sie allein schon durch ihre Optik für Aufsehen.




Von Heiko P. Wacker

Ungewöhnliche Konstruktionen waren stets ein Markenzeichen von Erik Buell. Allein die Fähigkeit, sportliche Motorräder mit Harley-Motoren zu bauen, ist ein Ausdruck dafür. Mit der Ulysses XB12X des aktuellen Modelljahres bläst die amerikanische Marke nun zum Angriff auf das Segment der großen Reiseenduros. Doch auch hier geht Buell eigene Wege, so dass die 11.500 Euro teure Ulysses ihre Bezeichnung «Adventure-Bike» zu Recht trägt.


Ein opulenter Rahmen

Schon mit ihrer Optik erregt die kompakte Ulysses Aufsehen. Das liegt auch am Bestreben, einzelne Bauteile mehrere Funktionen übernehmen zu lassen. Der opulente Rahmen beherbergt deshalb den Tank, die Schwinge das Ölreservoir. Der ofenrohrdicke Schalldämpfer findet sich aus Gründen zentralisierter Massen unter dem Motor, und ist ebenso ein Blickfang wie die 375 Millimeter große Bremsscheibe am Vorderrad.

Der Motor hingegen versteckt sich ein wenig. Dabei ist das luftgekühlte V2-Aggregat mit seinen 1202 ccm Hubraum ein echtes Prachtstück. Im Gegensatz zu vielen anderen Motoren besticht der 45-Grad-V-Twin durch herzhafte Arbeitsweise, die die Verwandtschaft zu den Sportster-Triebwerken von Harley-Davidson deutlich macht.

Bulliger Antrieb

Buell Ulysses XB12X
Buell Ulysses XB12X © Foto: Werk

Im Gegensatz zu diesen überrascht der von einer Einspritzanlage versorgte V2 jedoch mit echten sportlichen Talenten. So schiebt der bullige Antrieb bereits ab 2000 Touren vehement voran, begleitet von einem sonoren Sound, der perfekt zum raubeinigen Charme der Ulysses passt. Die maximale Leistung von 75 kW/102 PS steht bei 6600 U/min. an, wobei der kernige Zweizylinder selten so hoch gedreht werden muss. Denn das ordentliche Drehmoment - das Maximum von 110 Nm wird bei 6000 Touren erreicht - ermöglicht eine angenehm schaltfaule Fahrweise. Tempo 100 realisiert der Motor mit 3000 Touren im fünften und letzten Gang, der auch für Überholvorgänge nutzbar ist.

Der Verbrauch des Triebwerks, das seine Kraft via Zahnriemen überträgt, liegt mit durchschnittlich sechs Litern Superbenzin auf 100 Kilometern ebenso im akzeptablen Bereich wie die Reichweite von rund 280 Kilometern mit einer Tankfüllung. Zu den laufenden Kosten kommen noch die Versicherungsbeiträge hinzu, die für die Haftpflicht beispielsweise bei DA direkt jährlich mit 209 Euro zu Buche schlagen.

Sportlicher Charakter

Wer die Ulysses für Urlaubsreisen nutzen möchte, sollte sich das zusätzliche Kofferset gönnen. Bereits in der Serienausstattung enthalten ist jedoch ein vielfach verstellbares Fahrwerk, das sich an alle Beladungszustände anpassen lässt, sowie eine multifunktionelle Gepäckbrücke. Sie dient als Gepäckträger, Soziuslehne oder Sitzabdeckung. Gleichwohl ist die Buell keine Reiseenduro im Stile einer BMW GS.

Dafür ist ihr Charakter zu sportlich, entspricht die Komfortausstattung trotz der beiden 12-Volt-Steckdosen nicht dem, was der Kunde von voll ausgestatteten Reisedampfern erwartet. Zumal das Gebläse, das den hinteren Zylinder kühlt, für ein mitunter unangenehm heiße rechte Wade sorgt. Auch läuft die Lüftung bei einem Stopp lange nach. Sattel, Sitzposition und Windschutz hingegen sind hervorragend, obgleich die Sitzhöhe von 90 Zentimetern Personen unter 1,80 Metern Größe den Ritt auf der Ulysses enorm erschwert und der große Wendekreis beim Rangieren hinderlich ist. Für Abhilfe sorgt hier die optionale, tiefere Sitzbank.

Kurzer Radstand

Einmal in Fahrt überrascht die Buell dafür mit ihrer leichtfüßigen Art, mit der sie selbst um enge Kurven zu eilen vermag. Zu verdanken ist das dem kurzen Radstand von 1370 Millimeter und der steilen Upside-down-Gabel. Etwas negativ fällt hingegen die Neigung zum Pendeln jenseits von Tempo 160 auf. Ein Wechsel der serienmäßigen Dunlop-Bereifung soll hier jedoch für Besserung sorgen. Auch die Bremsanlage - ein ABS wird nicht angeboten - könnte ein wenig exakter dosierbar sein.

Die Bremsleistung selbst ist jedoch völlig ausreichend, so dass die Ulysses in der Summe eine echte Buell ist. Natürlich gibt es andere Motorräder, die manches besser können. Doch für echte Individualisten und groß gewachsene Abenteurer hingegen ist die 11.500 Euro teure, mit einem wunderbar herben Charakter versehene Amerikanerin eine gute Wahl. (mid)






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