20. April 2010

Fahrbericht BMW X5 xDrive 40d Allradliebe zum Detail

Der modellgepflegte X5
Der modellgepflegte X5 © Foto: BMW

Alle Welt redet von Downsizing und kleineren Fahrzeugklassen. Doch der BMW X5 zeigt, dass sich gerade die Luxus-SUV einer ungefährdet großer Nachfrage erfreuen. Zum einmillionsten X5 gibt es als Jubiläumsgeschenk eine Modellpflege.




Von Stefan Grundhoff

In den letzten zehn Jahren gab es bei den dynamischen Bayern so manche Erfolgsgeschichte. Besonders die X-Modelle tragen nach wie vor zum zufriedenen Kopfnicken in der bayrischen Vorstandsriege bei. Bestes Beispiel ist der BMW X5. Er verkaufte sich in den letzten elf Jahren rund eine Million Mal und ist in Deutschland nach wie vor der beliebteste Edel-SUV. Die Modellpflege, die im Frühsommer in den Handel kommt, ist allenfalls beim dritten Hinsehen als solche zu erkennen. Deutlich mehr hat sich unter dem Blechkleid getan. Leicht modifizierte Rückleuchten, gleißend helles LED-Tagfahrlicht, eine marginal geänderte Frontschürze – man mag Zweifel daran haben, ob derart schwer zu erkennende Überarbeitungen den Kunden wirklich Lust auf die neue Version machen. Schließlich dreht die Konkurrenz in diesen Monaten kräftig auf. VW Touareg und Porsche Cayenne kommen komplett neu auf den Markt; die ML-Klasse bekam eine Modellpflege – der Audi Q7 ist ebenfalls in den nächsten Monaten dran. Man hätte erwarten können, dass sich die Münchner etwas mehr zur Generation 2011 einfallen lassen. Schließlich ist der BMW X5 seit 1999 einer der erfolgreichsten SUV weltweit.


Kein Wanken in Kurven

Doch wie schon zuletzt bei der 3er-Serie bleibt BMW seiner Vorgabe treu, dass sich bei einer Modellpflege in erster Linie technisch etwas tut. Hier muss sich das neue Modell gegenüber der erstarkten Konkurrenz keinesfalls verstecken. Sauger-Triebwerke haben endgültig ausgedient. Die in Europa wenig beachteten Benzinermodelle X5 35i und X5 50i verfügen nun beide über eine Turboaufladung. Wer es dynamisch mag, dürfte sich insbesondere in den BMW X5 xDrive 50i verlieben. 407 statt 355 PS, 600 Nm statt 475 und ein Spurt 0 auf 100 km/h in sportwagentauglichen 5,5 Sekunden sind ebenso eindrucksvoll wie eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Dass der Verbrauch gleichzeitig von 12,0 auf 12,5 Liter SuperPlus auf 100 Kilometern leicht anstieg, dürfte den Benzinerfans das kompletteste Paket im X5er-Stall kaum vergelten. Man weiß schließlich vorher, worauf man sich einlässt.

Der Fahrspaß im BMW X5 ist besonders beim Topdiesel X5 40d kaum zu steigern. Das Fahrwerk des bayrischen Amerikaners gehört unter den sportlichen Geländekreuzern zum Besten, was es derzeit zu bewegen gibt. Kaum Wanken, kein Nicken – selbst sportlichste Kurvenfahrten bringen die massige Karosserie nicht aus der Bahn und den bullige Diesel dürstet es unnachgiebig nach Leistungsschüben. Die Lenkung ist präzise und die Feder-Dämpfer-Kombination gibt einem das Gefühl, dass dieser X5 auch sportliche Limousinen und Coupés an die Wand zaubern kann. Doch so ganz lassen sich die 2,1 Tonnen Leergewicht im Grenzbereich auch mit dem variablem Allradantrieb xDrive nicht überspielen.

Beeindruckend geringer Verbrauch

Insbesondere in Europa geht an den Dieselversionen unverändert kein Weg vorbei. Hier machten die Ingenieure dem großen X5 35d nochmals ordentlich Beine. Unter der neuen Bezeichnung X5 xDrive 40d steht der bekannte Sechszylinder-Doppelturbo zum nächsten Kraftausbruch bereit. 225 kW / 306 PS und 600 Nm lassen einen von einem Achtzylinder-Diesel träumen, der bereits mit Einführung der zweiten X5-Generation keine Chance mehr bekam. 236 km/h Spitze und ein beeindruckend geringer Verbrauch von 7,5 Litern Diesel auf 100 Kilometern im Normzyklus lassen einem kaum eine Chance, ein anderes Modell aus der Palette zu erwählen.

Selbst der durchaus stramme Einsteigerdiesel mit 245 PS platziert sich dagegen deutlich im Schatten. Der Commonrail-Diesel des X5 40d mit doppelter Aufladung macht schon wegen des Klangs einen Achtzylinder zwar nicht völlig vergessen, doch die Fahrleistungen lassen einen nur selten von zwei Brennkammern mehr träumen, so bissig hängt der Diesel am SUV-Gasfuß.

Start-Stopp fehlt

Das größte Plus der neuen X5-Modelle ist die Achtgang-Automatik, die derzeit modellübergreifend Einzug in die BMW-Familien hält. Sparsam, sportlich und jederzeit mit dem richtigen Gang unterwegs ist sie eine wahre Idealbesetzung bei dem Bayern, der unverändert in Spartanburg, South Carolina, vom Band läuft.

Leider fehlt bis auf weiteres eine Start-Stopp-Automatik, die bei der Konkurrenz derzeit eingeführt wird. Sie würde die Verbrauchswerte gerade in der Innenstadt nochmals senken können. Doch erst der im Herbst kommende neue BMW X3 bekommt die sinnvolle Symbiose aus Achtgang-Automatik und Start-Stopp-Paket.

Als Fünf- und Siebensitzer

Außer den Triebwerken gibt es beim X5 des Modelljahres 2011 nicht viel Neues. Insbesondere verwundert, dass der X5 nicht nur außen nahezu unverändert daherkommt, sondern dem Vorgängermodell auch im Innenraum wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Immerhin halten eine Reihe von Assistenzsystemen Einzug, die bisher fehlten. So verfügt der X5 nunmehr gegen Aufpreis über einen Abstandstempomaten mit Staufunktion, sowie Verkehrszeichenerkennung, Spurverlassenswarnung und eine neue Umfelderkennung mit Kameras.

Der X5 ist unverändert als Fünf- und Siebensitzer zu bekommen. Der Laderaum fasst zwischen 620 und 1750 Litern. Die günstigste Möglichkeit, den neuen BMW X5 zu fahren, ist der X5 30d xDrive 30d für 54.200 Euro. 700 Euro teurer startet der 306 PS starke Einstiegsbenziner X5 35i. Deutlich interessanter sind beiden Versionen X5 40d und X5 50i für 61.800 und 73.400 Euro. Wem das noch nicht reichen sollte – es bleibt ja auch noch der 555 PS starke X5 M. Wenn es einmal besonders schnell gehen soll.






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