4. Oktober 2007

Fahrbericht BMW X5: Die Kraft der zwei Herzen

BMW X5
BMW X5 © Foto: BMW

Der Buchstabe «S» steht für Sportlichkeit der besonderen Art. Nach Basisdiesel und Power-Achtzylinder legt BMW beim X5 nun einen Nachbrenner mit Doppelaufladung nach, wie Stefan Grundhoff berichtet.




Der hoch gelobte Register-Diesel mit 210 kW / 286 PS hat mittlerweile in weiten Teilen der bayrischen Modellpalette Einzug gehalten. Hatten viele beim sportlich positionierten BMW X5 den bulligen Achtzylinderdiesel aus dem 7er erwartet, so winkten die Entwickler kurz nach Marktstart mit Nachdruck ab und stellten jene drehmomentstarke Allzweckwaffe in Aussicht, die mit sechs Brennkammern der Konkurrenz viel Kopfzerbrechen bereitet. Musste sich die gewohnt dieselgeneigte Crossover-Kundschaft beim X5 bis dato mit dem alles andere als schwächlichen Einstiegsdiesel zufrieden geben, so hat man nun die Wahl zwischen stark und bärenstark - sprich 235 oder 286 PS. Die Unterschiede zwischen beiden Dreilitertriebwerken halten sich im normalen Fahrbereich in Grenzen.


In sieben Sekunden auf 100 km/h

Bereits der normale Selbstzünder bietet mit seinen 500 Nm einen eindrucksvollen Vortrieb. Nach einem kleinen Turboloch schiebt es bullig. Das nachgelegte Topmodell katapultiert seine Insassen Dank Doppelturbo mit 580 Nm ab 1750 U/min noch etwas wilder, ohne über den brachialen Schub der elitären Achtzylinder zu verfügen. Fahrwerk und Lenkung liefern die gewohnt perfekte BMW-Vorstellung - zumindest wenn man es straff mag.

Den Spurt 0 auf 100 km/h schafft der mächtige Allradler in knapp sieben Sekunden. Beim Durchschnittsverbrauch liegen die Brüder X5 3.0d und X5 3.0sd auf gleicher Höhe. Doch sowohl bei dem einem als auch dem anderen entstammen die 8,1 bzw. 8,2 Liter Diesel Werksangabe auf 100 Kilometern dem automobilen Reich der Träume. Real lag der Durchschnittsdurst des neuen Sportlers zwischen 10,2 und 10,7 Liter. Immer noch vertretbar und nur durch Bremsenergie-Rückgewinnung und die intelligente Steuerung von Nebenaggregaten zur verwirklichen.

Unterschiede auf der Autobahn

Bullig und schlank zugleich
Bullig und schlank zugleich © Foto: Werk

Die echten Unterschiede zeigen sich nur auf der Autobahn und hier auch erst jenseits der 160er-Marke. Hier macht der 3.0sd seinen Namenszusatz alle Ehre. Über 2,2 Tonnen hin oder her kennt der vernehmbare, aber nie nervige Kraftprotz zunächst einmal keine Grenzen. Exzellent auf die bissig-harmonische Sechsgang-Automatik abgestimmt, drücken sich Tachometer und Drehzahlmesser tief in die rechte Hälfte ihrer kühl gehaltenen Skalen. So stoppt der Geschwindigkeitsanzeiger den unbändigen Tatdrang erst deutlich hinter der 240er Marke. Für einen Sechszylinder-Diesel dieser Dimension ein fast schon beängstigender Wert. Doch das straffe Fahrwerk und die ambitionierten Bremsen lassen einen auf der Autobahn mutig unterwegs sein. Noch besser geht es mit dem optionalen Wankverhinderer «adaptive Drive».

Rückfahrkamera enttäuscht

Die Rückfahrkamera enttäuscht
Die Rückfahrkamera enttäuscht © Foto: BMW

Zusammen mit dem Modelljahr 2008 gibt es beim noch frischen BMW X5 kleine Veränderungen. Die lange Zeit noch vom alten 7er BMW der Baureihe übernommenen Komfortsitze sind fortan mit neuen, größeren Aktivkopfstützen ausgestattet. Leider sind die Stützen in der zweiten Reihe nach wie vor zu klein und nicht weit genug auszuziehen. Dass eine Rückfahrkamera eine feine Sache ist, hat sich nicht erst seit Einführung einiger Einparkroboter herumgesprochen.

Doch gerade wer die Kameras der asiatischen Konkurrenz sieht, ist von Bildschirm und Auflösung der süddeutschen Variante bitter enttäuscht. Beim Einlegen des Rückwärtsgangs dauert es zu viel lang, ehe das Bild erscheint und für Sicherheit sorgt. Das ist unscharf und bei Dunkelheit oder Regen nahezu unbrauchbar. Wer die magischen Augen von Toyota, Audi, Lexus oder Cadillac sieht weiß, dass es beim X5 auch die normale Einparkhilfe tut. Den Aufpreis von 420 Euro kann man sich getrost sparen.

Kleiner Sechszylinder ausreichend

Sechs Zylinder reichen aus
Sechs Zylinder reichen aus © Foto: BMW

Überhaupt dürfte der kleine Sechszylinder für die allermeisten Kunden mehr als ausreichend sein. Er hängt mit demselben Basistriebwerk eindrucksvoll am Gas und lässt in keinem Fahrzustand Wünsche nach mehr Leistung aufkommen. Die rund 50 Pferdestärken mehr Leistung lässt sich BMW mit mächtigen 7.000 Euro Aufpreis bezahlen. Der X5 3.0sd kostet mindestens 59.500 Euro. Die 7000 Euro sind für nette Annehmlichkeiten wie beheizbare Ledersitze, Bildschirmnavigation und Keyless Entry gut aufgehoben. Im Vergleich zum schwächeren Diesel bietet der X5 3.0sd serienmäßig zusätzlich allein Sitzmemory, Wurzelholz und Xenonlicht.






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