Leistungsspritze

BMW R 1200 GS

Die neue BMW R 1200 GS in Namibia-Gelb © Foto: BMW

Sie ist und bleibt der Bestseller im Modellprogramm von BMW: die R 1200 GS. Die Reiseenduro wurde nicht nur optisch modifiziert, sondern erhielt auch mehr Leistung. Was sie kann, zeigt unser Test.

Von Frank Mertens

Das Warten hat sich gelohnt. Seit Januar steht die überarbeitete BMW R 1200 GS nun bei den Händlern. Fünf Monate seit dem Marktstart ist der neue Bestseller der Münchner bereits zunehmend auf den Straßen zu sehen.

Dass die neue GS an die Verkaufserfolge des Vorgängermodells anknüpfen wird, gilt als sicher. Denn der Dauerbrenner im BMW-Modellprogramm wurde optisch nicht nur deutlich aufgehübscht, sondern erhielt auch einige technische Modifikationen in die neue Motorradsaison mit auf den Weg.

Charakteristik ist geblieben

Doch bleiben wir zunächst bei der Optik. Hier unterscheidet sich die Neue zunächst einmal durch die silbernen Tankblenden von ihrer Vorgängerin. Daneben legten die Designer noch am altbewährten Entenschnabel, den neu gestylten Rädern und der Rückleuchte Hand an, die nun in LED-Optik erstrahlt. All das sieht richtig gut aus und hat die Charakteristik dieser Maschine glücklicherweise nicht verändert: Wer auf ihr Platz nimmt, fühlt sich einfach wohl.

Das Federbein mit der ESA-Steuereinheit an der BMW R 1200 GS Foto: BMW

Es gibt nur wenige Maschinen auf dem Markt - die Tiger von Triumph gehört sicherlich dazu - auf der man so gut und auch auf langen Strecken so bequem sitzt wie auf der R 1200 GS. Die aufrechte Sitzposition in Verbindung mit dem leicht verstellbaren Windschutz sorgt nicht nur für eine gute Sicht auf den vor einem liegenden Verkehr, sondern vor allem auch mehr Komfort. Das weiß jeder zu schätzen, der viel auf der Autobahn unterwegs ist oder in der Stadt herumkurvt. Für die GS bietet BMW übrigens - wie bereits bei der Vorgängerin - zwei Sitzhöhen an: 85 und 87 Zentimeter.

Bestseller GS

Das Cockpit der BMW R 1200 GS mit Navi Foto: BMW

Eine der großen Veränderungen an der neuen R 1200 GS - dieses Modell macht allein 30 Prozent der weltweiten Verkäufe von BMW aus - bezieht sich jedoch auf den Motor. Er basiert auf dem baugleichen Antrieb der R 1200 R. Doch während dieser Motor mit 109 PS unterwegs ist, sind es bei der GS 105 PS - ein Plus von sieben PS zum Vorgängermodell. Das mehr an Leistung macht sich im Alltag jedoch so gut wie gar nicht bemerkbar. Dafür aber im Portemonnaie: denn die versicherungstechnisch günstigen Zeiten von 98 PS sind damit Vergangenheit. Es sei denn, man prüft ein Angebot von BMW in Zusammenarbeit mit der Victoria Versicherung. Laut eigenen Angaben soll sie günstigere Tarife für Maschinen zwischen 99 bis 122 PS anbieten. Im Vergleich zu herkömmlichen Tarifen könne der Kunde hier bis zu 50 Prozent sparen, heißt es.

Das Heck der R 1200 GS von BMW Foto: BMW

Wie dem auch sei - die GS macht einfach Spaß. Sie ist im Alltag sowohl in der Stadt, bei ausgedehnten Touren auf der Landstraße als auch beim Kilometer-Schrubben auf der Autobahn ein zuverlässiger Begleiter. Ihre Kraftentfaltung erfolgt ausgesprochen harmonisch.

Doch sie kann auch anders: wer den Gashebel aufreißt, bekommt die geballte Kraft des Boxermotors zu spüren. Da heißt es, sich mit einem Grinsen auf dem Gesicht festzuhalten. Das maximale Drehmoment von 115 Nm liegt bei 5750 Umdrehungen in der Minute an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 200 km/h. Das Sechsgang-Getriebe verrichtet einen ausgesprochen guten Job, die Gänge flutschen ohne Probleme rein, wenngleich weiterhin ein wahrnehmbares «Klock» vor allem beim Einlegen des ersten Ganges feststellbar ist. Doch das ist nur Beiwerk.

Gut funktionierendes ABS

Der Boxermotor der BMW R 1200 GS Foto: BMW

Nachdem BMW unlängst wegen Problemen mit dem ABS erneut Maschinen in die Werkstatt rufen musste - eine Montagefehler des Druckmodulators hatte an einigen Maschinen zum Verlust von Bremsflüssigkeit geführt - noch einige Sätze zu Bremse: sie verrichtet einen ausgezeichneten Job. Das ABS (1080 Euro Aufpreis) regelt sanft ab und vermittelt dem Fahrer damit ein gehöriges Maß an Vertrauen beim Griff in die Bremse. Wäre schön, wenn zukünftig die Qualitätskontrolle bei BMW dafür Sorge trägt, dass es nicht zu weiteren Problemen an einem solch´ sicherheitsrelevanten Bauteil wie den Bremsen kommt. Das ABS ist natürlich ausschaltbar, was vor allem die zu schätzen wissen, die mit der GS auch gern mal ins Gelände wollen.

Fällt auf - die BMW R 1200 GS. Foto: BMW

Ein empfehlenswertes Feature ist das ESA - die elektronische Fahrwerksabstimmung. Für fast jedes Einsatzgebiet kann der Fahrer hier spürbar die Federbasis und Zugstufendämpfung einstellen. Dafür werden zwar 680 Euro Aufpreis fällig, doch dafür bekommt man ein deutliches Plus an Komfort geliefert. Günstig war eine BMW noch nie, doch das mindert ihren Erfolg nicht. Für die GS wird ein Basispreis von 12.500 Euro fällig, wer sich dann noch für ABS, ESA, Koffer etc. entscheidet, ist locker über 15.000 Euro angelangt. Viel Geld, ohne Frage. Doch dafür bekommt der Kunde auch ein ausgereiftes Motorrad vor die Tür gestellt.