8. September 2008

Fahrbericht BMW 650i Cabriolet Die Wüste lebt

Das BMW 650i Cabrio
Das BMW 650i Cabrio © Foto: press-inform

Wo passt ein 6er Cabriolet von BMW besser hin als nach Palm Springs? 365 Tage im Jahr Sonnenschein und eine unvergleichliche Liebe der Einwohner zu europäischen Nobelkarossen - das gibt es nur in der kalifornischen Wüste.




Von Stefan Grundhoff

In Europa ist der 6er BMW selbst im Luxussegment ein Nebendarsteller. Dabei braucht er in Sachen Fahrdynamik, Antrieb und Komfort den Vergleich mit den Großen der Branche nicht zu scheuen. Mercedes SL, Jaguar XK, Bentley Continental GT oder Aston Martin Vantage - wer in dieser Liga Coupé oder Cabriolet sucht, dem kommen oftmals andere Modelle als der 4,82 Meter lange 6er Cabriolet in den Sinn.


Imageprobleme gegenüber SL

In Kalifornien oder Florida, besonders aber in der heißen Wüste von Palm Springs sieht man jedoch mehr 6er BMW als irgend anders auf der Welt. Von den bisher 105.000 produzierten Modellen gingen knapp die Hälfte in die USA. Palm Springs, Mekka der Golfspieler und Senioren, liebt seit Jahrzehnten europäische und besonders deutsche Luxuskarossen. Eine Fahrt auf der Bundesstraße «California 111» bringt dutzende alter S-Klassen, 7er BMW oder Mercedes SL ans Tageslicht. Man braucht kein besonderes Glück zu haben, um im täglichen Leben auch Volvo Coupés, BMWs 02er Serie oder zahlreichen alten Mercedes W123er Modellen zu begegnen.

Am Straßenrand der California 111, zwischen Palm Desert und Palm Springs, steht unweit das Holiday Inn Hotels ein weißer, überaus gepflegter BMW 633 CSI aus dem Jahre 1982. Fast wie aus dem Ei gepellt, gerade einmal 94.000 Meilen gelaufen, beiges Leder und Klimaanlage sind bei der US-Vollausstattung von damals selbstverständlich. Derzeit gehört das weiße Bayern-Coupé einem Senior aus Los Angeles, der jüngst auf einen Cadillac Escalade umgestiegen ist. «Der BMW sieht nicht nur gut aus; er ist auch tipp-topp in Schuss», erzählt er, «für 4.900 Dollar gebe ich ihn ab - oder für ein gutes Angebot.» Der Vor-Vorgänger des aktuellen Sechsers teilte das Schicksal seines Enkels. Ein BMW Coupé wie der alte oder neue Sechser hatte nie das Image eines Mercedes SL, den Namen eines Maserati Coupés oder den Charme eines zweitürigen Bentleys.

Grandioses Fahrwerk

Edel, besonders für Kalifornien
Edel, besonders für Kalifornien © Foto: press-inform

Daran krankt die sportliche BMW-Reihe bis heute - gerade in Europa. Jeder weiß, dass einer wie der offene 650i ein grandioses Cabriolet ist. Doch beim ersten Kaufgedanken schwenken viele lieber nach Stuttgart, England oder Norditalien um. Dabei gehört das Fahrwerk des Sechsers zu den Besten seiner Art. Auf den Highways zwischen Los Angeles und Palm Springs merkt man davon allzu wenig. Doch wer aus Palm Springs die kurvenreiche Bergroute in Richtung Julian nimmt, weiß die prächtige Straßenlage, die direkte Lenkung und die große Karosseriesteifigkeit zu schätzen.

Der gleichermaßen seidenweiche und kraftvoll blubbernde Achtzylinder hat einen großen Anteil am ausgewogenen Gesamtbild. 270 kW / 367 PS Leistung sind mehr als genug, um über die US-Highways zu cruisen. Bei 3.400 Touren steht das maximale Drehmoment von 490 Nm zur Verfügung. 0 auf 100 km/h schafft der mehr als zwei Tonnen schwere Hecktriebler in 5,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird überflüssigerweise bei 250 km/h abgeregelt.

Durstiger Sauger

Sehr trinkfreudiger Motor
Sehr trinkfreudiger Motor © Foto: press-inform

Doch der 4,8 Liter große Sauger zeigt auch, wie durstig man im Teillastbetrieb unterwegs sein kann. Selbst wer die Zügel schleifen und sich die Tachonadel bei knapp 80 Meilen einpendeln lässt, muss mit mindestens 13 Litern SuperPlus auf 100 Kilometern kalkulieren. In der Innenstadt wird es mit zum Teil über 20 Litern fast unanständig. Während sich andere BMW-Modelle durch Start-Stopp-Automatik, entkoppelte Nebenaggregate oder Turboaufladung zu wahren Sparmeistern aufgeschwungen haben, ist der 650i nicht nur durch sein mächtiges Gewicht von rund zwei Tonnen ein wahrer Schluckspecht. Versprochen sind durchschnittlich knapp 13 Liter - real nicht zu machen. 15 bis 17 Liter drücken sich allzu leicht durch die Hightech-Einspritzdüsen. Hier gibt es für den Nachfolger, der nicht vor 2011 auf den Markt kommen dürfte, einiges zu verbessern.

Das gilt auch für den Innenraum. Verarbeitung und Bedienung sind abgesehen vom nach wie vor alten iDrive-System sehr gut. Doch die Sitze lassen in der ersten wie zweiten Reihe zu wünschen übrig. Die Fondkopfstützen sind zu kurz und so fast ebenso überflüssig wie das elektrisch ausfahrbare Glas-Windschott in Form der Heckscheibe. Hinten gibt es für etwaige Kurztrips zu dritt oder viert eine kaum erwähnenswerte Beinfreiheit und vorne sitzt man für ein Coupé der Luxusklasse ebenfalls kaum mehr als ordentlich.

Knackpunkt Sitzposition

Sitze lassen zu wünschen übrig
Sitze lassen zu wünschen übrig © Foto: press-inform

Die Sitzposition ist zu hoch, die Oberschenkelauflage muss man manuell ausziehen und die bei der Konkurrenz längst obligatorische Sitzlüftung ist nicht einmal gegen Aufpreis zu bekommen. Bei Sommertemperaturen wie in Palm Springs vermisst sie der kaufkräftige Kunde jeden Tags aufs Neue. Das Dach öffnet und schließt aufgrund des speziellen Finn-Designs ebenfalls sehr langsam - und nur bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von knapp 35 km/h. Immerhin: 3er und 1er Cabriolet können es nur im Stand.

Der Basispreis für den sportlichen Cruiser als Dingolfing liegt in den USA bei 82.700 Dollar - mit Komplettausstattung sind es 15.000 Dollar mehr. In Deutschland muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen. Los geht es bei 88.200 Euro. Selbst die sechsstufige Automatik kostet 2300 Euro Aufpreis. Der Aktivtempomat ist eine feine Sache, hält den Abstand zum Vordermann, kostet aber ebenfalls 1850 Euro zusätzlich.

Kaum unter 100.000 Euro

Nur die Sonne ist umsonst
Nur die Sonne ist umsonst © Foto: press-inform

Kaum zu glauben, dass in einer solchen Fahrzeugklasse Kurvenlicht (870 Euro), Einparkhilfe (810 Euro) und Navigationssystem mit Bluetooth-Anschluss (3950 Euro) Aufpreis kosten. Wer standesgemäß unterwegs sein will, hat Probleme, den Kaufpreis unter 100.000 Euro zu halten. Ganz nebenbei: selbst Windschott und Skisack kosten noch Aufpreis. Zumindest die kann man sich in Palm Springs sparen - und immerhin gibt es die Sonne umsonst.






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