6. Mai 2008

Fahrbericht Audi TTS / TDI Spitzentanz in Gummistiefeln

Der Audi TTS
Der Audi TTS © Foto: Audi

Nach vielen Andeutungen und Vermutungen hat Audi seinen sportlichen TT nun tatsächlich mit einem Dieselmotor bestückt. Glücklicherweise hat die Marke dazu aber auch noch Alternativen im Programm.




Von Jochen Knoblach

Es gibt Sachen, die tut man einfach nicht. Man telefoniert nicht auf einer Beerdigung, baggert nicht die große Liebe seines besten Freundes an, und man baut keinen Dieselmotor in einen Sportwagen. Dass man es im VW-Konzern damit nicht so genau nimmt, ist bekannt, seit Mitte der Neunzigerjahre in Wolfsburg ein paar Ingenieure der Golf-Sportabteilung in die Heizöl-Liga desertierten und 1996 tatsächlich ein Golf GTI mit TDI-Motor auf den Markt gebracht wurde.


Über Le Mans auf die Straße

Wenngleich der Diesel danach sogar in Cabrios Erfolge feierte und mit der kleinen Freude an der Zapfsäule Gesellschaftsfähigkeit erlangt, so blieben Sportwagen - lassen wir mal den Alfa Brera außen vor - bislang verschont. Doch als Audi in Le Mans mit Dieselmotoren antrat und einen Sieg nach dem anderen einfuhr, war der Einsatz im Breitensport abzusehen. So wird Audi demnächst ein paar R8-Kunden zu einem V12-TDI-Modell verführen und mit magischen 1000 Newtonmetern reizen, von denen die Bordelektronik doch nur einen Teil auf den Asphalt lässt. Und jetzt trifft es auch den kompakten TT.

Im Juni werden sich die ersten Exemplare des feinen Zweitürers mit einer TDI-Plakette am Heck ins Straßenbild mischen. Angetrieben von einem Zwei-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel. Einem 170-PS-Aggregat, dessen Drehmomentstärke und Sparsamkeit allerdings wertlos werden, wenn es sich nach einem Kaltstart mit geradezu demonstrativer Unsportlichkeit knurrig, polternd und nagelnd in Gang setzt, um das Auto danach mit einem sehr kurz übersetzten ersten Gang kurzatmig und hektisch in Fahrt zu bringen.

Sandiges Gefühl im Gaspedal

Alu darf im Innenraum nicht fehlen
Alu darf im Innenraum nicht fehlen © Foto: Audi

Natürlich klingt der neue Common-Rail-Diesel komfortabler und bei Betriebstemperatur sogar recht beeindruckend. Auch ist der TT mit ihm in siebeneinhalb Sekunden auf Tempo 100 zu bringen. Er begnügt sich mit 5,3 Liter Diesel je 100 Kilometer, doch erinnern ein rauer Unterton und ein sandiges Gefühl im Gaspedal stets an das Verbrennungsprinzip der Geländewagen und Vertreter-Kombis.

Das hat nichts mit einem Sportwagen zu tun, der seine Kraft elegant, geschmeidig und flüssig entfaltet, dabei auch schreit und brüllt und zuweilen ruppig wird, aber nie spröde ist. Der TT TDI indes ist spröde, zweckmäßig und leidenschaftslos - wie Spitzentanz in Gummistiefeln. Nein, danke!

Erfreulicher Direkteinspritzer

Sportlich rund
Sportlich rund © Foto: Audi

Aber erfreulicherweise muss man sich wegen der Irrung nicht ganz vom TT verabschieden. Denn Audi kann auch anders. Der, der das beweist, hat Spiegelgehäuse aus Aluminium und trägt das Kürzel TTS am Heck. Wenn das hinten draufsteht, ist vorn ein Vierzylinder drin. Jener Zwei-Liter-Turbo-Benzindirekteinspritzer, der bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, dem Golf GTI zu 200 PS verhilft und auch im TT mit dieser Leistung zur Verfügung steht.

Ein größerer Lader und eine veränderte Motorsteuerung machen aus diesem Motor nun einen Treibsatz, der unter dem Code TTS selbst das 3,2-Liter-V6-Topmodell der Baureihe in die zweite Liga drängt. Denn wenn sauerstoffreiche Kaltluft mit 1,2 bar in die Brennräume gepresst wird und der Nebel aus Superplus-Sprit seine Energie explosiv in die Kurbelwelle entlässt, entstehen 272 PS. Genug, um die rote Tachonadel des 1395 Kilogramm schweren Coupés in 5,4 Sekunden auf die 100 schnippen zu lassen. Das kann auch ein Porsche Cayman nicht besser, der allerdings bei 250 km/h weiterzieht, während der TTS elektronisch geblockt wird. Doch das sind nur Daten für den Stammtisch.

Sattes Plopp beim Drehzahlabfall

Auch als Roadster attraktiv
Auch als Roadster attraktiv © Foto: Audi

Was diesen zweiachsig angetriebenen TTS ausmacht, sind gefühlte Werte. Vor allem in Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe brilliert dieser Audi TT, wenn unter Vollgas vom Lenkrad aus im Sekundentakt gegebene Befehle zum Gangwechsel ohne die Spur einer Zugkraftunterbrechung umgesetzt werden und jeweils ein wohlig sattes Plopp aus der Auspuffanlage den Drehzahlabfall quittiert.

Dazu glänzt der TT mit einer faszinierend direkten Lenkung und einer derart unmittelbaren Reaktion darauf, dass man sich fragt, ob dieses Auto nicht vielleicht einen siebenten Sinn hat, der ihm verrät, was der Fahrer als nächstes will. Hier findet sich all die gefühlte und gehörte Geschmeidigkeit, Leidenschaft und Ergebenheit, die ein solches Auto bieten soll.

Acht Liter Super

Allerdings gibt es das nicht umsonst. Acht Liter Super werden im Schnitt verbrannt und außerdem kostet das Coupé 44.900 Euro. Aber sollte man sich deshalb für das 10.000 Euro billigere TDI-Modell entscheiden? Nein. Denn es gibt den TT auch mit einem 160 PS starken 1,8-Liter-Turbo. Der bietet die gleichen Fahrleistungen wie die TDI-Version, kostet 29.400 Euro und verlangt auch nur 6,7 Liter Super. Also vergessen Sie den Diesel.






Mehr zur Marke Audi

610 PS LeistungAudi R8 Spyder V10: Das Plus macht den Unterschied

Der neue Audi R8 Spyder V10 Plus sorgt für beeindruckende Fahrleistungen. Gerade einmal 3,3 Sekunden vergehen bis Tempo 100. Doch so beeindruckend ist auch der Preis


Schaeffler und Audi verlängern Verträge«Formel E als beste Plattform der Elektromobilität»

Die Elektromobilität steckt in Deutschland immer noch in der Nische. Die Formel E zieht immer mehr Hersteller an und kann einen emotionalen Beitrag für mögliche Antriebe in der Zukunft leisten.


Trotz positiver Signale aus ChinaAudi im Mai mit Absatzeinbußen

Audi musste auch im Mai einen Rückgang bei seinem weltweiten Absatz hinnehmen. Die VW-Tochter konnte 2,8 Prozent weniger Fahrzeuge absetzen als im Vorjahresmonat. In China hofft man wieder auf positive Zahlen.



Mehr aus dem Ressort

Nissan hat dem Qashqai ein neues Aussehen verliehen
Facelift für Crossover-PionierNissan Qashqai: Schönheitskur für den Spitzenplatz

Nissan hat den Qashqai vor allem optisch neuen Glanz verliehen. Technische Neuerungen für den unternehmenseigenen Bestseller sind zwar in der Pipeline, aber noch nicht im Crossover.


Gut 80 Prozent der Insignia-Kunden wählen die Kombivariante
Marktstart des Kombis am 24. JuniOpel Insignia Sports Tourer: Sag beim Abschied glanzvoll Servus

Opel lässt mit dem Insignia Sports Tourer die Zusammenarbeit mit Modellen der bald vergangenen Mutter General Motors auslaufen. Der besonders in Deutschland beliebte Mittelklasse-Kombi legt sich dabei mächtig ins Zeug in Richtung Premium.


Elektrische Reichweite von 155 KilometernSmart Fortwo Cabrio ED: Den Sommer genießen

Nun ist das Angebot komplett. Nach dem elektrisch angetriebenen Zwei- und Viersitzer bietet Smart vom Fortwo auch ein Cabrio an. Bei diesen sommerlichen Temperaturen ist es zweifelsfrei die schönste Art, mit diesem Kleinwagen unterwegs zu sein.