14. April 2010

Fahrbericht Audi RS5 Der Porsche-Jäger

Der Audi RS5
Der Audi RS5 © Audi

Audi schickt mit dem RS5 seinen nächsten Hochleistungssportler an den Start. Mit 450 PS bringt er alles mit, um den Mitbewerbern aus München und Stuttgart das Leben schwer zu machen.




Von Sabine Stahl

Einfach Platz nehmen und losfahren - bei der ersten Ausfahrt mit dem neuen Audi RS 5 muss sich der Pilot nicht weiter vorbereiten. Denn das Hochleistungscoupé bietet neben seinem leistungsstarken V8-Saugermotor jede Menge elektronische Helfer, die selbst ambitionierte Kurvenfahrten zur Fingerübung machen. In die Garagen der Kunden rollt das Top-Modell der Mittelklasse-Baureihe im Sommer. Bis dahin sollten Interessenten mindestens 77 700 Euro gespart haben.


Nachfolger des RS4

Audi bietet seit 1994 seine allradgetriebenen Hochleistungsmodelle mit der Bezeichnung RS an. Das erste Modell, der RS 2, entstand in Kooperation mit Porsche und basierte auf dem Audi 80 Avant. Der neue RS 5 tritt die Nachfolge des RS 4 an. Sein härtester Wettbewerber ist der BMW M3, der zwar über etwas weniger Leistung verfügt, aber durch den Heckantrieb auch weniger Kilos auf die Waage bringt.

Doch der gewichtige RS 5 lässt sich seine 1,7 Tonnen kaum anmerken. Mühelos bringt der 4,2-Liter-Benziner mit dem vollen Klang aus acht Zylindern den Zweitürer auf Trab. Die Kraftübertragung übernimmt dabei das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe, das entweder vollautomatisch zwischen den sieben Gängen wechselt oder vom Fahrer über Schaltwippen oder den Schalthebel bedient wird. Dabei kann dieser den Saugmotor ordentlich hochjubeln lassen, denn erst bei 8500 Umdrehungen pro Minute greift der Drehzahlbegrenzer ein.

Im per Knopfdruck aktivierten "Dynamic"-Modus sorgt die Schaltbox beim Herunterschalten für deutliche vernehmbare Zwischengas-Stöße. Im "Comfort"-Modus arbeit sie so unauffällig, dass der Fahrer von den einzelnen Gangwechseln überhaupt nichts mitbekommt.

Radselektive Momentsteuerung

Eine weitere Besonderheit des Allraders ist die sogenannte radselektive Momentsteuerung, bei der jedes einzelne Rad leicht abgebremst werden kann. Dadurch bleibt der Zweitürer auch bei schneller Fahrt leicht beherrschbar und fährt selbst dann wie auf Schienen um die Kurven, wenn der Fuß auf dem Gaspedal bleibt. Auch Untersteuern gehört dadurch nun der Vergangenheit an. Optional ist zusätzlich ein Sportdifferenzial für die Hinterachse erhältlich, das die Kraft je nach Bedarf zwischen den beiden Rädern verteilt. Der permanente Allradantrieb mit dem neuen Kronenmittendifferenzial schickt in der Regel 60 Prozent der Kraft an die Hinterachse. Sollte die Fahrsituation jedoch eine andere Verteilung erfordern, können bis zu 85 Prozent des Drehmoments an die Hinterachse fließen oder bis zu 70 Prozent an die Vorderachse geschickt werden.

Seine beeindruckende Leistung von 331 kW/450 PS spielt der RS 5 jedoch nur aus, wenn der Fahrer es ausdrücklich wünscht. Im "Comfort"-Modus ist man mit dem Mittelklässler durchaus flott unterwegs, doch von Bissigkeit ist nichts zu spüren. Die zeigt sich jedoch, sobald der "Dynamik"-Knopf betätigt wird. Dadurch wird nicht nur die Schaltung an eine sportliche Gangart angepasst, auch das Gaspedal wird empfindsamer und der Sound wird beim Beschleunigen erheblich kerniger. Und so brüllt es beim Tritt aufs Gaspedal förmlich aus den beiden Endrohren heraus. Vor der Fahrt durch die Innenstadt sollte deshalb besser wieder auf "Comfort" geschalten werden, um Passanten nicht zu verärgern.

Sportliche Gangart

Die sportliche Gangart treibt naturgemäß den Kraftstoffverbrauch in die Höhe. Statt der vom Hersteller auf dem Prüfstand ermittelten 10,8 Liter zeigt die Verbrauchsanzeige rasch mehr als 19 Liter an. Dabei sind bei normaler Fahrt die rund elf Liter jedoch nicht ganz unrealistisch und können bei entsprechender Zurückhaltung durchaus erreicht werden. Neben dem Antriebsstrang vermittelt auch das Blechkleid besondere Sportlichkeit. Auffällig ist das anthrazitfarbene Wabengitter des großen Kühlergrills, zudem verfügt das Hochleistungsmodell über große Lufteinlässe, einen Heckspoiler, der bei 120 km/h selbstständig ausfährt, sowie einen Diffusor. Die beiden ovalen Endrohre liegen weit auseinander an den äußeren Seiten des Hecks.

Der RS 5 bietet viel Leistung für viel Geld; ein vergleichbares BMW M3 Coupé kostet rund 9400 Euro weniger, ein Mercedes C63 AMG ist rund 8000 Euro billiger. Als Gegenwert bietet der Audi neben dem garantierten Fahrspaß auch noch ein gutes Maß an Praxistauglichkeit. Denn in dem Coupé, das auch dank der optionalen Sportsitze echtes Sportwagen-Feeling vermitteln kann, finden vier Personen sowie 455 Liter Gepäck Platz. (mid)






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