15. Juni 2012

Fahrbericht V8-Motor mit 450 PS Audi RS4: Für sportliche Familienväter

Der Audi RS4 macht optisch einiges her.
Der Audi RS4 macht optisch einiges her. © Audi

Mit dem Audi RS4 bieten die Ingolstädter einen sportlichen Kombi an. Unter der Haube sorgt ein V8-Motor mit 450 PS für Vortrieb. Die Leistungsentfaltung hat es in sich.




Von Walther Wuttke

Vierliter-Autos gelten in CO2-orientierten Zeiten vor allem als vernünftig. Dynamik sowie Sportlichkeit sind dieser mobilen Gattung vollkommen fremd – es sei denn die vier Liter sind gleichmäßig auf acht Zylinder verteilt, die unter der Motorhaube auf ihren Einsatz lauern. Wenn ein solches Kraftpaket einen Kombi antreibt, kehrt wieder ein Stück Vernunft zurück, denn so ausgerüstet, kommt auch die Familie nicht zu kurz. Bei Audi hat diese Kombination aus Dynamik und Nutzwert Tradition und rollt als RS-Modell im Herbst ab 76.600 Euro zu den Kunden.


Audi RS4 in vierte Generation

Es handelt sich um die dritte Generation des RS4 Avant, der zum ersten Mal vor zwölf Jahren präsentiert wurde und sich auf Anhieb als Porsche-Jäger etablierte. Unter der Haube des, so Audi, „Sportwagen mit Laderaum“ sorgt ein hochdrehender V8-Direkteinspritzer mit 331 kW/450 PS für beeindruckenden Vortrieb. Ansatzlos bringt der 4.163 ccm messende Achtzylinder den Avant auf Trab und veranstaltet dabei ein ansprechendes Konzert für acht Zylinder und 32 Ventile. Zwischen 4.000 und 6.000 Umdrehungen stemmt der V8 ein Drehmoment von 430 Nm und dreht dann noch bis 8.500 Touren weiter.

Die Seitenlinie des Audi RS4
Die Seitenlinie des Audi RS4 © Audi

Beim Tritt aufs Gaspedal werden Fahrer und Passagier in die eng anliegenden Sportsitze gepresst – kein Wunder, denn jedes PS muss lediglich vier Kilogramm Gewicht bewegen. Nach 4,7 Sekunden ist Tempo 100 km/h erreicht, bei Tempo 250 greift die Elektronik ein und beendet den Vorwärtsdrang. Auf Wunsch und gegen Aufpreis öffnen die Audi-Techniker den Vortrieb bis maximal 280 km/h. Angesichts dieser Leistungswerte ist der offiziell gemessene Verbrauch von 10,7 Liter Benzin auf 100 Kilometer eher ein symbolischer Wert, doch liegt der neue RS4 Avant beim Benzindurst um 26 Prozent unter dem seines Vorgängers.

Optischer Eindruck beeindruckend

Neben den akustischen Werten ist auch der optische Auftritt des Kraftwerks beeindruckend. Bei dem in Handarbeit produzierten Achtzylinder leuchten die Zylinderkopfhauben knallrot, und den Luftsammler können Technik-Ästheten mit einer Karbon-Einlage aufwerten. Der 4,2 FSI besitzt einen klassischen Zylinderwinkel von 90 Grad, wobei sich die beiden Bänke um 18,5 Millimeter versetzt gegenüber stehen. Dabei ist das Hochleistungsaggregat mit 216 Kilogramm vergleichsweise leicht.

Keine Frage, der Audi RS4 Avant ist mehr Sportwagen als Familientransporter, doch wenn es sein muss, rollt er auch als gelassener Tourer beim Familienausflug über die Landstraße, um bei Bedarf mit einem Tritt aufs Gaspedal problemlos an langsameren Gefährten vorbei zu stürmen. Dabei ist der Avant durchaus straff abgestimmt, ohne allerdings unangenehm hart zu werden. Das Ansprechverhalten lässt sich zudem über das serienmäßige Audi Drive Select-System den individuellen Vorlieben entsprechend einstellen. Außerdem sorgt die neu entwickelte elektromechanische Servolenkung für eine sehr gute Rückmeldung von Straße und Reifen. Der Avant wird so zwar nicht gleich zum Go-Kart, doch bietet er beim Einlenken eine beachtliche Präzision.

Kraftübertragung mit Siebengang-S tronic

Das Heck des Audi RS4
Das Heck des Audi RS4 © Audi

Die Kraft überträgt eine Siebengang S tronic, die mittels der integrierten Launch-Control Rennstarts mit optimaler Traktion ermöglicht. Der Pilot muss lediglich mutig Vollgas geben – den Rest regelt die Elektronik. So fühlt man sich ein wenig wie ein DTM-Pilot. Das Doppelkupplungsgetriebe mit einem als verbrauchssenkende Maßnahme lang ausgelegten siebten Gang wechselt praktisch ohne spürbare Unterbrechung der Zugkraft die Übersetzungen. Die Schaltung lässt sich im vollautomatischen Modus in den Programmen D (Drive) und S (Sport) nutzen. Will der Chauffeur selbst die Gänge wechseln, stehen ihm dafür ein Wahlhebel oder die Wippen hinter dem Lenkrad zur Verfügung. Beim Herunterschalten veranlasst die Elektronik einen Zwischengasstoß, wenn der Dynamic-Modus beim Audi Drive Select eingeschaltet ist.

Zeichneten sich die RS-Modelle in der Vergangenheit noch durch ein eher zurückhaltendes Design aus, so zeigt der neue RS4 Avant auf den ersten Blick seine Ambitionen ohne dabei allerdings zu übertreiben. Der Wappengrill und die verschiedenen Öffnungen in der Front sind in Wabenoptik ausgeführt, und die großzügigen Kotflügelverbreiterungen erinnern an den ersten Audi Quattro, mit dem sich die Marke in die Welt der Sportwagen wagte. Auch im Innenraum herrscht eine sportliche Auslegung, wobei alle Instrumente und Schalter ergonomisch angeordnet sind und die Bedienung dem Fahrer keine Rätsel aufgibt. Gegen Aufpreis lässt sich der ganz in Schwarz gehaltene Innenraum durch einen mondsilbernen Dachhimmel aufhellen. (SP-X)






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