22. Juni 2012

Fahrbericht Nur noch wenige Exemplare Audi RS3: Das Beste zum Schluss

Der Audi RS3 hat gleich 340 PS unter der Motorhaube
Der Audi RS3 hat gleich 340 PS unter der Motorhaube © Audi

Die neue Generation des Audi A3 ist bereits am Start. Doch der Audi RS3 als Höhepunkt der zweiten Generation lässt vor allem durch innere Werte aufhorchen.




Von Holger Holzer

Das Beste kommt zum Schluss. Auch Audi scheint sich das beim RS3 zum Motto genommen zu haben. Der Top-Sportler bildet Höhepunkt und Abschluss der zweiten Generation der Ingolstädter A3-Kompaktbaureihe. Aber auch die mittlerweile bereits parallel erhältliche dritte Generation lässt der Fünfzylinder-Bolide in Sachen Fahrleistungen und Charakter weit hinter sich.


Audi RS3 gegen den Trend

Einerseits ist der Zeitversatz bedauerlich; sieht das Top-Modell doch bereits kurze Zeit nach seinem Start neben der nun komplett erneuerten Kompaktfamilie irgendwie alt aus. Andererseits geht es in diesem Fall vor allem um innere Werte. Und die können sich sehen lassen: 250 kW/340 PS, 450 Nm, 4,6 Sekunden von null auf 100, 250 km/h Spitze.

Die nackten Daten sind aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn produziert werden sie von einem Triebwerk, wie es mittlerweile kaum mehr vorkommt: einem Fünfzylinderbenziner. Die kraftvollen Reihenmotoren haben Audi einst groß gemacht und waren auch bei der Konkurrenz schwer angesagt, mittlerweile sind sie fast komplett dem Trend zu Downsizing und Antriebsstandardisierung zum Opfer gefallen. Nach der Fahrt im RS3 wissen auch Fahrer ohne übertriebene Sentimentalität, wieso das bedauerlich ist.

Akustisches Meisterwerk im Audi RS3

Audi RS3 vermittelt Rallye-Gefühle
Audi RS3 vermittelt Rallye-Gefühle © Audi

Ohne den 2,5-Liter-Turbo wäre der RS3 nur ein Audi, wie man ihn aus Ingolstadt gewohnt ist: cool, perfekt, präzise - aber auch ein wenig unterkühlt. Unterstützt wird das noch durch die eher bürgerliche Karosserieform. Der Fünftürer setzt zwar mit großen Nüstern, Alu-Spiegelkappen, breiten Radhäusern und Heckspoiler sportliche Akzente, bleibt aber auf den flüchtigen Blick ein A3 Sportback. Eher ein Vertreter der klassischen Wolf-im-Schafspelz-Machart als ein dezidierter Pulsbeschleuniger.

Letzteres übernimmt dann wie angedeutet sowieso der Motor. Schon bei niedriger Drehzahl kurz nach dem Start zaubert er dem kühlen Audi akustisch Charakter auf den Leib. Ein bisschen dreckig, etwas böse und raubeinig im Klang setzt sich der Fünfzylinder von braven Vierzylindern und zurückhaltend-kraftvollen Sechszylindern ab. Lässt man den fünf Kolben freien Lauf, danken sie das mit lautem Jubel, der einen zunehmend aggressiven Unterton hat. Da fühlt man sich direkt auf die Rallye-Pisten der 80er-Jahre versetzt, wo Audi mit einem Urahn des Triebwerks untermalt von ohrenbetäubendem Sägen Seriensiege einfuhr.

Audi RS3 als alltagstauglicher Sportler

Gutes Platzangebot im Audi RS3
Gutes Platzangebot im Audi RS3 © Audi

In Sachen Fahrleistungen gibt es in der Kompaktklasse mit Ausnahme des BMW 1er M Coupés sowieso nichts Vergleichbares. Schon knapp über Leerlaufdrehzahl peitscht der Fünfzylinder den Audi nach vorn, erst deutlich über 5000 Touren lässt die Vehemenz etwas nach. Der Gasfuß scheint dabei telepathisch Verbindung mit dem Motor aufzunehmen, so direkt reagiert dieser auf die kleinste Bewegung. Wer das zu oft auskostet, toppt die 9,1 Liter Normverbrauch aber locker um fünf weitere Liter. Bei verhaltenerer Fahrweise kommt man auch mit knapp elf aus.

Bei aller akustischen und längsdynamischen Reminiszenz geht der RS3 natürlich in jeder anderen Beziehung deutlich kommoder zur Sache als der Ur-Quattro. Und auch im Vergleich zum Sportwagen Audi TT RS, der als einziger den gleichen Motor unter der Haube trägt, ist der fünftürige RS3 das bei weitem alltagstauglichere Auto. Das Platzangebot auf den fünf Sitzen und im ordentlichen Kofferraum entspricht dem des normalen A3 Sportback, die Sitzposition in den sehr guten Sportsesseln ebenfalls. Nicht nur beim Ein- und Aussteigen ist das deutlich entspannter als das niedrige Hocken in einem echten Sportwagen. Und auch das Fahrwerk ist nicht knüppelhart, sondern bietet durchaus so etwas wie Restkomfort.

Nur noch wenige Restexemplare des Audi RS3

Zudem gibt sich der RS3 auch beim Preis bescheidener als der TT RS – allerdings auf hohem Gesamtniveau. 49.900 Euro verlangt Audi für sein Spitzenmodell, mehr als doppelt so viel wie für das Einstiegsmodell des neuen A3 fällig werden. An Ausstattung gibt es zum Ausgleich das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb, Ledersitze, Klimaautomatik, Xenonlicht und 19-Zoll-Felgen.

Ein vergleichbarer TT RS würde mindestens 56.750 Euro kosten. Und auch der eigentliche Kern-Konkurrent, das BMW 1er M Coupé, ist mit 51.500 Euro teurer als der geräumigere Audi. Wer einen RS3 kaufen will, sollte sich jedoch beeilen. Beim Händler gibt es nur noch Restexemplare. (SP-X)






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