14. Juli 2008

Fahrbericht Audi Q5 Tiguan für Reiche

Der Audi Q5
Der Audi Q5 © Foto: AG/Flehmer

Audi passt sich dem Trend an und stellt dem Q7 einen kleinen Bruder zur Seite. Der Q5 sieht nicht nur eleganter als das Schlachtschiff aus. Dass der kompakte SUV viele Freunde finden wird, ist aufgrund des hohen Preises aber nicht sicher.




Von Thomas Flehmer

Nicht jeden, der zu spät kommt, bestraft das Leben. Mit dem Q5 steigt Audi so ziemlich als letzter Hersteller in das Segment der Kompakt-SUV ein, um gemeinsam mit dem ebenso späten Mercedes GLK, die Vorherrschaft des BMW X3 zu brechen. Dadurch, dass das brachiale Schlachtschiff Q7 zumindest in mitteleuropäischen Breiten nicht mehr ganz wohl gelitten ist, wird der Q5, der im vergangenen Jahr natürlich erst der Konzernmutter VW mit dem Tiguan das Feld überlassen musste, im Premium-Bereich sich ein großes Stück vom Kuchen abschneiden können.


Sportlich elegant

Denn im Gegensatz zum großen Bruder mit der 7 tritt der Q5, der sich die Plattform mit dem A4 teilt, eher sportlich elegant auf. Auf 4,63 Metern Länge, 1,88 Metern Höhe und 1,65 Meter Breite hat Audi seinen Designern viel Freiheit gelassen, um nach den schönsten Kombis auch einen der schönsten Kompakt-SUV zu formen.

An der Front erkennbar am bereits traditionellen Single-Frame-Kühlergrill, der zwar wuchtig, aber nicht massig, die Mitte der Front ziert. Die Scheinwerfer sind mit dem neuen Audi-Kennzeichen, den LED-Tagfahrleuchten ausgestattet. Ebenfalls starke Familiengene weist die Seitenlinie auf. Kommt einem ein Q5 auf der Landstraße entgegen, sieht der einem ein hochgebockten A6 Allroad sehr ähnlich. Das Heck hingegen mit seinen fast schon pausbäckigen Rundungen und chic integrierten Heckleuchten strahlt eine gewisse Individualität nicht nur innerhalb der Konzernfamilie aus.

Wohlfühlambiente im Innenraum

Der Premiumanspruch setzt sich im Innenraum weiter fort. Während sich der Tiguan mit dem Golf-Ambiente herumplagen muss, profitiert der Innenraum des Q5 von der ebenso chicen Basis des A4. Das Wohnfühlambiente ist dank Ledersitzen sowie wertigen Materialien und einer guten Haptik von Einstieg an gegeben. Unverständlich aber, dass in dieser Preisklasse eine elektrische Sitzverstellung nicht zur Serienausstattung gehört.

Die Sitze selbst passen dem jeweiligen Körper und Gewicht optimal an. In den Kurven rutscht man nicht hin und her, sondern bleibt förmlich kleben. Ein klimatisierter Cupholder darf in diesem Segment nicht fehlen, schließlich wollen besonders die vielen Kunden in den USA ihre Cola möglichst kalt trinken. Dank eines Radstandes von 2,81 Metern können auch die ebenfalls bequem sitzenden Passagiere in der zweiten Reihe die Reise genießen. Neu ist der umklappbarer Beifahrersitz, der die Möglichkeiten des Transportes stark erweitert. Ohne den umgeklappten Sitz stehen zwischen 540 und 1560 Liter zur Verfügung - genug für die Reise in den Urlaub.

Für den Urlaub sollten aber auf alle Fälle Karten mitgenommen werden. Denn das Navigationssystem im 3.2 FSI hatte große Schwierigkeiten mit den Straßen rund um Valencia. Die Ingenieure von Audi begründeten dies mit fehlenden GPS-Signalen in Spanien. In anderen Testwagen funktionierte das im neuen MMI der dritten Generation integrierte System.

Zurückhaltender Sechszylinder

Ausgezeichnetes Fahrwerk für jeden Untergrund
Ausgezeichnetes Fahrwerk für jeden Untergrund © Foto: AG/Flehmer

Dass die Urlaubsreise trotzdem ein Vergnügen wird, liegt neben den Sitzen am ausgezeichneten Fahrwerk. Der Q5 passt sich dem Untergrund wie eine zweite Haut an. Der Wagen liegt gut in der Hand, die Gänge lassen sich gut einlegen. Zu empfehlen ist das neue Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, die die Fahrfreude in höchste Sphären lenkt. Ohne Zugkraftunterbrechung schnellt die Tachonadel hoch. Nur marginal merkt man den Gangwechsel.

Gemindert wird diese Freude im von uns gefahrenen 3.2 FSI Sechszylinder, der erst Ende des Jahres zur Verfügung stehen wird. Innerhalb von 6,2 Sekunden soll der 270 PS starke Benziner die 100 km/h-Marke passieren. Im Alltag ist das kaum machbar. Die Ingenieure haben den Q5 so eingestellt, dass die Anfahrt mit dem DSG im zweiten Gang geschieht, um so noch einige Tropfen Sprit zu sparen. Doch auch sonst hat man den Eindruck, dass bei dem großen Motor rund 100 PS abhanden gekommen sind. Überholvorgänge bereiten keine Schweißflecken unter den Achseln, doch es fehlt der sogenannte «Bumms».

Spritziger Diesel

Sportliche Linie wird voll erfüllt
Sportliche Linie wird voll erfüllt © Foto: AG/Flehmer

Dieser ist im kleinen 2.0 TDI, der ebenso wie die drei weiteren Motoren mit Allradantrieb ausgestattet ist, mit seinen 170 PS vorhanden. Hier macht sich das im Gegensatz zum Sechszylinder um 20 Nm höhere Drehmoment von 350 Nm bemerkbar. Deshalb wird über irgendwelche Überholvorgänge gar nicht nachgedacht, sondern gleich der Blinker gesetzt. Auch lässt sich der TDI sehr leicht - nicht zu verwechseln mit locker - lenken, so dass die Fahrfreude in einem noch mehr aufkommt als im größeren Sechszylinder, auch wenn der Sprint lediglich bei 9,5 Sekunden liegen soll.

Dass die durchschnittlichen Verbrauchsangaben des Hersteller nicht zu halten sind, ist nachzuvollziehen. Im Schongang gibt Audi für den Diesel 6,7 Liter auf 100 Kilometer benötigt, der Sechszylinder verlangt mindestens 8,5 Liter - wie gesagt: ohne Fahrspaß. Dieser kommt aber immer wieder auf und kann nur schwer unterdrückt werden.

Getrübte Freude

Darf natürlich nicht fehlen: der Single-Frame-Kühlergrill
Darf natürlich nicht fehlen: der Single-Frame-Kühlergrill © Foto: AG/Flehmer

Keine Freude bereiten die Anforderungen der Ingolstädter beim Erwerb des kleinen Geländewagens. Das Vergnügen mit dem kleinen Diesel beginnt zum Markstart im Oktober bei 38.300 Euro und liegt damit über den Einstiegspreis des vergleichbaren X3 von BMW, der 2.0 TFSI mit dem DSG ist ab 42.350 Euro erhältlich, der große 3.0 Diesel mit 240 PS startet mit 47.400 Euro. Der erst ab Ende des Jahres verfügbare 3.2 TDI wird eine 5 als erste Zahl haben.

Diesen Wert werden aber auch die anderen Modelle erreichen, wenn Teile der traditionell langen und teuren Aufpreisliste mit an Bord sollen. Allein 1015 Euro kosten die elektrisch verstellbaren Vordersitze. Da werden sich viele abwenden müssen und doch den Weg zur Konzernmutter und dem Tiguan antreten. Nichts gegen den Tiguan. Aber der 20 Zentimeter kleinere Kompakt-SUV spielt angesichts eines Startpreises von 26.000 Euro eine Klasse tiefer. Und das mutet dann wie eine späte Strafe an - zumindest für die, die gerne den Audi fahren würden, aber nicht bezahlen können.






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