30. Juli 2010

Fahrbericht Audi A8 L Schwierige Wahl für den Chef

Die Langversion des A8
Die Langversion des A8 © Foto: Audi

Audi hat sein Flaggschiff verlängert. Die mittlerweile auf 5,27 Meter gewachsene Chauffeurslimousine stellt den Chef vor die Wahl: ruhen oder arbeiten.




Von Thomas Flehmer

Entscheidungen zu treffen sind Chefsache. Sie sichern das Wohl oder Wehe des jeweiligen Unternehmens. Und auch außerhalb der Büroräume müssen häufig Entscheidungen getroffen werden. Da der Bürostuhl dann meistens nicht greifbar ist, stellen die Autohersteller besonders große Fahrzeuge als Büroersatz zur Verfügung. Hier fehlt es nicht an Komfort und auch die technischen Voraussetzungen wie Internetanschluss mit WLAN verwandeln die Flaggschiffe wie die Langversion des neuen Audi A8 in mobile Vorstandsetagen, so dass man sich fragen muss: Wie konnten Unternehmen früher erfolgreich geführt werden?


13 Zentimeter länger

Während in hiesigen Landen die Entscheidung in den meisten Fällen auf eine über fünf Meter lange "Kurzversion" hinausläuft, sind die verlängerten Schlachtschiffe besonders in China, den USA oder dem mittleren Osten um einiges begehrter. Über 50 Prozent Verkäufe in die Überseeregionen plant Audi mit dem A8 L. "Dort wird der Wagen unter der Woche von einem Chauffeur gesteuert, am Wochenende setzt sich der Chef dann selber hinter das Steuer", erklärt Audi-Sprecher Josef Schlossmacher die Sitten in den anderen Ländern.

Dem am Wochenende zum Chauffeur mutierten Chef stehen dann 5,27 Meter Auto in der Länge zur Verfügung, um durch die Straßen von Tokio, Dubai oder San Francisco zu düsen, 13 Zentimeter mehr als die normale A8-Version, für die vorher 7700 Euro mehr als für die Limousine mit kurzem Radstand hingeblättert werden muss. Auch wenn der Längenzuwachs vor allem den Fondpassagieren zu Gute kommt, sitzt der Chef auch vorne sehr komfortabel. Das neu gestaltete MMI mit dem Navi-touch, das in der Kurzversion debüttierte, verspricht auch beim langen Hobel eine einfache Bedienung. Mit dem Finger malt der Suchende Stadt und Straßennamen auf das Touchpad und kann dabei die Augen den Verkehr beobachten lassen.

Bessere Dämpfung der Vorderachse

Neben der luxuriösen Ausstattung verfügt die Langversion über einen großen Vorteil. Da hier die Federn und das Fahrwerk anders ausgelegt wurde als bei A8 mit kurzem Radstand, poltert die Vorderachse nicht über etwaige Querfugen, sondern lässt das für die Größe lediglich 1880 Kilogramm leichte Gefährt eher gleiten. Grund für dieses Mindergewicht in der Oberklasse ist die Aluminiumkarosserie, die es auf ein Gewicht von nur 241 Kilogramm bringt und das Flaggschiff – egal für welchen der fünf angebotenen Motoren man sich entscheidet – sportlich auf Touren bringt.

Auch in der dritten Generation des Langhubers bleibt der 6.3 FSI-Zwölfzylinder mit 368 kW/500 PS im Programm. Im Verbund mit den 625 Newtonmetern Drehmoment hat der A8 L bereits nach 4,7 Sekunden die 100 km/h erreicht und platziert sich damit im Feld der Supersportwagen – halt nur als mobile Geschäftslimousine.

12,4 Liter stehen unter dem Strich als Verbrauch an, aber die praxisferne Angabe des Herstellers aus Ingolstadt kratzt in der Vorstandsetage eh keiner. Vor allem dann nicht, wenn das Soundsystem von Bang und Olufsen mit den herausfahrbaren Hochtönern an Bord ist. Dann gesellt sich noch der ein oder andere Tausender zum Einstiegspreis von 137.000 Euro. Dem Chef wird die Wahl nicht schwerfallen, dank des Soundsystems den Wagen in einen kleinen Konzertsaal verwandeln zu lassen.

Dabei reicht der 3.0 TDI-Einstiegsdiesel schon vollkommen aus.Der Sechszylinder hat zwar nur 184 kW/250 PS unter der Motorhaube des 1,95 Meter breiten A8, wirkt dabei aber keineswegs als lahme Ente.6,2 Sekunden werden für den Sprint aus dem Stand bis in den dreistelligen km/h-Bereich angegeben, der Verbrauch von 6,6 Litern Diesel wirkt schon fast wie ein Wert aus der Welt der Mittelklasse. Rund 22 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht der Selbstzünder gegenüber dem Vorgängermotor, obwohl dieser über 23 Pferdestärken weniger verfügte. Und ein Einstieg bei 79.900 Euro fällt so manchem Chef leichter als auf den Zwölfzylinder asuzuweichen.

Ruheraum statt Schnöder Rücksitz

Doch selbst die Leistungsdaten eines Supersportwagens oder die Agilität eines Kurvenflitzers werden den Chef kaum von der Entscheidung abhalten, lieber hinten zu sitzen. 3,12 Meter Radstand verheißen Komfort ohne Grenzen, vor allem dann, wenn hinten der Ruhesitz geordert wurde. Zehn Luftkissen und vier Programmen sowie eine Fußablage im hinteren Bereich des Vordersitzes verschönern den Aufenthalt an Bord.

Aber auch aufgerichtet ähnelt der Ruhesitz eher einem Liegestuhl denn einem Bürosessel. Und das ist der Knackpunkt des Modells. Denn wenn der Ruhesitz geordert wird, kann der Laptop nirgendwo sicher platziert werden. Der Chef steht also schon vor dem Kauf der Langversion vor der Wahl: ruhen oder arbeiten. Und das wird für viele eine schwierige Entscheidung sein.






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