6. Oktober 2014

Fahrbericht Nachfolger steht fast bereit Audi R8 Spyder: Zeitlos schön

Der Audi R8 Spyder sieht auch noch acht Jahre nach der Markteinführung nicht alt aus.
Der Audi R8 Spyder sieht auch noch acht Jahre nach der Markteinführung nicht alt aus. © Audi

Im kommenden Jahr will Audi den fast zehn Jahre alten R8 durch einen Nachfolger ersetzen. Zwar merkt man dem Sportwagen aus Ingolstadt sein Alter in manchen Dingen an, doch der Spaß geht zu keiner Zeit verloren.




Kein Zweifel, der Audi R8 ist immer noch ein schönes Auto. Das gilt auch und vielleicht sogar besonders für die Spyder genannte offene Version des Zweisitzers. Als der Mittelmotorsportler 2006 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, galt er, ob seiner dynamischen Möglichkeiten, als erster echter deutscher Sportwagen, der in der Lage sein könnte, der Ikone Porsche 911 Kratzer zuzufügen. Dazu verband der R8, das gilt für Coupé wie Spyder gleichermaßen, teutonische Gründlichkeit mit italienischer Grandezza. Zu letzterer zählte die Verwandtschaft zum Lamborghini Gallardo. Damals war Lambo noch recht frisch im VW-Konzern und die Option der gemeinsamen Konstruktion beflügelte in diesem Fall beide Marken. Allerdings verzichtete Audi beim R8 auf krawallige Design-Merkmale im Stile der Schwester- oder Tochtermarke und schuf ein eher elegantes Sportgerät, das auch heute noch durch seine Linienführung überzeugen kann.


Audi R8 Spyder mit dem Charme der Jahrtausendwende

Änderungen waren über die Laufzeit des Fahrzeugs nicht wirklich nötig. Das gilt auch für das Interieur, das mit der damals hippen und an ein Monocoque erinnernden Fahrerfokussierung heute den Charme der Jahrtausendwende versprüht und ein wenig aus der Zeit gefallen scheint. Unser Exemplar verfügte über Sportsitze mit gestepptem Leder, die sehr schön aussehen, von ihrer Machart aber eher britisch als italienisch scheinen. Das Gestühl wirkt in dem filigranen Fahrzeug jedenfalls sehr mächtig, und wir fürchten, dass dadurch ein paar entscheidende Zentimeter Platz nach oben und in der Länge verloren gegangen sind.

Anders als bei der Fahrvorstellung und zwischenzeitlichen Tests wollte sich jedenfalls keine optimale Sitzposition finden lassen, was natürlich auch damit zusammenhängen kann, dass der Autor im Laufe der Jahre zwar nicht über seine 1,93 Meter Länge hinausgewachsen ist, wohl aber zu einer gewichtigeren Persönlichkeit wurde. In der Folge kann schon mal ein Sitz zwicken. Dass der Kopf trotz fehlendem Haupthaar Dachkontakt hat, fiel uns früher jedenfalls nicht auf. Und für die Beine ist der Platz nur für Menschen bis etwa 1,80 Meter Länge wirklich kommod – so gesehen gibt es sie, die italienischen Momente im Audi R8.

Motor vom Audi A6 RS

In 3,8 Sekunden erreicht der Audi R8 Spyder Tempo 100
In 3,8 Sekunden erreicht der Audi R8 Spyder Tempo 100 © Audi

Grandezza entfaltet das Triebwerk. Der V10 stammt in seiner Urform, anders als häufig vermutet, nicht von Lamborghini, sondern tatsächlich von Audi, wo er im A6 RS debütierte, bevor er von dort auch den Weg über die Alpen in den Gallardo fand. Im R8 ist der Zehnzylinder seit 2009 lieferbar. Er dreht blitzartig bis 8000 Touren und liefert dabei 386 kW/525 PS. Das maximale Drehmoment von 530 Newtonmetern liegt bei 6500 Umdrehungen an – ein echter Sportmotor also. Die Kraft wird mittels eines S-Tronic genannten siebenstufigen Getriebes mit elektrischer Kupplung und Schaltautomatik an alle vier Räder verteilt.

Wer unbedingt will, kann in 3,8 Sekunden auf 100 km/h sprinten und eine Höchstgeschwindigkeit von 311 km/h erreichen. Beschleunigen und Bremsen sind das Metier des R8. Bevorzugt aus Kurven hinaus, beziehungsweise in Kehren hinein. Dass der Zweisitzer leer schon stolze 1,8 Tonnen wiegt, fällt dabei nicht ins Gewicht. Ihre Beharrungskraft hat keine Chance gegen die hinter den Sitzen hausenden Pferde.

Audi R8 Spyder als Spielgerät für Sonntagmorgen

Der Audi R8 Spyder fördert die Lässigkeit
Der Audi R8 Spyder fördert die Lässigkeit © Audi

So bewegt macht der R8 richtig Spaß, zumindest solange der Untergrund in etwa so eben ist wie eine handelsübliche Rennstrecke. Das trifft leider auf die im grauen Alltag zur Verfügung stehenden Landstraßen nur sehr bedingt zu, was der R8 seinen Insassen ausführlich mitteilt. Das in zwei Stufen zwischen Normal und Sport einstellbare Fahrwerk offeriert jedenfalls die Option, in der Normalstellung beim Überrollen von Kanaldeckeln deren Lieferanten feststellen zu können. In der Sportstellung wird auch die Seriennummer ausgelesen. An dieser Stelle liefert der R8 einfach zu viel Sport, um alltagstauglich zu sein.

Betrachtet man ihn als das was er wohl eigentlich ist, ein Sportgerät nämlich zum Spaß haben, eine Alternative zur Ducati oder – um im damaligen Zeitgeist zu bleiben, zur Suzuki Hayabusa – liegt man wohl richtig. Den Spyder nimmt man nicht, um zu zweit in Urlaub zu fahren. Dazu sind die 100 Liter Gepäckraum auch einfach zu wenig. Er ist das perfekte Spielgerät für den Sonntagmorgen, wenn die Straßen noch leer sind und weit und breit keine Radarpistole droht.

Nachfolger des Audi R8 im kommenden Jahr

Das Interieur des Audi R8 Spyder wirkt etwas angestaubt
Das Interieur des Audi R8 Spyder wirkt etwas angestaubt © Audi

Dabei fällt dann auch nicht ins Gewicht, dass der Spyder elektronisch nicht aktuell ist. Das Navi arbeitet, wie das ganze Infotainmentsystem, langsam und ist eher umständlich zu handhaben. Unter Assistenzsystemen listet Audi einen Berganfahrassistenten und eine Einparkhilfe mit Kamera und einen immerhin 270 Euro teuren Tempomaten auf. Der Bordcomputer verzichtet, wenn wir ihn nicht völlig falsch verstanden haben, auf Details wie Restreichweite oder Verbrauch. Das ist aber alles nicht wichtig. Dass er im Alltag mehr verbraucht als die 13,3 Liter der Normangabe ist logisch und dürfe Kunden, denen der Freizeitfahrspaß mindestens 168.400 Euro plus einige Extras wert ist, ziemlich egal sein.

Ein echter Wettbewerber zum Porsche 911 ist der R8 aber nicht geworden. Das sollte er aus Audi-Sicht wohl auch nicht sein. Seine Gesamtproduktionszahl jedenfalls liegt im Rahmen einer Jahresproduktion des vermeintlichen Konkurrenten. Im nächsten Jahr soll der Nachfolger vorgestellt werden. Auch er dürfte weniger auf den Elfer als vielmehr gen Italien zielen.






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