19. August 2015

Mobile Tankstellen als Zwischenlösung LNG für Erdgasindustrie wie flüssiges Gold

Der Iveco Stralis wird als Versuchsträger auch mit LNG betankt. Fotos ▶
Der Iveco Stralis wird als Versuchsträger auch mit LNG betankt. © Iveco

Noch ist es in Deutschland nur am Rande bekannt. Doch verflüssigtes Erdgas wird eine größere Rolle einnehmen – die Frage ist nur wann.




Von Thomas Flehmer

Es klingt wie der dritte Schritt vor dem zweiten. „Todsicher wird verflüssigtes Erdgas auch nach Deutschland kommen“, sagte Norbert Barthle der Autogazette. Den Parlamentarischen Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums schreckt dabei auch nicht die fehlende Infrastruktur des LNG (Liquefied Natural Gas) ab, das ja schon beim Erdgas (CNG) als Hinderungsgrund für den Durchbruch des alternativen Kraftstoffes zählt.


LNG-Zwischenlösung mit mobilen Lkw

50 Tankstellen müssten für den ersten Schwung reichen, so Barthle, um die flächendeckende Versorgung des LNG, das im Schwerlastverkehr eingesetzt wird, abzudecken. Als „Zwischenlösung“ schwebt dem Staatssekretär der Einsatz „mobiler Lkw“ als Tankfahrzeuge vor, die dann am Rande der Autobahn die Trucker mit neuem Kraftstoff versorgen.

Trotz der infrastrukturellen Schwierigkeiten wird dem verflüssigten Erdgas eine erfolgreiche Zukunft versprochen. China und die USA gelten dabei als Vorreiter. Im Reich der Mitte konnten bereits im letzten Jahr über 60.000 Lkw an 1500 Tankstellen – Tankstellen, nicht Hinterhof-Zapfsäulen – LNG tanken. Auch in Afrika ist das flüssige Erdgas bereits ein gern benutzter Kraftstoff.

Niederlande einen Schritt weiter

Einer Studie der europäischen Energieagentur Acer zufolge wird auch der Anteil des LNG in Europa weiter zunehmen, damit die immer strenger werdenden CO2-Grenzwerte kostengünstig und schadstoffarm umgesetzt werden können. Allerdings hänge laut Acer das Wachstum von der jeweiligen Besteuerung und dem Aufbau der Infrastruktur ab. Doch diese Hürde wird in Deutschland bald genommen sein. "Das Interesse an LNG ist größer als für CNG", sagt Mikael Lundqvist von Scania und hofft, dass der Durchbruch durch Mithilfe der Nachbarländer geschieht, die auf diesem Gebiet schon weiter sind.

Darauf setzt auch Iveco. Der Hersteller hat derzeit in Deutschland einen schweren Lkw als Protoypen in der Findungsphase, über einen niederländischen Händler im Nachbarland sind derweil schon rund 250 leichtere Nutzfahrzeuge in der Lebensmittelbranche am Start.

Reichweite für Iveco Stralis-LNG mehr als 1000 Kilometer

Auch in Deutschland wird angesichts der EU-Direktive „Blue Corridor“ das flüssige Erdgas demnächst Einzug halten. Drei Tankstellen an der Nord-Süd-Achse sind vorgesehen. Das reicht für den Anfang – und Angst vor fehlender Reichweite muss kein Trucker haben. Der Iveco Stralis schafft derzeit 700 Kilometer mit dem LNG und hat noch einen Tank für CNG, mit dem die Reichweite noch einmal um 200 Kilometer erweitert werden könnte. „Wenn der Kunde dann auf beiden Seiten LNG bevorzugt, sind sogar mehr als 1000 Kilometer drin“, sagte Iveco-Pressesprecher Manfred Kuchlmayr der Autogazette.

Doch bisher muss sich der 330 PS starke Prototyp mit seinen 1350 Newtonmeter Drehmoment, der in Ulm und Ulm herum getestet wird, auch mit einer „mobilen Lösung“ zufrieden geben. Kuchlmayr setzt wie Barthle darauf, dass dieser Zustand eine „Zwischenlösung“ bleiben wird.



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