7. Oktober 2015

Europäisches Strategiepapier Günstige Zukunftsaussichten für Erdgas in Europa

Der Scania P 340 fährt auch mit Erdgas
Der Scania P 340 fährt auch mit Erdgas © Scania

Eine EU-Strategie will alternative Kraftstoffe fördern und die Infrastruktur ausbauen. Günstige Voraussetzungen auch für Erdgas sowohl in komprimierter als auch flüssiger Form.




Von Thomas Flehmer

Rund 4300 Erdgastankstellen stehen den Autofahrern in Europa zur Verfügung. Allerdings ist das Netz nicht in jedem europäischen Land flächendeckend und weist zum Beispiel in Frankreich, Dänemark oder Ungarn Lücken auf, die eine Durchquerung der Länder nicht gerade vereinfachen. Fahrzeuge mit bivalentem Antrieb haben auch dort keine Schwierigkeiten, doch soll die Zukunft für Erdgas und auch andere alternative Kraftstoffe stark verbessert werden.


Alternative Kraftstoffe koordinieren

Bereits Anfang 2013 hat die Europäische Kommission im Rahmen des so genannten Maßnahmenpakets „Saubere Energie für den Verkehr“ ("Clean Power for Transport Package") die Mitgliedsländer zum Anlegen einer Strategie für alternative Kraftstoffe aufgefordert, die bis zum November 2016 im nationalen Recht eingebunden werden soll.

„Die Entwicklung innovativer, alternativer Kraftstoffe bietet sich eindeutig als Lösung an, um die Ressourceneffizienz der Wirtschaft Europas zu verbessern, unsere übermäßige Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern und eine Verkehrsindustrie aufzubauen, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen ist“, nannte der damalige für Verkehrsfragen zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Siim Kallas, die Anforderungen. Im Zuge des zu erstellenden Strategiepapiers sollen die einzelnen Nationen zudem „entsprechende Anreize schaffen“, die bis 2013 „unkoordiniert und unzureichend“ waren, wie es damals hieß.

Europäisches Erdgas-Tankstellennetz bis 2020

Bisher gibt es in Europa rund 4300 Erdgas-Zapfsäulen
Bisher gibt es in Europa rund 4300 Erdgas-Zapfsäulen © AG/Mertens

Die Richtlinie sieht vor, dass im Bereich Erdgas bis zum Jahr 2020 ein europäisches Tankstellennetz aufgebaut ist, das alle 150 Kilometer eine Zapfsäule für CNG vorsieht. Zudem sollen dann rund zehn Millionen Erdgasfahrzeuge im Bereich der EU unterwegs sein, derzeit sind etwa ein Zehntel davon unterwegs. Die Bundesregierung sieht sich in diesem Bereich gut aufgestellt. In der im Juni verabschiedeten Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) wurde die EU-Richtlinie integriert.

„Wir verfügen im Bereich des komprimierten Erdgases (CNG) mit über 900 Tankstellen über ein gut ausgebautes Netz. Hier erfüllen wir die Richtlinie in diesem Bereich heute schon. Die Ziele für einen weiteren Ausbau werden in Zusammenarbeit Industriepartnern und Wissenschaft erarbeitet, dieser Prozess läuft derzeit“, lautet die Antwort des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) auf Anfrage der Autogazette.

Marktdurchsetzung soll gefördert werden

Iveco testet einen Lkw mit flüssigem Erdgas
Iveco testet einen Lkw mit flüssigem Erdgas © Iveco

Dabei soll neben dem Aufbau von Lade- bzw. Tankinfrastruktur vor allem die Marktdurchsetzung alternativer Kraftstoffe gefördert werden, was im Bereich Erdgas angesichts eines gut ausgebauten Tankstellennetzes bisher nicht gelang.

Für das flüssige Erdgas LNG, das neben der Schifffahrt im schweren Nutzfahrzeugbereich angewendet wird bzw. in Zukunft eingesetzt werden soll, sieht die Richtlinie vor, alle 400 Kilometer einen Platz zum Tanken anzubieten, da mit dem flüssigen Erdgas die Reichweite größer ist als beim komprimierten Kraftstoff. Derzeit gibt es EU-weit gerade mal Zapfmöglichkeiten im mittleren zweistelligen Bereich.

Ein Jahr Zeit

Auch hier ist das BMVI aktiv und hat ein Projekt vergeben, das sich damit auseinandersetzt, wie LNG im schweren Lkw-Verkehr den Weg in den Markt finden kann. Hier ist noch das fehlende Tankstellenetz das größte Hindernis, wie ein erster Workshop bestätigte.

Laut eigenen Angaben hat das BMVI „mit den Vorbereitungen für den Aufbau einer Tankinfrastruktur für LNG begonnen und erstellt zurzeit in enger Kooperation mit der betroffenen Wirtschaft ein entsprechendes Konzept.“ Ein gutes Jahr ist noch Zeit, bis das Konzept seinen Studienstatus verlieren soll.



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