Ducati Scrambler: Aufsitzen, Losfahren, Wohlfühlen

Zweizylinder mit 75 PS

Die Ducati Scrambler kommt puristisch daher.
Die Ducati Scrambler kommt puristisch daher. © Ducati

Bei der Ducati Scrambler steht nicht die Technik im Vordergrund, sondern das Erlebnis. Das Motorrad der Italiener wartet dabei neben guten Fahreigenschaften, aber auch durch nette Details wie Schwinge aus Aluminium-Guss.

Die State Route 74 im Süden Kaliforniens windet sich vom Städtchen Palm Desert durch felsiges Gelände bergauf in die Santa Rosa Mountains. „Pines to Palms Highway“ lautet der Beiname dieser Strecke. Der Name ist durchaus gerechtfertigt, denn unten in Palm Desert stehen die Palmen dichtgedrängt, und droben in mehr als 1.000 Metern Höhe bedecken die Föhren weite Flächen. Die Bergstrecke ist so recht gemacht für ein kurvenfreudiges Motorrad. Die neue Ducati Scrambler macht auf ihr eine prima Figur. Flink und zugleich stabil durcheilt sie auf den stark profilierten Pirelli-Reifen jede Kurve.

Scramber emotionalisiert

ist stolz auf das jüngste Kind der Firma. Auf ihm ruhen große Hoffnungen, denn auch wenn wichtige Teile wie Motor und Getriebe von der seit Jahren produzierten Monster 796 übernommen worden sind, so steckt in ihr doch jahrelange Entwicklungsarbeit. Die Scrambler will ein ursprüngliches Motorrad sein. Eines ohne Fahrassistenz-Systeme, zum Aufsteigen, Losfahren und Wohlfühlen. So, als wäre es – hätte Ducati den Bau der Ende der 1960er Jahre vorgestellten Scrambler-Modelle nicht 1976 eingestellt – deren logischer Nachfolger. Damals ist man in Lederjacke, Jeans und Halbschuhen gescramblert, ein Jethelm und leichte Handschuhe waren genug.

Ducati Scrambler
Die Scrambler unter Palmen Ducati

An jene Zeiten will Ducati anschließen. Nicht die Technik steht im Mittelpunkt, sondern das Erlebnis, ein pures Motorrad zu fahren. Es scheint, als würde die Generation der 25- bis 35-jährigen durchaus Gefallen daran finden zu können, so dass diese Ducati tatsächlich ein Mittel gegen die oft schon beklagte Vergreisung der Motorradfahrer sein könnte. BMWs enorm erfolgreiche R nineT zielt, wie auch die Classic-Modelle von Triumph, in dieselbe Richtung.

Wer Emotionen hervorrufen will beim geschätzten Käufer, der muss liebevoll gestaltete Details präsentieren. Ducati weiß das, und deshalb finden sich an der Scrambler eine feine Schwinge aus Aluminiumguss, ein hübsch gestalteter Rundscheinwerfer mit kreisrundem LED-Tagfahrlicht, eine abgesteppte Sitzbank für Zwei oder – in der Classic-Version beispielsweise – Kotflügel aus Blech statt Kunststoff.

Zweizylinder mit 75 PS

Zur Technik ist nicht viel zu sagen: Der 803 Kubikzentimeter große Zweizylinder schwingt sich zu 55 kW/75 PS auf, was angesichts von 186 Kilogramm Leergewicht für lässiges Scrambeln vollauf genügt; Highspeed ist die Sache eines unverkleideten Motorrads ohnehin nicht. Dank des breiten Lenkers lässt sich die Scrambler leicht einlenken, vermittelt großes Vertrauen beim Fahren. Das Sechsganggetriebe fordert Eingewöhnungszeit, bis die Zahnräder widerstandslos ineinandergreifen. Die riesig dimensionierte Einscheibenbremse im Vorderrad genügt für gute Verzögerungen, das ABS schützt nicht nur vor Radblockaden, sondern hält im Notfall auch das Hinterrad am Boden. Gut so.

Ducati Scrambler
Der Zweizylinder der Scrambler leistet 75 PS Ducati

Ab 8.390 Euro ist die Scrambler zu haben. Zu diesem Preis kommt sie als Icon-Version mit Leichtmetall-Gußrädern, Kunststoff-Kotflügeln und einer recht einfach gemachten Sitzbank. Aufwendiger ist die Classic-Ausgabe: Speichenräder, Blech-Kotflügel und eine gesteppte Sitzbank wollen mit 1.400 Euro Mehrpreis bezahlt sein. Die „Full Throttle“ (Vollgas)-Version weist einen zierlichen Termignoni-Sportauspuff auf, die „Urban Enduro“ einen hochgelegten Front-Kotflügel. Es sind Kleinigkeiten nur, welche die einzelnen Versionen voneinander unterscheiden, und doch beeinflussen sie den Charakter stark. Hier hat Ducati sehr überlegt strukturiert. Auch eine hochgelegte Auspuffanlage ist erhältlich.

Was bleibt nach der aus Witterungsgründen leider viel zu kurz ausgefallenen ersten Begegnung mit der Ducati Scrambler? Primär der Wunsch, sie länger probieren zu können. Mit ihr mal übers Wochenende in die Alpen zu brausen, mal einen Feldweg unter die gut profilierten Reifen zu nehmen, eine Bergwiese anzusteuern und sich dort ins Gras zu lümmeln. Die gebotene Leistung reicht fürs Fahrvergnügen allemal, denn Ducatis Scrambler fährt sich authentisch, aber nicht altmodisch. Das demonstriert sie auf dem „Pines to Palms Highway“ ausgezeichnet – selbst dann noch, als bei nur neun Grad Celsius Windböen tausende Regentropfen in des Fahrers Gesicht peitschen. Ja, so war das auch in jenen Zeiten, in denen man „einfach so“ Motorrad gefahren ist. (SP-X)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified (Print und Online).