29. März 2017

Agiler V2-Motor mit 73 PS Ducati Monster 797: Etwas für Puristen

Die Ducati Monster 797.
Die Ducati Monster 797. © Ducati

Der Trend geht zur Wasserkühlung . Doch davon will Ducati zumindest bei der Monster 797 nichts wissen. Sie wartet mit einem harmonischen Triebwerk und guten Fahrleistungen auf – allerdings zu einem ziemlich selbstbewussten Preis.




Die Luft ist raus bei den Motorrädern. Nicht bei der Nachfrage, die steigt seit Jahren wieder an. Aber mittlerweile gibt es fast nur noch wassergekühlte Motoren, die Luftgekühlten sind selten geworden. Eines der wenigen Triebwerke ohne Flüssigkeitskühlung, die den Übergang ins Euro-4-Zeitalter bewältigt haben, ist Ducatis kleiner Zweizylinder. Der V2 mit 803 Kubikzentimetern Hubraum ist freilich nur gemessen an den fetten 1200ern klein, für sich betrachtet handelt es sich um einen durchaus respektablen Antrieb, der nicht nur im kleinsten Monster-Modell zum Einsatz kommt, sondern schon seit zwei Jahren auch in der Ducati Scrambler Dienst tut.

Mit der Entscheidung für dieses Triebwerk geht der Bologneser Motorradhersteller zurück zu den Wurzeln der Monster-Baureihe: Sie erschien 1992, also vor 25 Jahren, auf der Bildfläche und begründete das Segment der Sport-Nakedbikes.


Harmonische Motorisierung

904 Kubik, 67 PS Leistung – das waren die Kennzahlen der Monster 900, der sogenannten Ur-Monster. Ein Jahr später brachte Bologna mit der Monster 600 (583 ccm, 51 PS) das Einstiegsmodell in diese Baureihe, die mit mittlerweile über 300.000 Verkäufen zur historisch wichtigsten Säule Ducatis geworden ist. Mit wachsenden Hubräumen änderten sich die Modellbezeichungen der jeweiligen Mini-Monster, zuletzt hieß sie 796. Nun hat Ducati also eins draufgelegt – und zugleich die Wasserkühlung weggelassen, die das Vorgängermodell noch hatte. Beim ersten Fahrtest an Südfrankreichs Mittelmeerküste und in deren Hinterland erweist sich der 803 Kubik-Zweiventiler als harmonische, gefällige Motorisierung; er trägt wesentlich dazu bei, dass man die Monster 797 als „pures“ Bike empfindet, ganz ohne Schnick und Schnack.

Spartanisch, das Cockpit der Duc
Spartanisch, das Cockpit der Duc © Ducati

Der V2 stemmt bei bescheidenen 5.750 U/min 69 Newtonmeter Drehmoment. Noch wichtiger: Bereits ab 3500 liegen mindestens 80 Prozent davon an. Zumeist ist man also mit 3000 bis 6500 Touren unterwegs – und dabei keineswegs langsam. Der fein am Gas hängende V2 werkelt hinreichend kultiviert, dreht bei Bedarf auch willig bis hin zum Begrenzer. Eine Traktionskontrolle wird genauso wenig vermisst wie die Auswahl unter verschiedenen Fahrmodi; sie sind technisch bei diesem Triebwerk gar nicht möglich. Schlüssel ins Zündschloss, Anlasserschalter betätigt und ab geht die Post – so einfach kann Motorradspaß sein. Ein wenig nervt freilich mitunter die Leerlaufsuche im Stand, auch leistet das Getriebe beim Schalten manchmal etwas zu viel Widerstand. Mehr als Schönheitsfehler sind das aber nicht.

Gelungenes Fahrwerk

Die Monster überzeugt mit gutem Handling
Die Monster überzeugt mit gutem Handling © Ducati

Bestens gelungen ist Ducati das Fahrwerk der kleinen Monster. Der Gitterrohrrahmen kommt ganz ohne Alu-Zubauten aus, die nicht einstellbare 4,3-Zentimeter-USD-Gabel führt das Vorderrad sauber, das in zwei Parametern einstellbare Federbein ist ebenfalls sehr ordentlich abgestimmt. Flink reagiert die 193 Kilogramm leichte Monster auf den kleinsten Druck am angenehm breiten Lenker, behält die einmal gewählte Schräglage dann stabil bei und eilt vergnügt durch Radien aller Art. Ein leichtes Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage ist spürbar. Absolut überzeugend arbeitet die Dreischeiben-Bremsanlage; sowohl die leichte Betätigung wie die sehr gute Dosierbarkeit und die prima Wirkung samt gut regelndem ABS gefallen ohne Einschränkung.

Nicht so recht gefallen kann dagegen das arg sparsam ausgestattete und auch logisch nicht überzeugende LCD-Anzeigeinstrument im Cockpit; vor allem fehlt ihm eine Ganganzeige. Eine automatische Blinkerrückstellung gibt es ebenfalls nicht. Und auch sonst hat Ducati stärker gespart, als es uns angesichts des Preises von immerhin 9.000 Euro nötig und angemessen scheint: Statt des LED-Tagfahrlichts weist der von der Monster 1200 übernommene Scheinwerfer lediglich LED-Positionsleuchten auf.

Womit wir beim Preis wären. Der ist durchaus premium, denn für dieselbe Summe gibt es bei manch‘ anderem Hersteller bereits Motorleistungen von deutlich über 100 PS; technisch gute 75-PS-Bikes sind teils schon für klar unter 7.000 Euro zu haben. Insofern wird es die Ducati Monster 797 am Markt nicht ganz leicht haben. Ihr großer Pluspunkt ist freilich ihre Zugehörigkeit zu einer Modellreihe, die man durchaus als legendär bezeichnen kann. Und nur wenige Motorräder weisen ein so fein gezeichnetes Heck auf, das im Grunde alleine aus der recht kurzen Sitzbank besteht.

Auch die Tankform der Monster ist einzigartig. Darauf und auf manch weiteres gelungenes Detail setzen die Italiener. Allerlei Zubehör können sie ebenfalls ins Feld führen, teils gleich zu Paketen zusammengefasst. Dazu kommen höhere bzw. niedrigere Sitzbänke, ein Termingnoni-Auspuff und verschiedene Gepäckbehältnisse. Die Plus-Variante bietet für 200 Euro Aufpreis ein schickes Flyscreen und eine nicht minder ansehnliche Soziussitz-Abdeckung. (SP-X)



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