22. November 2016

Preis startet bei 14.190 Euro Ducati Monster 1200: Auf der Suche nach der nächsten Kurve

Die Ducati Monster 1200.
Die Ducati Monster 1200. © Ducati

Ducati hat die Monster überarbeitet. Dazu gehören nicht nur optische Retuschen, sondern auch ein leistungsgesteigerter Motor. Was von dem neuen Modell der Italiener zu halten ist, zeigt unser Testbericht.




Manchmal ist der Job des Motorraddesigners leicht und schwer zugleich. Wie bei der neuen Ducati Monster 1200: Natürlich muss ein neues Modell dem Zeitgeist huldigen, gleichzeitig darf es den puristischen Entwurf der legendären Ur-Monster nicht verwässern, die 1993 die Klasse der sportlichen Motorräder ohne Verkleidung erst neu begründete. Ein erster Blick bescheinigt der Bologneser Designabteilung ein gutes Händchen: Die neue Monster 1200 ist eine echte Monster durch und durch mit der bekannten geduckten Silhouette samt typischem Kraftstofftank und dem kupierten Heck.

Die Rückbesinnung auf Miguel Angel Galluzzis genialen Wurf führt sogar dazu, dass der Verbindungsclip des Tanks als kleine Reminiszenz an die erste Monster ein Comeback feiern darf. Doch die Monster-Modelle haben sich im Laufe der Zeit stets weiterentwickelt, und so ist die 1200er des Jahrgangs 2017 ein hochmodernes Motorrad auf dem Technikstand der Zeit.


Feine optische Retuschen

Feine optische Retuschen wie Blinker an der Gabel statt am Scheinwerfer, separate Soziusrasten und ein höherer Kennzeichenträger machen sie noch schlanker, sportiver und athletischer als ihre direkte Vorgängerin mit gleichem Namen. Der scheinbar klassische Rundscheinwerfer ist eine horizontal geteilte Leuchteneinheit mit lichtstarken LEDs samt LED-Tagfahrlicht, und im typischen Gitterrohrrahmen steckt mit dem Testastretta 11°-Antrieb ein 90°-V2-Motor, der aus 1198 cm3 Hubraum nun bärenstarke 110 kW/150 PS (plus fünf PS) bei 9.250 U/min und ein maximales Drehmoment von 126,2 Nm bei 7750 U/min erlöst.

Dieses gewaltige Potenzial wird von einem umfangreichen Elektronikpaket auf Wunsch domestiziert: Dem Fahrer stehen drei Fahrmodi (Sport, Touring und Urban) zur Verfügung, die vorgegebene Einstellungen von Motorcharakteristik, Kurven-ABS, Traktions- und Wheeliekontrolle kombinieren. Beispielsweise liefert der Sport-Modus die 150 PS mit sehr direkter Gasannahme, der Eingriff der achtfach justierbaren Traktionskontrolle ist gering (Level 3), das dreistufige Kurven-ABS arbeitet in Level 2 ohne Abhebungserkennung des Hinterrads, die Wheelie-Kontrolle steht auf Level 3 von acht Einstellungen. Sämtliche Parameter lassen sich über eine Wahltaste am linken Lenkerende aber auch individuell konfigurieren.

Tolle Drehemomententfaltung

So stampft die Monster dank einer mustergültigen Drehmomententfaltung aus jeder Kehre mit Macht heraus und begeistert mit einer Drehfreude, die für die kurzen Geraden zwischen den Kurven fast schon zu viel des Guten ist. Neben der schieren Kraft imponiert der Antrieb selbst in der Sport-Stellung mit kultivierten Manieren. Gasbefehle setzt der Desmo-Twin sanft, aber nachdrücklich in Vortrieb um, selbst unterhalb 2000 Touren bleibt unwilliges Schütteln aus. Das breite nutzbare Drehzahlband erlaubt sogar eine vergleichsweise schaltfaule Fahrweise, was in der Praxis jedoch kaum vorkommt – dafür funktioniert der serienmäßige Schaltautomat DQS einfach zu gut, mit dem man ohne Kupplungsbetätigung die Gänge rauf und runter schalten kann.

Den höheren sportiven Weihen des Antriebs folgt das Fahrwerk der 1200 S auf dem Fuße. Selbstverständlich gibt der charakteristische Ducati-Gitterrohrrahmen dem gesamten Motorrad Halt, die goldene Upside-Down-Gabel und das Federbein stammen vom schwedischen Zulieferer Öhlins und sind voll einstellbar. Hinten prangt mit der Einarmschwinge ein weiteres stilprägendes Merkmal der Monster, hier kürzer und stabiler ausgeführt für eine handlichere Geometrie. Die sportlichere Ergonomie mit mehr Druck auf dem Vorderrad und der bessere Knieschluss durch einen schmaleren Tank tun ein Übriges, so dass die Monster 1200 S herrlich leichtfüßig durch enge wie weitere Bögen flitzt. Mühelos biegt sie in die Kurve, Schräglagenwechsel gelingen im Handumdrehen – mit ihrer wieselflinken Agilität bietet die Monster sportlichen Naturen die passende Bühne.

Brachiale Bremsen

Die Ducati Monster 1200 in zwei Farben
Die Ducati Monster 1200 in zwei Farben © Ducati

Auf dem alles andere als makellosen Untergrund im Hinterland der Côte d’Azur haben die Federelemente Schwerstarbeit zu verrichten. Das gelingt ihnen nicht immer perfekt, insbesondere die Front könnte die zahlreichen Wellen und Verwerfungen sensibler verarbeiten. Wird’s allzu flott, verzögert die vom Extremsportler Panigale 1299 übernommene Bremsanlage mit radialen Vierkolbenfestsattelzangen im Vorderrad geradezu brachial. Langt man dabei etwas zu stark in den Bremshebel, sichert neuerdings ein effektives Kurven-ABS selbst in Schräglage gegen blockierende Räder ab.

Unter so viel neuer Sportlichkeit leidet die Alltagstauglichkeit kaum, im Gegenteil: Im farbigen TFT-Display sieht der Fahrer nun den eingelegten Gang und die Sitzbank lässt sich ohne Werkzeug einfach von 82 auf 79,5 Zentimeter absenken. Nur der für kompaktere Dimensionen um einen Liter auf 16,5 Liter geschrumpfte Tank verringert den Aktionsradius. Dabei möchte man mit der versportlichten Monster 1200 S eigentlich viel länger um die Kurven ziehen.
Der edlen „S“-Version, die für 16.890 Euro im klassischen Ducati Red oder gegen 200 Euro Aufpreis in Liquid Concrete Grey zu haben ist, stellt Ducati eine weniger umfangreich ausgestattete Basis-Monster 1200 für 14.190 Euro zur Seite: Statt Öhlins werkeln Federelemente von Kayaba und Sachs, vorn verzögert eine mildere Bremse mit 320er-Scheiben, es gibt herkömmliche 10-Speichen- statt Y-Felgen und auf LED-Blinker, den Kohlefaser-Kotflügel vorn und das DQS muss verzichtet werden. (SP-X)



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