11. April 2016

Fahrbericht Supermoto mit neuem Motor Ducati Hypermotard: Noch entwicklungsfähig

Die Ducati Hypermotard hat einen neuen Motor bekommen.
Die Ducati Hypermotard hat einen neuen Motor bekommen. © Ducati

Die Ducati Hypermotard hat einen neuen Motor bekommen. Doch gehören damit die Schwächen des alten Aggregats endlich der Vergangenheit an? Die Antwort darauf gibt unser Fahrbericht mit dem Bike der Italiener.




2007 kam sie auf den Markt: Einen Erfolg feierte die erste Generation der Ducati Hypermotard allerdings hauptsächlich als Hingucker – am Lenkerende befestigte Klappspiegel hatte noch kein Hersteller zu bringen gewagt. Die Triebwerke ließen es etwas an Feuer fehlen, so dass der Supermoto-Anspruch nicht ganz eingelöst werden konnte. Auch die zweite Generation vermochte nicht durchwegs zu überzeugen: Der 821-Kubik-Zweizylinder verstörte gern mit mangelhaften Umgangsformen im Teillastbereich.

Nun, rechtzeitig zur Einführung der neuen Emissionsnorm EU 4, kommt Ducati mit einem neuen Motor, der extra für die Baureihe entwickelt worden ist. Trotz nur geringfügig angehobener Maximalleistung soll er bis zu 16 Prozent mehr Kraft liefern, sagt Ducati. Schöne Aussichten.


Leichter Zuwachs an Leistung

Der neue Zweizylinder, wie bei Ducati üblich in L-Konfiguration, basiert auf dem bewährten 11°-Ventilüberschneidungsprinzip und weist zudem denselben Wert für den Kolbenhub wie das ehemalige 821-Triebwerk auf. Bei der Bohrung hat man deutlich zugelegt und auch allerlei Motorinnereien wie Kolben und Kurbelwelle verändert. Aus nunmehr 937 Kubikzentimetern Hubraum resultieren maximal 84 kW/114 PS und 99 Nm Drehmoment.

Gegenüber dem bisherigen Motor mit rund 100 Kubikzentimeter weniger Hubraum entspricht das lediglich einem Zuwachs von drei Pferdestärken. Grund zur Enttäuschung ist das keiner, denn der größere Motor in der Ducati Hypermotard liefert vor allem mehr Drehmoment: Zehn Prozent beträgt das Plus beim Spitzenwert, der bei 7.500 U/min. anfällt; sogar 16 Prozent mehr verspricht Ducati bei 6.000 U/min. Vor allem bei mittleren Drehzahlen, im Normalbetrieb eines Motorrads stets besonders wichtig, herrscht also mehr Druck im Kessel.

Lange Arme inklusive

Das Cockpit der Hypermotard
Das Cockpit der Hypermotard © Ducati

Das spürt man beim Fahren deutlich: Ab gut 4.000 Umdrehungen stürmt der Zweizylinder förmlich durchs Drehzahlband in Richtung Begrenzer; das rote Warnlicht lässt sich – freie Straßen vorausgesetzt – häufig erkennen. Aufs Fahrwerk hat solches Treiben spürbare Auswirkungen: Die kompakte Bauart der Hypermotard lässt den Fahrer die enormen Kräfte nicht nur durch „lange Arme“ spüren, sondern auch durch die schnell leicht werdende Front. Die Radführung hat also allerlei zu tun, um das Bike stets sauber auf Kurs zu halten.

Der Testtag im Norden Barcelonas hielt reichlich Niederschlag bis hin zum Hagel bereit. Dabei zeigte sich, dass die Umgangsformen auch des neuen Motor noch entwicklungsfähig sind: Im Teillastbereich, der auf kurvenreichen, zudem nassen Straßen zwangsläufig häufig genutzt werden muss, neigt der Zweizylinder zum Ruckeln. Auch ist seine Gasannahme selbst im gesofteten Urban-Fahrmodus nicht weich genug, so dass man in Serpentinen zur Kupplung greifen muss.

In punkto Fahrbarkeit im Teillastbereich verfehlt die Hypermotard 939 die aktuelle Messlatte. Zum Glück darf man sich die Hoffnung machen, dass dieser Zustand nicht von Dauer ist: Ducati hat bereits ein Update fürs späte Frühjahr in Aussicht gestellt. Untadelig ist übrigens das Ansprechverhalten, wenn die Straßenbeschaffenheit „Feuer frei“ möglich macht und man häufig unter Volllast unterwegs ist.

Straffe Fahrwerksauslegung

Der neue Motor wartet nur mit etwas mehr Leistung auf
Der neue Motor wartet nur mit etwas mehr Leistung auf © Ducati

Die Fahrwerksauslegung der Hypermotard 939 ist straff, wie es sich für eine Supermoto gehört. Um die Sitzhöhe nicht in extreme Höhen zu treiben, beließen es die Entwickler bei 15 Zentimetern Federweg hinten, was aber immerhin eine Schräglagenfreiheit von 44 Grad möglich macht – mehr als genug für fröhliches Angasen. Das sehr gute Bosch-ABS fungiert nicht nur als Blockierverhinderer für die Räder, sondern sorgt auch für maximale Fahrstabilität; beim Bremsen auf unebenem Untergrund steht auf Stufe 2 die Sicherheit im Vordergrund. Auf Stufe 1 erfolgen die Regeleingriffe später, der Fahrer hat mehr Freiheiten.

Verbesserungen hat die dritte Hypermotard-Auflage auch bei der Ausstattung erhalten: Das Digital-Cockpit wurde um eine Ganganzeige erweitert, die in die Handprotektoren integrierten Blinker leuchten jetzt mit Hilfe von Dioden. Nur totale Puristen werden mit einer Hypermotard verreisen wollen; sportlichen „Touristikern“ offeriert Ducati aber mit der Version Hyperstrada 939 ein Modell, bei dem sich Textil-Seitentaschen befestigen lassen. Es verfügt auch über einen komfortableren Sitz und andere Details, die längere Strecken angenehmer machen.

Mit einem Preis von knapp 12.000 Euro ist eine Hypermotard 939 zweifellos kein Sonderangebot. Das soll und kann sie auch nicht sein, denn ihre Konzeption als Supermoto ist scharf, was die Stückzahlen in Grenzen halten wird. Wer sich für sie entscheidet, wird immer den Weg zum eigentlichen Ziel erklären. Der Hypermotard-Treiber will fahren; ankommen dürfen die anderen. (SP-X)






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