25. April 2017

Stickoxid-Grenzwerte deutlich überschritten Selbst moderne Dieselmotoren schaden der Gesundheit

Schmutzige Diesel raus aus der Stadt, fordert nicht nur Greenpeace.
Schmutzige Diesel raus aus der Stadt, fordert nicht nur Greenpeace. © dpa

Moderne Dieselmotoren stoßen ein Vielfaches der von der EU erlaubten Grenzwerte für gesundheitliche Stickoxide aus. Das ergaben Tests des Umweltbundesamtes bei für Deutschland typischen Außentemperaturen.




Moderne Diesel-Pkw überschreiten im Alltag die EU-Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide um ein Vielfaches. Das zeigen Tests und Berechnungen für das Umweltbundesamt (UBA), deren Ergebnisse der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag vorlagen. Demnach stoßen Diesel, die der aktuell gültigen Abgasnorm Euro 6 entsprechen, auf der Straße im Schnitt 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus - der Grenzwert liegt aber bei nur 80 Milligramm. Rechtlich reicht es bislang allerdings, wenn die Diesel unter Laborbedingungen die EU-Vorgaben erfüllen.

Um den Wert zu ermitteln, wurden laut UBA anders als bisher für betriebswarme Motoren Messungen bei allen in Deutschland typischen Außentemperaturen berücksichtigt. An kühlen Tagen steigt der Stickoxid-Ausstoß stark an. Die Euro-6-Norm ist die strengste der Abgasnormen in der Europäischen Union. Seit September 2014 gilt sie für alle neuen Pkw-Typen und seit September 2015 für alle neuen Pkw.


Bisherige Messungen

Allerdings werden die Abgaswerte nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) bisher nur im Labor geprüft. Von September 2017 an werden sie schrittweise auch auf der Straße mit einem sogenannten Real-Driving-Emission (RDE) Prüfverfahren gemessen. Die oft sehr großen Unterschiede zwischen Abgaswerten im Labor und auf der Straße wurden erst durch den Abgas-Skandal bei VW einer breiten Öffentlichkeit bekannt, obwohl Umweltschützer schon länger darauf hinwiesen.

Die gesamte deutsche Diesel-Flotte aus neueren und älteren Autos ist dem UBA zufolge viel schmutziger als angenommen. Bisher sei man davon ausgegangen, dass 2016 im Schnitt 575 Milligramm Stockoxide - auch NOx genannt - aus dem Auspuff kamen. Laut UBA waren es in Wirklichkeit aber durchschnittlich 767 Milligramm.

25 Diesel im Test

Gemessen wurden demnach unter anderem die Abgaswerte von 25 Diesel-Pkw der Euro-6-Norm und 27 Euro-5-Modellen, und zwar unterschiedliche Fahrzeuggrößen vom Kleinwagen bis zum SUV-Geländewagen. "Die neuen Werte bilden die Diesel-Pkw-Emissionen in Deutschland repräsentativ ab", heißt es beim Umweltbundesamt.

Am schmutzigsten seien bei Einberechnung der Temperaturen Euro-5-Diesel mit einem NOx-Ausstoß von durchschnittlich 906 Milligramm pro Kilometer - das Fünffache des EU-Grenzwerts von 180 Milligramm. Euro-4-Diesel, für die ein Grenzwert von 250 Milligramm gilt, stoßen demnach im Schnitt 674 Milligramm Stickoxid.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wies am Dienstag darauf hin, dass Stickoxide das Risiko für Asthma und Herzkreislauferkrankungen deutlich steigern und laut Europäischer Umweltagentur pro Jahre zu 10.000 vorzeitigen Todesfällen in Deutschland führen würden. „Die Bundesregierung ist offensichtlich unwillig, die Konsequenz aus dem Abgasskandal zu ziehen. Sie muss die Autoindustrie endlich mit klaren Vorgaben dazu bringen, saubere Autos zu bauen, statt ihr nach Kräften zu helfen, weiter Dreckschleudern zu verkaufen. Diese Politik ist verantwortungslos, denn sie setzt die Gesundheit von Zehntausenden von Stadtbewohnern für die kurzfristigen Interessen der Autohersteller aufs Spiel", sagte Greenpeace Verkehrsexperte Benjamin Stephan. "Schmutzige Autos haben in Städten künftig nichts mehr verloren. Wer sich darauf als Hersteller nicht einstellt, verliert sein Geschäftsmodell.“
(AG/FM/dpa)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Politik



Mehr aus dem Ressort

Bundeskanzlerin Angela Merkel
«Zukunftspakt für Mobilität» gefordertMerkel für vernünftigen Übergang zu alternativen Antrieben

Drohende Fahrverbote in den Städten will Angela Merkel abwenden. Nach dem zweiten Dieselgipfel kritisierte die Opposition die große Nachgiebigkeit der Bundeskanzlerin gegenüber der Autoindustrie.


Angela Merkel vor dem Diesel-Gipfel
Weitere 500 Millionen Euro für KommunenZweiter Dieselgipfel ohne praktische Hilfestellungen

Mit einer Zusage über zusätzliche 500 Millionen Euro für die Kommunen ist der zweite Dieselgipfel geendet. Kritik hagelte es erneut von den Umweltschutzverbänden, da auch vor dem dritten Gipfel im November praktische Vorschläge zur Reinhaltung der Luft ausblieben.


LKW Stauende
Erstes Halbjahr 2017Deutlicher Anstieg der Verkehrstoten

Im ersten Halbjahr ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland deutlich gewachsen. Sie stieg nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 6,2 Prozent.