12. Mai 2017

Daimler nutzt Regelungslücke DUH fordert Verkaufs-Stopp des Smart-Benziners

Der Smart Fortwo stößt zu viele Partikel aus
Der Smart Fortwo stößt zu viele Partikel aus © Smart

Die Deutsche Umwelthilfe hat Daimler-Chef Dieter Zetsche zum Verkaufs-Stopp des Smart 0.9 Turbo aufgrund sehr hoher Partikelemissionen aufgefordert. Der Autohersteller verweist auf die geltenden Vorschriften.




Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Daimler-Chef Dieter Zetsche in einem Schreiben zu einem Verkaufs-Stopp des Smart 0.9 Turbo aufgefordert. Laut Straßenmessungen mit einem portablen Partikelanzahlmessgerät (TSI P-TRAK 8525) in Berlin wurden im realen Fahrbetrieb extrem hohe Partikelausstöße gemessen.

„Ich habe schon viele schlechte Werte gesehen, aber solche Werte findet man sonst nur in den Abgasfahnen von Kreuzfahrtschiffen“, sagte Jürgen Resch, "wir haben Anfang dieser Woche Zetsche aufgefordert, den Verkauf aller Benzin Smarts mit hohen Partikel-Emissionen mit sofortiger Wirkung zu stoppen und die bereits ausgelieferten Fahrzeuge mit wirksamer Abgasreinigung nachzurüsten."

Die Kleinwagen werden vor allem beim Daimler-Autovermieter Car2go eingesetzt. „Darüber hinaus muss die von Daimler betriebene Autovermietung Car2go ihre Smarts in den Städten Berlin, Frankfurt, Hamburg, München und dem Rheinland so lange stillzulegen, bis ihre Abgasreinigung nachgebessert wurde“, forderte Resch weiter.


ADAC bestätigt hohen Partikelausstoß

Unterstützung erhält die DUH vom ADAC. Beim dortigen Eco-Test im August des vergangenen Jahres erzielte der Smart beim Partikelausstoß mit einem Ausstoß von 44,6 Milligramm pro Kilometer die schlechtesten Werte aller getesteten Fahrzeuge, die für ein Stadtauto untragbar seien. „Der Smart hatte einen Rußpartikelausstoß, über den noch nicht einmal mehr Dieselmotoren verfügen“, sagte ein ADAC-Sprecher der Autogazette.

Daimler teilte auf Anfrage der Autogazette mit, dass "beim ADAC Eco-Test die Fahrzeuge auf dem Prüfstand wie auch auf der Straße geprüft werden. Dabei wird unter anderem ein Autobahn-Zyklus gefahren - ein ADAC eigener Test - der flotte Fahrt auf der Autobahn bis 130 km/h sowie zahlreiche scharfe Beschleunigungen beinhaltet. Ein nach Angaben des ADAC 'sehr anspruchsvoller Test, der weit über den gesetzlichen Anforderungen liegt'. Diese Fahrsituation ist für ein Stadtfahrzeug wie den Smart aber nicht typisch. Der Smart Fortwo ist konzeptbedingt primär für den Einsatz im urbanen Umfeld ausgelegt."

Daimler setzt auf Benzinpartikelfilter

Zudem wiesen die Stuttgarter auf die "Beschleunigungsvorgänge unter Volllast" hin, die die Partikelemissionen bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor erhöhen. "Grundsätzlich hängen die Partikelemissionen, genau wie der CO2 Ausstoß, von zahlreichen externen Faktoren ab. Wichtige Einflussfaktoren sind etwa die Außentemperatur, die Topographie, die Verkehrslage und ganz besonders das individuelle Fahrverhalten. Unsere Fahrzeuge sind nach den geltenden Vorschriften zertifiziert und zugelassen."

Der Autohersteller betonte dabei, dass Daimler verstärkt auf einen Benzinpartkelfilter setze, um die Emissionen zu verringern. "Nach über zwei Jahren positiver Felderfahrung mit dem Partikelfilter im Mercedes-Benz S 500 werden schrittweise alle Baureihen – auch die Fahrzeuge von Smart - mit einem Partikelfilter ausgestattet werden."

Keine gesetzliche Regelung für Benziner ohne Direkteinspritzung

Der Smart Fortwo ist kein Direkteinspritzer, der Heckmotor muss laut dem ADAC aufgrund der geringeren Kühlung mit einer erhöhten thermischen Belastung zurechtkommen, wodurch der Feinstaubausstoß stark steigt. Der Smart Fortwo ist baugleich mit dem Renault Twingo, der ebenfalls auf den 0,9 Liter großen Dreizylinder mit 90 PS zurückgreift. Bis 14.00 Uhr am Freitag war in der Deutschland-Zentrale von Renault-Nissan in Brühl auf Anfrage der Autogazette allerdings noch kein Schreiben der Umwelthilfe mit der Aufforderung des Verkaufs-Stopp eingetroffen.

Da es für Benziner ohne Direkteinspritzung keinen gesetzlichen Grenzwert gibt, kann die DUH den Hersteller rechtlich nicht belangen, sodass die Forderung an Daimler-Chef Zetsche einem Appell an die Moral gleichkommt. „Es ist unanständig – im Schwäbischen sagen wir: Es ist schäbig – wie Daimler Chef Zetsche Profite maximiert und Qualität minimiert. Ultrafeine Rußpartikel sind hochgradig gesundheitsschädlich. Sie dringen über unsere Atemwege bis in die Blutbahn und das Gehirn“, so Resch.

Zugleich wandte sich die DUH an Bundesverkehrminister Alexander Dobrindt mit der Forderung, die Typzulassung für diesen Benzin-Smart zu entziehen, da er gegen die Zulassungsbestimmungen der Europäischen Kommission verstoße. (AG/TF)



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