22. Februar 2016

Schwieriges Jahr für Nutzfahrzeuge Daimler-Nutzfahrzeugchef hofft auf Iran und Afrika

Daimler-Nutzfahrzeugchef Wolfgang Bernhard
Daimler-Nutzfahrzeugchef Wolfgang Bernhard © dpa

Auf die Nutzfahrzeugbranche wartet ein schwieriges Jahr. Erst schwächelte das Brasilien-Geschäft, nun auch das wichtige US-Geschäft.




Die Nutzfahrzeug-Branche muss sich auf ein schwieriges Jahr 2016 einstellen. Nach dem Einbruch in Brasilien schwächelt auch das wichtige US-Geschäft. «Ein schwieriges Umfeld wird eigentlich noch schwieriger», sagte Daimler-Nutzfahrzeugchef Wolfgang Bernhard am Montag in Stuttgart. Ähnlich skeptisch hatte sich der schwedische Konkurrent Volvo kürzlich geäußert.

Zum Jahresauftakt habe sich das Geschäft in Europa sehr stark, in Brasilien und Indonesien dagegen sehr schwach entwickelt, sagte Bernhard. Die Entwicklung im wichtigen nordamerikanischen Markt sei «erwartungsgemäß» ausgefallen, dort dürfte sich die Lage nach den Erwartungen von Daimler nach einem deutlichen Anstieg im vergangenen Jahr negativ entwickeln. Für das Segment mit mittleren und schweren Lkw erwarten die Stuttgarter einen Rückgang um zehn Prozent. Bei Volvo und seiner US-Tochter Mack war der Auftragseingang in Nordamerika im vierten Quartal bereits um 58 Prozent eingebrochen.


Stellenabbau angekündigt

Daimler hatte auf die Schwäche in den USA bereits reagiert und jüngst an zwei Standorten den Abbau von 1250 Stellen angekündigt. Der Stuttgarter Autobauer verkauft in Nordamerika etwa 40 Prozent seiner Lastwagen weltweit und beschäftigt dort rund 17 000 Mitarbeiter.

Ähnlich düster sehen die Aussichten für Brasilien aus. «Der Start in Brasilien war noch schlechter als von uns erwartet», berichtete Bernhard. Im vergangenen Jahr hatte Daimler die Pläne zur Streichung von 1500 Stellen in dem Land nach Gewerkschafts-Protesten fallen lassen. Die Jobs sind aber nur bis August gesichert.

Schon jetzt sind einer Sprecherin zufolge Mitarbeiter im bezahlten Urlaub, parallel laufen Gespräche mit den Gewerkschaften. Es werde zwar nach sozialverträglichen Lösungen gesucht, Kündigungen könne er aber nicht ausschließen, sagte Bernhard. In dem Land beschäftigte Daimler zuletzt gut 10 000 Mitarbeiter in seinen Lkw-Werken - schon in den vergangenen drei Jahren waren etwa 3000 Mitarbeiter mit Abfindungen zum Gehen bewegt worden. Weltweit arbeiten 86.400 der 284.000 Daimler-Mitarbeiter für die Truck-Sparte.

Vertriebszentrum in Nairobi

In China, wo Daimler Lkw über ein Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Foton verkauft, habe sich der Markt nach einem starken Rückgang stabilisiert, sagte Bernhard.

Für die Zukunft setzt Bernhard seine Hoffnungen auf Afrika und den Iran. Erst kürzlich hatte Daimler in Nairobi ein Vertriebszentrum eröffnet. Zwar verkauft der Hersteller dort nur etwas mehr als ein Prozent seiner Lkw. «Wir sind wild entschlossen, den afrikanischen Kontinent nicht allein unseren Wettbewerbern zu überlassen.» Im Iran hatte Daimler-Vorstand Bernhard kürzlich Absichtserklärungen für Vertriebs-Kooperationen geschlossen. «Wir glauben, dass Iran ein Markt ist, der in der Größenordnung so groß sein könnte wie die Türkei», sagte Bernhard. Das seien etwa 40.000 Lkw im Jahr. (dpa)



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