21. August 2015

Günstige Dieselpreise hemmen Schmales Angebot an Erdgas-Bussen

Den MAN Lion's City gibt es in zwei Leistungsstärken. Fotos ▶
Den MAN Lion's City gibt es in zwei Leistungsstärken. © MAN

Busse mit Erdgas haben es in Deutschland schwer. Der Durchbruch, mit dem umweltschonenderen Kraftstoff unterwegs zu sein, wird zumeist beim Preisvergleich an der Tankstelle schon unterbunden.




Das Angebot ist überschaubar. Busse mit Erdgasantrieb sind an einer Hand abzuzählen. Neben Iveco haben noch MAN, Mercedes, Scania und Solaris CNG-Fahrzeuge für den Personentransport im Programm. „Die Gegenliebe der Kunden gegenüber CNG-Bussen ist sehr beschränkt“, sagt Manfred Kuchlmayer von Iveco der Autogazette. Etwa 1700 mit Erdgas angetriebene Busse sind in Deutschland im Einsatz.


Gleichaufliegende Preise als Hinderungsgrund

Während die Lkw-Fahrer unter anderem das noch nicht ganz dichte Tankstellennetz von dem Kauf eines Erdgas-Lkw abhält, ist im Segment der Busse der Preis an der Tankstelle ein Hinderungsgrund. „Die Preise von Erdgas und Diesel liegen fast gleichauf“, so Kuchlmayer weiter, „bei den höheren Einstiegskosten für einen Erdgasbus ist das schon fast ein Ausschlusskriterium.“

Da hilft es auch nichts, dass der Preis für Erdgas in Kilogramm angegeben wird und in Liter doch gut 50 Cent günstiger wäre. Der höhere Verbrauch gegenüber dem Selbstzünderkraftstoff und die damit verbundene Annäherung der Preise verscheuchen etwaige Gedanken an ein umweltschonenderes Vorankommen.

Dabei hatte eine Studie der Wirtschaftsberatungsgesellschaft WIBERA schon vor Jahren ergeben, dass neben den Umweltvorteilen Erdgasbusse sehr wohl wirtschaftlich sind. So kam die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Erdgasbusse pro Jahr rund 3000 Euro günstiger sind als Dieselbusse, was nach einem gewissen Zeitraum die höheren Anschaffungskosten amortisiere. Durch den fallenden Rohölpreis werden natürlich nun neuere Berechnungen angestellt. „Bei den Kommunen ticken die Uhren anders“, sagt Kuchlmayer und verweist auf die wirtschaftlichen Abwägungen, die das schmale Angebot an Erdgas-Bussen erklären.

Iveco:

Der Iveco Urbanway CNG transportiert die Besucher der Expo
Der Iveco Urbanway CNG transportiert die Besucher der Expo © Iveco

Iveco selbst ist mit dem 330 PS starken Urbanway CNG derzeit auf der Expo in Mailand als Shuttletransporter unterwegs. Rund 250 Kilometer können der Solobus mit 200 Kilogramm, der Gelenkbus mit 248 Kilogramm Erdgas zurücklegen.

Im vergangenen Jahr hatte Aserbaidschans Hauptstadt Baku gleich 151 Erdgas-Busse vom Typ Crealis geordert. Der im französischen Iveco-Werk Annonay gefertigte Linienbus für die Stadt bedeutete für das Unternehmen einen Auftragswert von etwa 50 Millionen Euro. Insgesamt hat Iveco mehr als 300 Erdgasbusse vom Typ Crealis gefertigt, die hauptsächlich in Frankreich unterwegs sind.

MAN:

Der MAN Lion's City CNG stellt auf zwölf Metern Länge 32 Sitz- und 47 Stehplätze bereit.
Der MAN Lion's City CNG stellt auf zwölf Metern Länge 32 Sitz- und 47 Stehplätze bereit. © MAN

Mit dem Lion‘s City hat MAN seinen Bestseller auch mit Erdgasantrieb ausgestattet. Den Sechszylinder mit CNG gibt es dabei in verschiedenen Ausführungen sowie zwei Leistungsstärken mit 200 kW/272 PS und 228 kW/310 PS und einem maximalem Drehmoment von 1050 oder 1250 Umdrehungen pro Minute.

Eine große Ehre wurde dem MAN Lion's City GL CNG zuteil. Als „Bus of the Year 2015“ verliehen internationale Fachjournalisten dem Gelenkbus eine der begehrtesten Trophäen in der Busbranche

Mercedes:

Der Mercedes Citaro CNG steht vor einem Generationswechsel.
Der Mercedes Citaro CNG steht vor einem Generationswechsel. © Mercedes

Bereits 1972 - zu Zeiten der Ölkrise - hatte Mercedes einen fertig entwickelten Erdgasbus parat. In den letzten zehn Jahren hat das Unternehmen mehr als 1300 Erdgasbusse auf die Straße gebracht. Als zwölf Meter langer Solobus verfügt der Citaro CNG über 185 kW, als 18 Meter langer Gelenkbus stehen 240 kW zur Verfügung.

Derzeit steht ein Generationswechsel des Citaro NGT bevor, der am 3. September in der Carl-Benz-Arena seine Premiere feiert.

Scania:

Der Scania Citywide CNG begnügt sich mit neun Litern Hubraum
Der Scania Citywide CNG begnügt sich mit neun Litern Hubraum © Scania

Vor drei Jahren hat Scania mit den Citywide gestartet, der ebenfalls als Solobus oder als Gelenkvariante mit 206 kW oder 224 kW erhältlich ist. Während viele Mitbewerber Hubräume bis zu 13 Litern bieten, kommt der Citywide CNG mit neun Litern und 280 PS aus.

Die Preisdifferenz zwischen vergleichbaren Diesel bzw. CNG Fahrzeugen beträgt laut dem Unternehmen etwa 40.000 Euro.

Solaris:

Den Solaris Urbino gibt es in drei Längen
Den Solaris Urbino gibt es in drei Längen © Solaris

Das in der Nähe von Posen ansässige Unternehmen ist Anfang des Jahres aus dem polnischen Neoplan-Lizenznehmer hervorgegangen und stellt seit 2004 Linienbusse mit Erdgasantrieb her.

Dabei wird der Urbino gleich in den drei Größen 12 und 15 sowie im Gelenkbus Urbino 18 mit Erdgas angetrieben. Die Motoren liefert Iveco. (AG)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Nutzfahrzeuge



Mehr aus dem Ressort

VW California Ocean
California vor neuem BestwertNeuer VW Crafter hat Potenzial als Reisemobil

Der VW California kommt bei den Kunden an. Erstmals wird in diesem Jahr die 10.000er-Marke fallen. Auch dem neuen in den Startlöchern stehenden Crafter attestiert Entwicklungschef Ludanek Potenzial als Reisemobil.


VW Caddy Alltrack
Vierte Generation rollt vorNeuer VW Caddy im Offroad-Look

Auch Nutzfahrzeuge machen auf Lifestyle. So wird es den VW Caddy auch in der vierten Genration in der Alltrack-Variante mit Offroad-Look geben.


Der Scania P 340 verfügt über das stärkste Drehmoment bei den Erdgas-Lkw.
Europäisches StrategiepapierGünstige Zukunftsaussichten für Erdgas in Europa

Eine EU-Strategie will alternative Kraftstoffe fördern und die Infrastruktur ausbauen. Günstige Voraussetzungen auch für Erdgas sowohl in komprimierter als auch flüssiger Form.