15. März 2013

Forschungsunion Vernetzt zur nachhaltigen Mobilität

Thomas Weber, Volker Kefer und Lutz Bertling (v.l.).
Thomas Weber, Volker Kefer und Lutz Bertling (v.l.). © AG/Mertens

Nachhaltige Mobilität lässt sich nur durch die Vernetzung verschiedener Verkehrsträger erreichen. Die Forschungsunion erarbeitet nun Lösungsansätze, wie Auto, Schiene und Luftfahrt zusammengebracht werden können.




Der Verkehr in Deutschland wächst und wächst. Darauf muss sich nicht nur die Autoindustrie einstellen. Entsprechend ist angesichts der Endlichkeit fossiler Energien in der Zukunft eine Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsträger notwendig – und das sowohl auf der Straße, der Schiene als auch in der Luft.

Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, haben sich der Autobauer Daimler, der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und die Deutsche Bahn in der Forschungsunion zusammengetan, um Wege zu einer nachhaltigen Mobilität aufzuzeigen. "Eines ist klar: das Verkehrsmittel der Zukunft ist vernetzt. Wir dürfen nicht schauen, was in den USA oder China stattfindet, sondern wir müssen es in Deutschland auf den Weg bringen. Nur so kann sich Deutschland als Leitmarkt etablieren", sagte Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber bei der Vorstellung der Initiative an diesem Freitag in Berlin.


Engere Zusammenarbeit bei Forschung

Das Thema der Vernetzung der Mobilität spielt auch für die Deutsche Bahn eine entscheidende Rolle, wie Technik-Vorstand Volker Kefer sagte. So sei zukünftig primär die ständige Verfügbarkeit des Reisemittels entscheidend und nicht mehr der Besitz, wie der Bahn-Manager betonte. Dabei hat sich auch die Bahn vor dem Hintergrund der Strategie "DB 2020" zum Ziel gesetzt, "auf der ökologischen, auf der nachhaltigen Seite besser zu werden", wie Kefer betonte.

Mit Blick auf die Vernetzung von unterschiedlichen Verkehrsträgern ist die Deutsche Bahn bereits seit längerer Zeit aktiv. So bietet man nicht nur bundesweit Räder zur Anmietung ("Call a Bike") an, sondern ist mit seinem Angebot Flinkster zugleich auch deutschlandweit der größte Carsharing-Anbieter. Mittlerweile greifen bundesweit 215.000 registrierte Nutzer auf Flinkster mit seinen 2800 Autos in 140 Städten zurück –darunter auch 100 Elektroautos. Der Anteil an den Elektroautos am Flinkster-Fuhrpark solle zukünftig jedoch weiter erhöht werden, wie Kefer sagte. Das Thema Carsharing wird mittlerweile auch für die Autohersteller immer interessanter, neben Car2Go von Daimler engagiert sich in diesem Bereich beispielsweise auch BMW mit DriveNow.

Doch die Vertreter der Gruppe "Mobilität" wollen zukünftig insbesondere bei Forschung und Entwicklung effizienter zusammen arbeiten, umso stärker von den Innovationen der anderen zu profitieren. Wie BDL-Präsident Lutz Bertling betonte, könne beispielsweise die Luftfahrtindustrie auch von den Forschungen bei der Elektromobilität profitieren. Zwar sei man von elektrischen Triebwerken noch weit entfernt, doch beispielsweise sei es vorstellbar, zukünftig rein elektrisch zur Startbahn zu rollen statt mit Kerosin. Entsprechend sei eine enge Kooperation bei der Grundlagenforschung erforderlich.

Daten optimal nutzen

Im Umkehrschluss kann beispielsweise die Autoindustrie von der Luftfahrtindustrie mit Blick auf radargestützte Systeme viel lernen. So wie es im Flugzeug einen Autopiloten gibt, arbeitet die Autoindustrie am autonomen Fahren. Doch auch der Gesetzgeber sei bei vielen Themen gefragt, so auch beim autonomen Fahren. "In den USA gibt es Staaten, wo autonomes Fahren statthaft ist, in Deutschland ist es verboten, hier darf man gerade einmal für zehn Sekunden die Hände vom Steuer nehmen", so Weber, der entsprechende gesetzliche Regelungen einfordert.

Einig sind sich der Vertreter der Gruppe "Mobilität" innerhalb der Forschungsunion darin, dass für die Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsträger insbesondere der Verfügbarkeit der Daten eine entscheidende Bedeutung beikommt, sei es nun zur Verbesserung des Verkehrsflusses mit Blick beispielsweise auf die Infrastruktur oder der problemlosen Buchung der Reise. Am 23. April will die Forschungsunion, die in den fünf Feldern Klima und Energie, Gesundheit und Ernährung, Mobilität und Sicherheit und Kommunikation nach Lösungsansätzen sucht, der Bundesregierung erste Ergebnisse und Handlungsempfehlungen überreichen. (AG/FM)



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