1. September 2011

Fahrbericht Beeindruckende Offroad-Eigenschaften Mercedes ML: Vier Töpfe für das Gelände

Daimler startet die dritte Generation der Mercedes ML-Klasse
Daimler startet die dritte Generation der Mercedes ML-Klasse © Daimler

Mercedes schickt die M-Klasse in die dritte Generation. Beim schwäbischen SUV mit amerikanischen Wurzeln wurde der Verbrauch drastisch gesenkt, zudem setzt Daimler nun auch beim Geländewagen auf vier Töpfe.




Von Thomas Flehmer

Jahrelang wurden die so genannten SUV scheel angesehen ob ihres nicht gerade minderen Verbrauchs. In ebenso gleicher Kontinuität stieg die Zahl der Anhänger dieses Segments in die Höhe. Eine Annäherung beider Gruppen wird auch in den kommenden Jahren nicht unbedingt zu erwarten sein, doch das Stigma der Spritschleudern legen die schweren Geländewagen immer mehr ab. Audi und BMW haben beim Q7 und X5 die Stellschrauben bereits im vergangenen Jahr nachgezogen und die Dampfschiffe einem Downsizing-Prozess unterworfen, Daimler zieht mit der dritten ML-Generation im November nach.


Erstmals Vierzylinder beim Mercedes ML

Der deutlichste Unterschied im Vergleich zu Vorgängergeneration ist die Installierung des 150 kW/204 PS starken Vierzylinder-Aggregats ML 250 BlueTEC 4Matic, der in der C-Klasse sein Debüt gab und auch schon in der E- und S-Klasse eingesetzt wird. 6,0 Liter soll der 2,1 Tonner jetzt nur noch verbrauchen, was einem CO2-Ausstoß von 158 Gramm pro Kilometer entspricht.

Um die sechs Liter zu erreichen erhielt der 4,80 Meter lange Diesel ebenso wie der stärkere 350 BlueTEC 4Matic mit 190 kW/258 PS neben dem 7G-Tronic Plus Automatikgetriebe serienmäßig eine Stopp-Start-Funktion, Leichtlaufreifen sowie Nebenaggregate die unter anderem bei der Klimaanlage verbrauchssenkend einwirken. Nicht zu vergessen, dass der für einen Geländewagen niedrige cW-Wert von 0,32 für den 1,80 Meter hohen ML weitere Einsparungen bereithält.

Behäbige Anfahrt im Mercedes ML 250

Nach einer zähen Beschleunigung gibt sich der Mercedes ML recht dynamisch
Nach einer zähen Beschleunigung gibt sich der Mercedes ML recht dynamisch © Daimler

Den Rest kann der Fahrer steuern, um den auf der Rolle ermittelten Wert auch im Alltag näher zu kommen, was nicht ganz einfach ist. Auf den ersten Testfahrten gab sich der Vierzylinder bei der Beschleunigung etwas träge - Turboloch und Gewicht lassen grüßen – sodass der rechte Fuß das Gaspedal stärker herunterdrückt als dies auf der Rolle der Fall ist.

Zwar sollen die 500 Newtonmeter bereits zwischen 1600 und 1800 Kurbelwellen-Umdrehungen anliegen, doch etwas Geduld muss mitgebracht werden. Ist der ML dann erst einmal auf Touren, schwindet die Behäbigkeit, doch dann steigt natürlich auch der Verbrauch an, wenn es in Richtung 210 km/h Höchstgeschwindigkeit geht.

Diesel mit Euro 6-Norm

Unwegsames Gelände braucht der Mercedes ML nicht zu scheuen
Unwegsames Gelände braucht der Mercedes ML nicht zu scheuen © Daimler

Etwas agiler ist naturgemäß der stärkere Selbstzünder mit sechs Zylindern, der gar 620 Newtonmeter zwischen 1600 und 2400 Umdrehungen abruft und es bis 224 km/h schafft. Auch der Sprint in 7,4 Sekunden ist 1,6 Sekunden schneller als beim Einstiegsdiesel. Dafür wird ein Verbrauch von 6,8 Litern notiert.

Beiden gleich ist die Harnstoff-Einspritzung, somit erreichen beide Geländewagen bereits die EU-Norm Euro 6, die erst ab 2014 in Kraft tritt. Das Trio komplettiert der Sechszylinder-Benziner ML 350 4Matic BlueEFFICIENCY mit 225 kW/306 PS, der aber in Europa nur eine Nebenrolle spielt und eher etwas für die USA ist, in dessen Mercedes-Werk in Tuscaloosa die drei Modelle auch gefertigt werden.

Dynamische Kurvenfahrt im Mercedes ML möglich

Auf dem Monitor können die Fahrtdaten des Mercedes ML abgelesen werden
Auf dem Monitor können die Fahrtdaten des Mercedes ML abgelesen werden © Daimler

Während auf den amerikanischen Highways das Tempolimit die Kraft des Boliden einschränkt, kann der ML auf manchen Fernstraßen in Deutschland voll ausgefahren werden, wenn der Fahrer seine Disziplin an den Nagel hängt, was ihm nicht schwerfällt.

Denn in höheren Drehzahlen japst das kantenförmige, aber sehr viel stärker und dynamischer als die beiden Vorgänger konturierte SUV förmlich danach, sportlich bewegt zu werden. Der 3689 Euro teure Wankausgleich sorgt dafür, dass auch auf der Landstraße in Kurven das Tempo hochgehalten werden kann.

Komfortabler Innenraum im Mercedes ML

Viel Komfort erwartet die Passagiere im Cockpit des Mercedes ML
Viel Komfort erwartet die Passagiere im Cockpit des Mercedes ML © Daimler

Im komfortablen Innenraum spüren die Insassen kaum das Tempo. Je nach Geldbeutel kann der Geländewagen in ein Hightech-Monster verwandelt werden. Zwischen zehn und Prozent aller Kunden legen sich das On&Offroad-Paket für 2261 Euro zu. Wie bei den britischen Kollegen von Land Rover kann dann per Drehschalter das Fahrzeug auf jeden beliebigen Untergrund eingestellt werden, damit der Fahrt ins Gelände nichts im Wege steht.

Und der ML hat es drauf und schindet mächtig Eindruck bei 80-prozentigen Abfahrten über Stock und Stein. Wer weitere 3317 Euro in das Command-online Multimediasystem investiert, kann am Bildschirm mitverfolgen, in welcher Querlage sich der ML gerade befindet oder welche Räder gerade angetrieben werden. Aber die Frage ist, wie viele der Kunden, die das On&Offroad-Paket bestellt haben, dann auch wirklich diese Erfahrungen machen und eventuell den ein oder anderen Kratzer riskieren.

Ab 54.978 Euro für den Mercedes ML 250 BlueTEC 4Matic

Der Mercedes ML grüßt aus dem Gelände
Der Mercedes ML grüßt aus dem Gelände © Daimler

Wem das nicht reicht, kann den ML noch mit den bekannten Sicherheitssystemen ausstatten oder sich bei den Ledervarianten umschauen. Zuvorderst müssen aber mindestens 54.978 Euro für den Basis-Diesel, 58.726 Euro für den ML 350 BlueTEC 4Matic oder 56.763 Euro für den Benziner ausgegeben werden. Unter 65.000 oder 70.000 Euro wird da wohl kein ML den Eigentümer wechseln. Und das wird auch für die kommenden Jahre ein Grund bleiben, warum sich SUV-Gegner und Geländewagen-Anhänger kaum annähern werden.

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