Daimler: Nutzfahrzeuge überholen Pkw-Sparte bei Vernetzung

Diverse Mobilitätslösungen

Der Lkw ist stets online
Der Lkw ist stets online © Continental

Vernetzung ist ein großes Thema auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Dabei avancieren die Hersteller zu Dienstleistern und bieten zahlreiche Lösungen an, um die Kosten zu senken und die Effizienz der Nutzfahrzeuge zu steigern.

Von Thomas Flehmer

Messen kundige Personen könnten den Eindruck bekommen, am falschen Ort zu sein. Sicher werden auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover auch neue Transporter, Lkw, Busse und Vans vorgestellt, doch könnten die Besucher auch meinen, auf der Cebit gelandet zu sein. Die Messe für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation findet ebenso in den Messehallen der niedersächsischen Landeshauptstadt statt – halt nur im März.

Truck Data Center, Fleetboard-Manager oder adVANce lauten die Programme, die Mercedes vor allem für die gewerbetreibenden Kunden zur Hand gibt, um die Kosten der einzelnen Flotten zu senken und die Effektivität der einzelnen Nutzfahrzeuge zu steigern. „Der Markt ist reif“, sagt Volker Mornhinweg, Leiter von Mercedes Vans, „für das neue Geschäftsmodell weg vom reinen Hersteller hin zum Dienstleister von Transportlösungen.

Lkw-Überwachung per Uptime

So kommt bei den Lkw von Mercedes die so genannte Uptime zum Einsatz, mit der Actros, Arocs und Antos intelligent vernetzt werden. Dabei werden über das Fleetboard Truck Data Center kontinuierlich die technischen Zustände der einzelnen Lkw überwacht – vom Reifendruck bis zur Bremsflüssigkeit.

Erfolgt eine Fehlermeldung, werden die Daten analysiert und an die Serviceorganisation gesendet. Auf Wunsch wird zudem die nächste Werkstatt kontaktiert mit der klaren Anweisung, die für die Fehlerbehebung benötigten Teile bereitzuhalten. Somit wird nicht nur ein Liegenbleiben des Trucks verhindert, sondern auch die Zeit des Werkstattaufenthaltes wesentlich verkürzt.

Fleetboardstore mit nützlichen Apps

„Die Umsetzung des Truck Data Center mit dem Fleetboard-Manager werden wir bis 2020 abgeschlossen haben und befinden uns in einer Vorreiterrolle. Kein anderes Unternehmen schafft das“, verkündet Wolfgang Bernhard, Vorstandschef von Daimler Trucks and Buses.

Zugleich wird auf der IAA der Fleetboardstore mit zu Beginn 14 Apps eröffnet. Mit den Apps auf der offenen Plattform können zum Beispiel die Ladungssicherheit berechnet oder ein möglicher Reifendruckverlust ausgeglichen werden. Daimler ist dabei offen für Eingaben von außen.

Mobility-Tochter gegründet

Bei den Vans kommt im Zuge der strategischen Initiative adVANce ab 2017 die neue Dienstleistungsmarke Mercedes Pro zum Einsatz, mit der die Furhparkmanager ebenfalls die gesamte Zeit mit ihrer Flotte vernetzt sind und jederzeit Standort, Wartungsintervalle oder Kraftstoffvorrat abfragen können.

Für die Vermarktung dieser Dienste wurde die Mercedes-Benz Vans Mobility gegründet. Das Tochterunternehmen der Daimler Financial Services mit Sitz in Berlin kümmert sich um die Anliegen der Transporterkunden und bietet Lösungen an.

"Kein Wettlauf" mit Pkw-Sparte

Nicht ganz überraschend überholt dabei die Nutzfahrzeugsparte den Pkw-Partner bei der Vernetzung. Denn für Gewerbetreibende ist das Fahrzeug nicht nur ein fahrbarer Untersatz, sondern ein Posten, der die Bilanz durcheinanderbringen kann. Mit den Mobilitätslösungen will Daimler die Unsicherheiten nicht nur bei den reinen Kosten minimieren, sondern kann durch die Vernetzung auch Kraftstoffkosten reduzieren und Strecken effizienter gestalten.

Trotzdem sieht Bernhard „keinen Wettlauf“ bei der Vernetzung im Vergleich zur eigenen Pkw-Sparte, sondern „eine sinnvolle Ergänzung. Ohne die Fortschritte bei der Vernetzung im Pkw-Bereich könnten wir nicht so erfolgreich sein."