29. Mai 2017

Limousine der Renault-Tochter Dacia Logan: Teure Spätfolgen

Der Dacia Logan beschert so manches Problem im Alltag
Der Dacia Logan beschert so manches Problem im Alltag © AG/Flehmer

Mit niedrigen Preisen ist Dacia 2005 in den Markt eingestiegen. Die Sparsamkeit rächt sich dafür an älteren Modellen. Die Probleme zu umgehen, ist recht einfach.




Mit dem Dacia Logan hat Renault 2005 den Gegenentwurf zum penetranten Höher-Schneller-Weiter der europäischen Autobranche auf den Markt gebracht. Die kleine Limousine war weder Hingucker noch Spaßmobil, aber ein solides und sehr günstiges Fahrzeug für den täglichen Bedarf. Doch im Alter zeigen sich nun die Spätfolgen der Sparsamkeit.

Mittlerweile baut Dacia durchaus einigermaßen ansehnliche Autos. Für den von 2005 bis 2009 angebotenen Logan der ersten Generation gilt das aber eher nicht. Die Stufenhecklimousine stahlt außen wie innen längst vergessen geglaubten Ostblock-Charme aus. Funktional geht der Innenraum aber in Ordnung: Die Sitze sind bequem und ermöglichen eine gute Körperhaltung, die Bedienung ist einfach, die Verarbeitung solide.


Einziger Diesel als Empfehlung

Angenehm ist auch der große Kofferraum – allerdings kann die Fondlehne nicht umgeklappt, sondern nur demontiert werden. Praktischer ist der 2007 eingeführte und bis 2013 gebaute Kombi Logan MCV, der mit einem riesigen Gepäckabteil oder alternativ sieben Sitzen aufwartet.

Dass der Logan auf alter Renault-Technik basiert, zeigt sich auch beim Motorenprogramm. Drei Benziner der französischen Konzernmutter waren in Deutschland zu haben: der 1,4-Liter-Einstiegsmotor mit 55 kW/75 PS, ein 1,6-Liter-Motor mit Zweiventil-Technik und 64 kW/87 PS sowie als Vierventiler-Variante der 1,6-Liter-16V mit 77 kW/105 PS. Dazu gibt es eine LPG-Version mit 62 kW/84 PS und vereinzelt auch eine Ethanol-Variante des Top-Benziners.

Einziger Diesel ist ein 1,5-Liter-Motor mit zunächst 50 kW/68 PS, später bis zu 65 kW/88 PS. Alle Triebwerke geben sich in dem mäßig gedämmten Logan recht brummig, subjektiv am flottesten und objektiv am sparsamsten kommt man mit dem Diesel voran.

Neu statt gebraucht

Zwei Airbags, Lenkrad, Sitze – viel mehr ist im Basis-Logan nicht an Bord. Wer ein gebrauchtes Modell sucht, sollte darauf achten, dass zumindest die optionale Servolenkung dabei ist – ansonsten droht kraftaufwendige Kurbelei beim Rangieren. Extra bezahlen musste der Erstbesitzer außerdem Klimaanlage und Radio. Wer darüber hinaus etwas Komfort an Bord haben will, wählt am besten gleich die Top- Ausstattungslinien „Lauréate“ und „Prestige“ (bis 2008). Auf den Schleuderschutz ESP muss man aber auch dort verzichten. ABS hingegen ist immer an Bord, ab 2008 auch in Kombination mit einem Bremsassistenten.

Dass in einem Billigauto weder die besten Komponenten verbaut sind noch die hochwertigsten Materialien genutzt wurden, ist klar. So machte die mäßige Lackqualität den Erstbesitzern genauso Ärger wie Probleme mit Zündung, Kurbelwellengeber und leeren Batterien. Im Alter wird es bei dem Rumänen eher schlimmer als besser, im jährlichen TÜV-Report hat er ein Abo auf die hintersten Plätze. Was möglicherweise aber teilweise auch an der chronischen Sparsamkeit vieler Halter liegen könnte, die auf die ein oder andere Wartungsarbeit verzichten. Zu meckern haben die Prüfer jedenfalls in fast jeder Hinsicht: Teure Reparaturen drohen spätestens ab dem siebten Jahr etwa am Fahrwerk, wo Dämpfer, Radaufhängung und Lenkung zu den Schwachpunkten zählen. Regelmäßig beanstandet werden auch die schnell verschlissenen Bremsen und die häufig mangelhafte Auspuffanlage.

Die Lösung für die Probleme ist sehr simpel: Wer mit dem Logan sparen will, sollte ihn als Neuwagen kaufen. Günstiger Einstiegspreis und niedriger Wertverlust machen ihn im Vergleich zu Konkurrenzmodellen zum Schnäppchen. Bei gebrauchten Modellen nivelliert sich das: Der wertbeständige Dacia ist nun im Vergleich relativ teuer, die Sparsamkeit bei der Konstruktion schlägt auf die Langlebigkeit durch. (SP-X)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Gebrauchtwagen



Mehr zur Marke Dacia

Zweite Generation des SUVDacia gestaltet Duster neu

Dacia liftet auf der IAA in Frankfurt das Tuch vom neuen Duster. Die zweite Generation des SUV der Renault-Tochter soll den burschikosen Charakter weiter verstärken.


Zwölf Jahre nach dem Marktstart der Renault-TochterDacia feiert Jubiläum in Deutschland

Dacia hat ein besonderes Jubiläum auf dem deutschen Markt gefeiert. Aber auch international knallen bei der Renault-Tochter demnächst die Korken.


Marktanteil im April erhöhtDacia in Deutschland weiter auf der Erfolgsspur

Dacia hat auf dem deutschen Neuwagenmarkt auch den April mit einem zweistelligen Wachstum abgeschlossen. Zudem steht Mitte des Jahres ein besonderes Jubiläum in Deutschland an.



Mehr aus dem Ressort

Das Sondermodell Citroen Berlingo Vitamin von 2013
Baugleich mit Peugeot PartnerCitroen Berlingo: Innovativer Vorreiter ohne Lernzuwachs

Mit dem Berlingo begründete Citroen das Segment der Hochdachkombis. Doch der Vorreiter schafft es nicht, seinen von Beginn an vorhandenen Fehler abzustellen.


Der Mitsubishi Colt ist als Gebrauchter ein Geheimtipp
Sechste Generation auf Plattform des Smart ForfourMitsubishi Colt: Einer für alle Fälle

Der Mitsubishi Colt fuhr zwischen 2004 und 2012 im deutschen Straßenbild eher nebenher herum. Dabei ist der Vorgänger des Spacestar ein echter Geheimtipp.


Seit 2012 gibt es den Audi A1 auch als verlängerte Sportback-Variante
Tadelloser Kleinwagen Audi A1: Unerkannter Musterprofi

Dem Audi A1 war zu Beginn vor rund sieben Jahren kein großer Erfolg beschieden. Dabei schlägt sich Audis Kleiner besonders gut auch als Gebrauchter – und eine tierisch große Fangruppe hatte er leider auch.