2. August 2017

E-Bike als Hingucker Coboc One Soho: Pedelec mit Will-haben-Faktor

Das Coboc One Soho sieht chic aus. Fotos ▶
Das Coboc One Soho sieht chic aus. © SP-X

Wer sagt denn, dass Pedelec immer nur schlecht aussehen? Das Coboc One Soho zeigt, dass es auch anders geht. Doch nicht nur mit seinem Aussehen beeindruckt das E-Bike.




Wer schön sein will, muss leiden, sagt eine Volksweisheit. Eine Testfahrt mit dem Pedelec Coboc One Soho hat uns allerdings vom Gegenteil überzeugt. Dieses ausnehmend schicke E-Bike umgibt seinen Fahrer mit einer sportlich-dynamischen Aura, ohne dass sich dieser dafür ins Zeug legen muss. Darüber hinaus räumt das edle Single-Speed-Rad noch mit einigen Ressentiments in Sachen E-Mobilität auf.

Eines dieser Vorurteile: Pedelecs sind plump. Filigranes Design - schlicht, funktional und edel - gehört in der E-Bike-Szene in der Tat zur Ausnahme. Ein großer E-Motor, der Akku sowie Schalter und Display am Lenker lassen sich in ein konventionelles Fahrraddesign eben schwer integrieren. Das Soho zeigt hingegen, dass E-Antriebstechnik und Edeloptik auch in nahezu perfekter Symbiose zusammengehen können: Dem flotten Sportrad sieht man seine Pedelec-Technik eigentlich nicht an. Diese ist nicht unsichtbar, aber sehr unauffällig.


Batterie im Unterrohr

Die Batterie zum Beispiel steckt im vergleichsweise voluminösen Unterrohr des aus gebürsteten Alu bestehenden Diamantrahmens. Einen 352-Wh-Lithium-Ionen-Akku würde man in dem ovalen Tubus eigentlich nicht erwarten. Auch der sehr kompakt bauende Nabenmotor im hinteren Speichenrad fällt nur etwas größer als manche übersetzungsreiche Nabenschaltung aus. Zumal das Aggregat dank Chromhülle wie ein integraler Bestandteil des durchweg metallisch glänzenden Bikes wirkt. Leitungen und Kabel wurden schließlich weitgehend innen verlegt und stören somit den schnörkellosen Anblick kaum.

Ebenfalls gut versteckt sind die Bedienelemente für den E-Bike-Betrieb. Der Ein- und Ausschalter sowie ein Anschluss-Port fürs Ladekabel befinden sich an der Unterseite des Oberrohrs. Hingegen gut sichtbar sind auf der Oberseite des Rohrs fünf kleine Leuchtdioden, die als Füllstandanzeige der Batterie dienen. Diese dezente Lösung reicht aus, den Fahrer über die verbleibende Reichweite zu informieren. Maximal kommt man mit voller Batterie 80 Kilometer, leuchtet nur noch eine Diode, reicht der Strom für 16 Kilometer E-Unterstützung. Eine Displaylösung mit vielen Schaltern und Untermenüs erübrigt sich hier.

Spartanisch gemacht

Die LEDs zeigen den Ladestand der Batterie an
Die LEDs zeigen den Ladestand der Batterie an © SP-X

Auch sonst ist das Soho spartanisch gemacht. Es gibt einen sportlichen aber nicht unbequemen Cambium-Sattel von Brooks mit einer Baumwoll-Kautschuk-Decke, einen mit Textil-Tape umwickelten Bullhorn-Lenker sowie vorne und hinten kleine CNC-gefräste Felgenbremsen, die verbindlich zupacken. Licht, Gepäckträger oder Gangschaltung? Fehlanzeige. Wem das Soho zu wenig Alltagsnutzen bietet, kann bei Coboc alternativ technisch und ästhetisch ähnlich gestrickte Modelle wie das Vesterbro bekommen, das aber zusätzlich noch mit Schutzblechen, Beleuchtung und anderen nützlichen Accessoires ausgestattet ist.

Das reduzierte Design und die spartanische Ausstattung des Soho sorgen für einen entscheidenden Vorteil: Das Pedelec wiegt nur 13,7 Kilogramm und ist damit eines der leichtesten seiner Art, das sich sogar halbwegs mühelos einhändig Treppen hinauftragen lässt.

Ebenfalls leicht ist die Bedienung, denn es gibt nur an oder aus. Verschiedene Leistungsstufen lassen sich nicht anwählen, denn die Unterstützung durch den normal 250 und in der Spitze bis zu 500 Watt leistenden E-Motor ist allein von der Trittfrequenz abhängig. Da es sich um ein Single-Speed ohne Alternativübersetzung handelt, muss man, wenn man besonders schnell fahren will, auch besonders schnell treten. Lässt man es darauf ankommen, fährt das Soho mit verblüffender Leichtigkeit auch mal über 40 km/h. Bei den meisten Pedelecs schafft man selbst mit großer Anstrengung kaum über 30 km/h. Auch beim Ampelstart kommt man mit leichtem Tritt schnell in Fahrt und fühlt sich das Bike entsprechend spritzig an, wie es sich für ein Rennrad gehört.

Für ausgedehntere Touren ist das Single-Speed-Prinzip allerdings ungeeignet, denn eine längere Übersetzung, die eine mäßige Trittfrequenz bei gehobenem Tempo erlaubt, gibt es nicht. Ebenfalls etwas störend: Ohne elektrische Unterstützung handelt es sich um einen lautlosen Gleiter, doch wenn der aus chinesischer Produktion stammende E-Motor zusätzlich anschiebt, macht er das mit einem etwas unfeinen elektrischen Surren.

Frage nach Einsatzzweck

Nichtsdestotrotz hat das Soho einen enormen Will-haben-Faktor. Allerdings stellt sich die Frage nach dem Einsatzzweck, denn als Tourer, Trainings- oder Fitness-Bike kommt es nicht in Frage. Bleibt eigentlich nur die Stadt, wo es dank der Abwesenheit von Schutzblechen und Gepäcklösungen weder für Regen- oder Einkaufsfahrten taugt. Letztlich eignet sich das schicke Pedelec nur als City-Speedbike. Auf den Boulevards der Eitelkeiten, dort wo sich das Leben pulsiert, etwa im Englischen Garten in München oder in Berlin-Friedrichshain, verleiht das Soho seinem Fahrer eine besondere Aura. Zumal man dank E-Unterstützung mühelos flott fährt und damit einen sportlichen Eindruck hinterlässt, für den man sich nicht anstrengen muss. Entsprechend kommt man nicht verschwitzt zum Date. Dabei würde allerdings kaum jemand vermuten, dass der flotte Fahrer seine Vitalität aus einem Akku speist.

An einem Punkt muss der Besitzer aber doch leiden, nämlich dann, wenn er das Coboc Soho bezahlen muss: Rund 4000 Euro kostet der Spaß. Für eine Straßenzulassung muss man sich zudem noch eine Klingel anbauen und idealerweise ein paar Akkuleuchten besorgen. Für ein schickes Zweit- oder Drittrad für Fahrten zum Eiscafé oder in den Biergarten ist das viel Geld. Im Gegenzug bietet das Soho in Hinblick auf Stil, Technik und Verarbeitung allerdings auch viel Gegenwert. (SP-X)



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