Cadillac Escalade Hybrid: Auf dem Weg zur Vernunft

Verbrauch 11,6 statt 20 Liter

Der Cadillac Escalade Hybrid © Foto: Cadillac

Der Cadillac Escalade verbraucht normalerweise mit seinem V8-Motor gut und gerne abnorme 20 Liter. Mit Hybridantrieb nähert er sich dann schon akzeptablen Werten an.

Von Sebastian Viehmann

5,10 Meter lang, zwei Meter breit, 2,8 Tonnen schwer und reichlich Ecken und Kanten - das ist der Cadillac Escalade. Amerikanischer als das Luxus-SUV geht es kaum. Wenig überraschend ist da der Verbrauch des 301 kW/409 PS starken V8-Ottomotors. Der Escalade prasst mit dem Sprit, im Stadtverkehr fließen sogar 20 Liter durch die Leitungen. Mit Hybridantrieb an Bord sieht die Sache aber ganz anders aus: 11,1 Liter Benzin, Bioethanol (E85) oder jede beliebige Mischung beider Kraftstoffe pro 100 Kilometer lautet der offizielle Durchschnittsverbrauch. In der Stadt, wo der Elektromotor oft mithelfen kann, sind es im Schnitt 11,6 Liter - satte 8,4 Liter weniger als beim normalen Achtzylinder.

Rein elektrisch unterwegs im Escalade

Wenn man das Gaspedal beim Anfahren behutsam bedient, setzt sich der Escalade Hybrid rein elektrisch in Bewegung. Auch im Segelbetrieb schaltet sich der Verbrennungsmotor ab. Ein Diagramm auf dem Navigationsdisplay informiert über die aktuelle Energieverteilung des Hybridsystems. Es besteht aus einem V8-Motor mit 248 kW/337 PS und einem 83 kW/113 PS starken Elektromotor. Der Wagen hat permanenten Allradantrieb und eine Differenzialsperre für die Hinterachse. Bei Vollgas aus dem Stand hat der Caddy eine deutliche Anfahrtsschwäche, spurtet dann aber in immerhin 8,4 Sekunden von null auf 100 km/h.

Die Hybridanzeige in der Mittelkonsole des Escalade Cadillac

Trotz geballter V8-Power und elektrischer Unterstützung erreicht der Hybride "nur" eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h. Eigentlich ist das ganz gut so, denn für eilige Fahrten ist der schwere Escalade eindeutig das falsche Auto. Der Geländewagen legt sich recht schwammig und mit spürbarer Wankneigung in die Kurven. Bei der Lenkung wünscht man sich mehr Zielgenauigkeit. Wenn es ums gemütliche Cruisen geht, ist man im Escalade dagegen perfekt aufgehoben.

Gleiten über Bodenwellen

Der Wagen fährt nicht einfach, sondern gleitet über Bodenwellen. Fahrer und Passagiere lümmeln sich behaglich in ihre Ledersessel und lassen die Landschaft an sich vorüber ziehen, während der Rest der Welt respektvoll zum Escalade aufblickt. Der Cadillac ist kein Auto, mit dem man den Streit um einen Parkplatz aufnehmen möchte. Das macht fraglos die Faszination dieses großen Ami-Schlittens aus. Nettes Details am Rande: Die Trittbretter, über die man den Luxus-Kraxler entert, sind gegen Aufpreis elektrisch ausfahrbar.

Das Getriebe mit variabler elektronischer Übersetzung hat vier festgelegte Stufen, die man mit Knöpfen am Automatikhebel ansteuern kann. Diese Knöpfe befinden sich allerdings ungünstig platziert auf dem Wählhebel, welcher in klassisch amerikanischer Manier am Lenkrad befestigt ist. Besser gefällt das restliche Cockpit mit viel Leder, schicken Holzzierleisten und einem enormen Platzangebot.

Einige Details wie die umständliche Bordcomputerbedienung allerdings zeigen, dass der Escalade trotz der neuen Hybrid-Option an sich kein taufrisches Auto mehr ist. Für die Serienausstattung des Cadillac gilt jedoch: Alles drin, alles dran - extra kosten nur die elektrischen Trittbretter, das DVD-System für die Fond-Passagiere und Speziallacke. Was dem Cadillac allerdings fehlt, sind die mittlerweile in gehobenen Klassen gängigen Assistenzsysteme wie Abstandsregeltempomat, Totwinkelassistent oder Spurwechselwarner.
Preis deutlich über 80.000 Euro

Das Heck des Cadilac Escalade Hybrid Cadillac

Der Escalade weist drei Sitzreihen auf und bietet bis zu acht Personen Platz. Die Zuladung beträgt 673 Kilogramm. Gerade für einen Hybriden, bei dem die schweren Batterien oft Nutzlast fressen, ist das ein guter Wert. Bei voller Bestuhlung ist der Kofferraum mit 98 Litern Gepäckvolumen winzig, bei versenkter dritter Reihe stehen 478 Liter zur Verfügung.

Der Escalade Hybrid kostet 83 490 Euro und ist nur in Sport Luxury-Version zu haben. Gegenüber dem normalen V8-Modell bedeutet das einen Aufpreis von 7 500 Euro. Die Differenz ist damit deutlich kleiner als zum Beispiel bei den Hybrid-Versionen des BMW X6 oder VW Touareg. Dort muss man die Hybridtechnik mit unverschämt hohen Aufschlägen bezahlen. (mid)