Cadillac CTS-V Wagon: Griff nach den Sternen

Sportliche Familienkutsche

Der Cadillac CTS-V Wagon ist ein Mix aus Sportwagen und Alltagsfahrzeug © Cadillac

Platz für eine Familie und Tempo wie ein Rennwagen: Das ist der kleine Markt der Sportkombis. Bisher ist er fest in der Hand der Avant-, Touring- und T-Modelle von Audi, BMW und Mercedes. Im Herbst will Cadillac den Kampf aufnehmen – mit dem CTS-V Wagon.

Von Axel F. Busse

Keine Frage: Mehr als 500 PS kann man sinnvoller einsetzen. Zum Beispiel, indem man vier Kompaktwagen damit antreibt. Aber ein Kombi mit dem Spurtvermögen eines Rundstrecken-Renners hat eben einen speziellen Reiz: Groß genug, um zahlungskräftigen Kunden sechsstellige Summen aus der Tasche zu locken. So war das jedenfalls bisher, doch das winzige Marktsegment befindet sich im Umbruch.

Ähnlicher Motor wie AMG-Version

Audi stellte den 580 PS starken RS6 Avant ein, vom aktuellen 5er-BMW gibt es (noch) keine M-Version, nur Mercedes hält für mehr als 108.000 Euro die AMG-Version des E-Klasse-T-Modells bereit. Der Cadillac-Kombi hat nicht ganz die Ausmaße einer E-Klasse und reiht sich mit 4,86 Metern Länge somit zwischen den T-Modellen der C- und E-Klasse ein.

Allerdings bedient er sich eines ähnlichen Motors wie der Stuttgarter Stern-Träger: acht Zylinder und 6,2 Liter Hubraum - doch da hat es sich auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Ein Kompressor sorgt dafür, dass bei 6100 Umdrehungen 415 kW/554 PS bereit gestellt werden. Die gewaltige Motorleistung steht in einem spannenden Kontrast zum eher bescheidenen Auftritt des Kombis. Zwar deuten das feinmaschige Gitternetz an den vorderen Lufteinlässen und die 19-Zoll-Felgen auf einen sportlichen Anspruch hin, aber weder sind die Endrohre des Auspuffs, noch die Ausstattung mit Schwellern und Spoilern besonders auffällig. Geschmeidig kann man das Design freilich auch nicht nennen, dafür sorgen schon die vielen Kanten, die senkrechten Scheinwerfergläser und die bis zum Dachkantenspoiler hinauf ragenden Rückleuchten.

Markanter Innenraum

Eindrucksvolle Innenraumeinrichtung des Cadillac CTS-V Wagon Cadillac

Deutlich markanter der Innenraum: Wulstige Seitenpolster der lederbezogenen Sportsitze, samtige Alcantara-Bezüge an Lenkradkranz und Schaltknauf, dazu dezente Chromeinfassungen an den Hauptinstrumenten und helle Kontrastnähte an den ebenfalls üppig belederten Oberflächen verströmen Kraft und Komfort gleichermaßen. 1644 Liter Ladekapazität bei umgeklappten Rücksitzen klingt nach viel. Jedoch sind Sportkombis vom Schlage eines CTS-V im Zweifelsfalle immer mehr Sportler als Kombis.

Gestartet wird auf herkömmliche Weise per Schlüsseldreh. Der schwere V8 faucht kurz auf, um danach in ein abwartendes Grummeln zu verfallen. Schon die ersten Meter lassen keinen Zweifel aufkommen: Hier ist ein lupenreines Sportgerät am Werk, gekleidet in die harmlos wirkende Hülle eines Kombis. Unmittelbar und bissig reagiert der Motor auf Gaszufuhr, einen Wimpernschlag später schießt die knapp zwei Tonnen schwere Fuhre unter energischem Grollen nach vorn.

Freude beim Schalten

Knapp 15 Liter genehmigt sich der Cadillac CTS-V Wagon Cadillac

Der V8 ist kein Kostverächter. Unsere Testfahrt endete laut Bordcomputer mit einem Schnitt von 14,7 Litern pro 100 Kilometer. Für das Coupé gibt der deutsche Importeur den kombinierten Verbrauch mit 15,8 Litern für 100 km an. Da steht ein E-Klasse-AMG-Modell mit 12,8 Litern nach EU-Norm wesentlich besser da. Auf jeden Fall sollte beim Caddi der Tank größer als 68 Liter sein, das ist Mittelklasseformat.

Als wahre Freude entpuppte sich die sechsgängige Handschaltung, die als Alternative zur ebenfalls mit sechs Stufen ausgestatteten Automatik angeboten wird und keinerlei Defizite in Sachen Spontanität oder Temperament offenbart. Dafür sorgt schon das mit 747 Newtonmetern überreichlich bemessene Drehmoment, das bei 3800 Umdrehungen erreicht wird.

Neidischer Blick über den Teich

Nicht eben pantoffelweich ist das Fahrwerk, das sich zur Dämpfung der Magentic-Ride-Technik bedient. Die Technik aktiviert per Stromspannung in die Dämpferflüssigkeit eingelagerte Metallteilchen, die innerhalb von Sekundenbruchteilen für eine Verhärtung des Fahrwerks sorgen können. Der CTS-V Wagon quittierte auf unserer Testfahrt Querrillen bevorzugt mit einem starken Rumpeln. Standardmäßig werden die V-Modelle mit Michelin-Bereifung ausgeliefert. Weil häufig mehr als 500 Newtonmetern an der Hinterachse zerren, greifen Traktionskontrolle und Anti-Schleuderprogramm entsprechend oft ein.

Und die Kosten: Im Vergleich zu den US-Käufern des V-Wagon werden die deutschen Kunden ganz schön bluten müssen. Jenseits des Atlantik ist das Auto für rund 63.500 Dollar zu haben, derzeit umgerechnet etwa 46.300 Euro. Es ist wenig wahrscheinlich, dass der Kombi hierzulande günstiger angeboten wird als das Coupé, und das kostet 80.210 Euro. (mid)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.