6. November 2017

Premiere auf der Eicma Bosch vernetzt Motorräder

Bosch vernetzt Motorräder miteinander
Bosch vernetzt Motorräder miteinander © Bosch

Bosch stellt auf der Motorradmesse Eicma eine neue Technik zur Vernetzung der Motorräder vor. Durch den Informationsaustausch zwischen den Fahrzeugen wird vor allem die Sicherheit erhöht.




Assistenzsysteme wie ABS und Stabilitätskontrolle haben längst auch bei Motorrädern Einzug gehalten. Mehr Sicherheit für Biker soll künftig die Vernetzung bringen. Zulieferer Bosch etwa bringt neue Technik mit zur Motorradmesse Eicma. Die Stuttgarter gehen davon aus, dass 2025 rund 70 Prozent aller neuen Motorräder vernetzt sein werden.

So soll ein „digitaler Schutzschild“ Motorradfahren künftig sicherer machen und typische Gefahrensituationen mit Autos vermeiden. Weil beide Fahrzeuge kommunizieren, weiß das Auto bereits, dass sich ein Motorrad nähert – lange bevor es ins Sichtfeld des Autofahrers oder der fahrzeugeigenen Sensoren kommt.


Datenaustausch in wenigen Millisekunden

Dafür tauschen Fahrzeuge im Umkreis von mehreren hundert Metern bis zu zehn Mal pro Sekunde Informationen zu Fahrzeugtyp, Geschwindigkeit, Position und Fahrtrichtung aus. Der Datenaustausch zwischen Motorrad und Auto erfolgt auf Basis des an WLAN angelehnten Standards pWLAN (IST G5). Der ermöglicht kurze Übertragungszeiten von wenigen Millisekunden zwischen Sender und Empfänger.

Damit soll eine der häufigsten Unfallursachen vermieden werden: das Übersehen von Motorradfahrern an Kreuzungen. In kritischen Situationen wird der Biker vom Pkw-Fahrer erkannt und digital gesehen.

„Um die Ecke sehen“

Künftig ist das Motorrad aber nicht nur mit anderen Fahrzeugen vernetzt, sondern auch mit der Cloud. Darauf basierende Funktionen sollen Sicherheit und Komfort beim Motorradfahren erhöhen. Zum Beispiel, indem sie besonders vorausschauendes Fahren ermöglichen: Cloudbasierte Echtzeitinformationen warnen Biker vor plötzlichen Gefahrenstellen. Registrieren beispielsweise die Sensoren eines Pkw hinter einer Kurve eine Fahrbahnvereisung, wird diese Information automatisch in einer Datenbank hinterlegt.

Nähert sich ein Motorradfahrer dieser Kurve, wird er vor der rutschigen Stelle gewarnt. Durch den vernetzten Horizont oder „Connected Horizon“ kann der Fahrer „um die Ecke sehen“ und Gefahren frühzeitig erkennen. Durch die wachsende Zahl von Fahrzeugen mit Internetanbindung werden die neuen, cloudbasierten Funktionen erst möglich.

Im Rahmen der Vernetzung spielt auch die Einbindung des Fahrer-Smartphones in das Fahrerinformationssystem eine Rolle. In diesem Jahr in der BMW R 1200 GS in Serie gegangen ist das sogenannte „Integrated Connectivity Cluster“, bei dem der Biker einige Smartphone-Funktionen über Tasten am Lenker steuern kann, beispielsweise Anrufe entgegennehmen und den Zugriff auf Smartphone-Kontakte tätigen sowie Lieblingsmusik auf dem Smartphone abspielen.

In der nächsten Ausbaustufe werden auch bestimmte Smartphone-Apps auf dem Display dargestellt. Erlaubt sind bei „MySpin“ nur solche Anwendungen, die den Fahrer möglichst nicht ablenken, wie Wetter oder Internetradio-Apps. Im Dreirad-Bike Can-Am Spyder ist die Smartphone-Integration bereits in Serie gegangen. (SP-X)



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