Weltweiter Rückruf für BMW R 1200 GS und Adventure

Probleme mit Gabelstandrohr

Die BMW R 1200 GS muss in die Werkstatt.
Die BMW R 1200 GS muss in die Werkstatt. © BMW

BMW muss weltweit 168.000 Motorräder seines Bestsellers zurückrufen. An der R 1200 GS und der R 1200 GS Adventure kann es unter Umständen zu einem gefährlichen Problem mit dem Gabelstandrohr kommen.

Die R 1200 GS und die R 1200 GS Adventure sind die Bestseller von BMW Motorrad. Nun muss der Hersteller weltweit 168.000 Maschinen seiner Topmodelle der Offroad-Baureihe wegen Problemen mit dem Gabelstandrohr zurückrufen. Offiziell spricht BMW von einer Service-Aktion. Allein in Deutschland sind 29.000 Maschinen der Baujahre 2013 bis Juni 2017 betroffen, wie eine Sprecherin am Dienstag auf Anfrage sagte.

Wie BMW in einem offiziellen Statement mitteilte, hätte man bei "laufenden Feldbeobachtungen festgestellt, dass durch außergewöhnliche Ereignisse mit kurzzeitiger Überlast das Standrohr der genannten Modelle vorgeschädigt werden kann, ohne dass dies vom Nutzer sicher erkannt wird, zum Beispiel durch verändertes Fahrverhalten“.

Problem entsteht bei Überlast

Entstehen kann eine solche Überlast beispielsweise durch das Auffahren auf ein Hindernis, einen Sturz oder das Durchfahren eines tiefen Schlaglochs „mit nicht angepasster Geschwindigkeit“. Eine Schädigung des Standrohres würde sich durch einen Spalt zwischen dem Rohr und dem eingepressten oberen Verschlussrohr bemerkbar machen. Kontrolliert werden kann dies dadurch, dass die Gummimanschette nach unten geschoben wird. Sollte es zu einer Lockerung gekommen sein, kann es zu Ölundichtigkeiten, knackender Geräuschbildung und einem unpräzisen Fahrverhalten kommen. Wird dies ignoriert, könne sich der Verschlusstopfen lösen.

Sollte nun im Rahmen der Serviceaktion eine Schädigung festgestellt werden, werden die beiden Standrohre mit je einer Standrohrbuchse nachgerüstet. Sollte es bereits einen größeren Schaden geben, werden die Standrohre gegen Neuteile ausgetauscht. Im BMW Motorradwerk werden bereits seit Monatsbeginn neue Standrohre in der Produktion verwendet. Sollte bei der Prüfung kein Schaden festgestellt wurde, wird das Bauteil bei der nächsten Wartung einer neuerlichen Kontrolle unterzogen.

Petition im Internet

Dass BMW dieses Problem nicht ernst genug genommen habe, wie es im Internet auf der Seite BMW Fatal Flaw („Fataler Fehler“) heißt, wird bei BMW verneint. Man habe sich nach dem Bekanntwerden dieses Problems sofort damit beschäftigt und nach einer Lösung gesucht. Das Resultat sei die nun gestartete Service Aktion. Ein Rückruf, den sich Fahrer eines betroffenen GS-Modells früher gewünscht hätten, deshalb hatten sie den Hersteller mit einer entsprechenden Petition im Internet zum Handeln aufgerufen.

Bei den BMW Händlern herrscht derzeit bezüglich der Service Aktion scheinbar noch einige Verwirrung. Wie ein Anruf bei einem BMW-Händler in Berlin ergab, seien nur Modelle mit bestimmten Fahrgestellnummern betroffen. Doch die BMW-Sprecherin stellt klar: Betroffen vom Rückruf seien alle Modelle der Baujahre 2013 bis Juni 2017. Halter betroffener Maschinen werden von BMW angeschrieben. Die Service Aktion sei für sie kostenlos. (AG/FM)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified (Print und Online).