1. März 2013

Fahrbericht Verbrauch gesenkt BMW R 1200 GS: Entwarnung für Luftkühlungs-Fans

Die neue BMW R 1200 GS ist ab dem 2. März erhältlich. Fotos ▶
Die neue BMW R 1200 GS ist ab dem 2. März erhältlich. © BMW

Sie ist der Bestseller im Segment der Reise-Enduros, die BMW R 1200 GS. Nun haben die Münchner ihr Bike noch besser gemacht. Was die Neue kann, zeigt unser Test.




Sie ist der Allrounder schlechthin, seitdem ihr Urahn R 80 G/S vor über 30 Jahren die Motorrad-Kategorie der Reise-Enduros populär machte: Die BMW R 1200 GS. Mit dem Modelljahr 2013 sorgt beim 1,2-Liter-Boxermotor erstmals Wasserkühlung für die richtige Betriebstemperatur. Doch selbst die größten Luftkühlungs-Fanatiker und Kühlrippen-Fetischisten können beruhigt sein: Der neue Boxer wirkt, klingt und arbeitet wie ein klassischer, bulliger GS-Antrieb und trägt wesentlich dazu bei, dass sich das Gesamtpaket GS weiterhin treu bleibt. Dank Verbesserungen auf breiter Ebene ist die Neue noch vielseitiger geworden.


Nun mit 125 PS unterwegs

Mit über 180.000 Exemplaren ist das letzte Modell der BMW R 120 GS die meistverkaufte Reise-Enduro der Welt. Dank moderner Technik entwickeln ab dem 2. März nach wie vor 1170 ccm Hubraum mehr Leistung bei weniger Verbrauch. 125 statt zuletzt 110 PS sorgen für Vortrieb, dazu stieg das Drehmoment von 120 auf 125 Nm. Vor allem: Dieser für kräftigen Durchzug so wichtige Wert entwickelt sich konstanter von Leerlauf bis Maximaldrehzahl. Ein bisheriger Einbruch der Drehmomentkurve zwischen 4500 und 6000/min ist so gut wie glattgebügelt. Seine Kraft entwickelt der neue Wasser-Boxer unheimlich sanft und geschmeidig.

Das Cockpit der neuen BMW R 1200 GS
Das Cockpit der neuen BMW R 1200 GS © BMW

Der Fahrer spürt das vom ersten Moment an: Der Boxer hängt jetzt noch besser am neuen E-Gas, denn der Pilot überträgt seine Befehle am Griff über Drive-by-wire statt mit klassischem Seilzug. Weitere Vorteile: Jetzt genügt Superbenzin statt Super Plus für maximale Leistung, und der Normverbrauch ist um 7 Prozent auf 5,6 l/100 km gesunken. Möglich macht's die neue, aus der Formel 1 abgeleitete Präzisionskühlung, die nur besonders belastete Teile thermisch betreut. 65 Prozent der Kühlung erledigt nach wie vor der Fahrtwind. Außerdem strömt das Benzin-Luftgemisch jetzt vertikal durch die Zylinder, was weitere Effizienz bringt. Die gewohnte Optik der vorne austretenden Auspuffkrümmer ging dadurch zwar verloren, doch auch die neuen unteren Chrom-Krümmer verfärben sich dekorativ blau.

Verbrauch reduziert

Auf südafrikanischen Landstraßen kamen wir im gemütlichen Cruising-Modus sogar mit nur 4,3 l/100 km aus – schier unglaublich für ein Motorrad dieser Gewichts- und Leistungsklasse, denn selbst mit der besonders sparsamen BMW F 800 GS mit nur 85 PS liegt der vergleichbare Wert etwa einen halben Liter höher. Dabei ist die große GS nicht gerade ein Leichtgewicht: 238 kg wiegt sie fahrfertig, allerdings dank Leichtbau nur 4 kg mehr als die Vorgängerin.

Das 6-Gang-Getriebe ist platzsparend ins Motorgehäuse integriert. Dadurch wurde eine längere Einarmschwinge möglich, sie sitzt samt pflegeleichtem Kardan-Antrieb nunmehr links statt rechts. Das kompaktere Bauprinzip wirkt sich günstig auf die Performance aus, denn die GS fühlt sich jetzt weniger kopflastig an. Vor allem Offroad bringt das deutliche Vorteile. Zusätzlich gefallen clevere Detaillösungen, wie etwa die einfach demontierbaren Sozius-Fußrasten.

Die neue R 1200 GS kostet mindestens 14.100 Euro. Samt üblicher Extras wie Navi oder Koffer wächst dieser Preis schnell auf 17.000 Euro an. Aber Konkurrenten wie KTM 1190 Adventure sind ähnlich teuer, und die BMW bietet dafür außergewöhnliche Extras: Zum Beispiel ein semi-aktives Fahrwerk und fünf anwählbare Fahrmodi. Zusätzlich zum in Fahrt verstellbaren ESA reagieren jetzt Sensoren und Regelventile blitzschnell und passen die Dämpfung in Zug- und Druckstufe automatisch den Fahrsituationen an: Stabil bei hohem Tempo auf guter Fahrbahn, Sekundenbruchteile später betont weich beim Überfahren von Schlaglöchern. Dadurch wirkt die neue GS in jeder Situation absolut vertrauenerweckend. Neben dem Rundum-Sorglospaket von Dynamic ESA wählt der GS-Pilot die Stufen "Soft", "Normal" und "Hard" sowie fünf Fahrmodi vor: Drei für die Straße ("Road", "Rain" und "Dynamic"), zwei fürs Gelände ("Enduro" und "Enduro Pro"). Das System verändert jeweils die Charakteristik von ASC, ABS, Gasannahme und Dynamic ESA.

Schmalere Sitzbank

Nun mit 125 PS unterwegs, die R 1200 GS
Nun mit 125 PS unterwegs, die R 1200 GS © BMW

Damit ist die R 1200 GS vielseitiger denn je. Im Modus "Enduro Pro" zum Beispiel ist die Gasannahme weicher als in "Dynamic", aber trotzdem kraftvoller als bei "Rain". ABS ist dabei komplett deaktiviert, so dass man problemlos auf losem Untergrund überbremsen kann. Zu noch mehr Komfort trägt eine schmalere Sitzbank bei, dank der sich die Reise-Enduro jetzt entspannter auch längere Zeit bei Offroad-Touren im Stehen bewegen lässt. Um den Langstreckenkomfort weiter zu erhöhen, ist die Fahrersitzbank jetzt höhen- und in der Neigung verstellbar. Der Soziusplatz lässt sich außerdem längs variieren, so dass eine zweifache Besatz je nach Streckenprofil mehr Kontakt oder mehr Freiraum genießt.

BMW hat also Spezialisten und Könner im Visier, vernachlässigt dabei aber nicht den Durchschnittsfahrer. Zu den reichlichen Ausstattungsoptionen gehören: Tempomat, Voll-LED-Licht, Navigationssystem oder ein Bordcomputer, der ständig über Restreichweite und Reifendruck informiert.

Doch nicht einmal die vielseitigste GS aller Zeiten ist perfekt: Die Einhandbedienung des Windschilds wäre besser links als auf der Gashandseite platziert. Und das Design hätte sich markanter weiterentwickeln können: Die neue GS sieht zwar in vielen Details eleganter und dynamischer aus als die alte. Aber besonders im Gesamtprofil wirkt sie wie ein Abziehbild der Vorgängerin. (SP-X)






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