23. März 2017

Neue Stylingpakete für Bestseller BMW R 1200 GS Rallye: Es lebe der Spaß

Die BMW R 1200 GS in der Rallye-Variante. Fotos ▶
Die BMW R 1200 GS in der Rallye-Variante. © BMW

Manchmal geht es doch noch etwas sportlicher. Das hat sich auch BMW gesagt – und die R 1200 GS noch dynamischer gemacht. Gelungen ist dies durch das Weglassen einiger komfortorientierter Details.




Weniger – man weiß es – ist manchmal mehr. Dann nämlich, wenn Üppigkeit geschmeidigem, leichtem Handling im Wege steht. Auf Basis dieser banalen Grundüberlegung hat BMW an der Rallye-Version seines Erfolgsmodells R 1200 GS ein paar komfortorientierte Ausstattungsdetails weggelassen und auf diese Weise die fraglos vorhandenen sportlichen Gene dieses Fahrzeugtyps schärfer zutage gefördert.

So kappte man unter anderem zwecks besseren Überblicks den voluminösen Windschild, hat den Bodenfreiheit und Gewicht kostenden Hauptständer nicht montiert und die verstellbare, zweiteilige Sitzbank durch eine dünnere und schlankere 1,75-Personen-Bank ersetzt, die dem Fahrer mehr Bewegungsfreiheit gewährt. Das Ergebnis ist ein Motorrad, das dermaßen sportiv ist, dass nicht wenige GS-Besitzer ins Grübeln kommen dürften. Zu Recht.


Verschiedene Stylingpakete

Erstmals in der seit 1980 währenden GS-Geschichte hat sich Projektleiter Reiner Fings Gedanken machen dürfen, wie man die fast unendlichen Möglichkeiten, die dem GS-Gedanken innewohnen, stärker spreizen kann. Heraus kam ein sauberes technisches und optisches Update für das Grundmodell R 1200 GS, dazu ist künftig ein Stylingpaket („Exclusive“) im Angebot, das optische Veredelung zum Inhalt hat.

Zusätzlich gibt es mit „Rallye“ ein weiteres Stylingpaket, das einige funktionale Details enthält, aber auch optisch seine Wirkung nicht verfehlt: Der Hauptrahmen in Codobablau uni, der Antriebsstrang in Schwarz, die einteilige Sitzbank in schwarz/weiß, goldfarben lackierte Bremssättel, Kreuzspeichenräder, der kurze (weiterhin verstellbare) Windschild Sport, dazu eine auffallende Lackierung in Lupinblau metallic samt schickem Tankdekor – die Mannen um Design-Chef Edgar Heinrich wissen, wie sie den Habenwollen-Reflex anzuheizen haben.

Mehr als optische Retuschen

Sportlich unterwegs mit der R 1200 GS Rallye
Sportlich unterwegs mit der R 1200 GS Rallye © BMW/Künstle

Die besonders gute Nachricht ist allerdings, dass BMW sich bei dieser GS-Variante nicht auf die Optik beschränkt hat. Sie lässt sich leicht mit ein paar Details noch geländegängiger machen. 300 Euro zusätzlich kostet die Sportfederung mit 2 Zentimeter längeren Federwegen (aus der GS Adventure ganz einfach zu übernehmen) samt einem längeren Seitenständer. Wer jetzt noch Stollenräder (ab Werk aufpreisfrei) montiert, hat ein Motorrad, mit dem man über Stock und Stein „bis ans Ende der Welt“ fahren könnte. Und zwar echt schnell.

Ein Test im andalusischen Küstengebirge machte jedenfalls deutlich, dass das Offroad-Potenzial der Boxer-GS mit wenigen, konsequent eingesetzten Mitteln deutlich steigerbar ist. Unter den Helmen der Probanden wurde das Grinsen halbstündlich breiter. Das Fahren im Stehen (auf den breiteren Enduro-Fußrasten) fällt deutlich leichter, die Kontrolle des schlingernden Fahrzeugs mittels Gasgriff ebenso, wenn das Fahrprogramm „Enduro Pro“ angewählt und die Traktionskontrolle deaktiviert ist.

Nichts für Knauser

Überhaupt: Die neueste GS-Generation ist ein Ausbund an Technologie-Innovationen. Voraussetzung ist freilich, dass der Käufer nicht knausert und großzügig Ausstattungspakete („Touring“, „Comfort“ und „Dynamik“ kosten zusammen immerhin 3.660 Euro) ordert. Dann erst bekommt er den prima funktionierenden Schaltassistenten für kupplungsloses Herauf- und Hinunterschalten, die elektronische Reifendruckkontrolle, das Dynamic-ESA „Next Generation“ mit automatischer Fahrlageneinstellung und automatischer Dämpfungsanpassung, LED-Scheinwerfer und -Blinker, die „Fahrmodi Pro“ (inclusive „Enduro Pro“ und Kurven-ABS).

Die R 1200 GS mit ihrem blauen Rahmen
Die R 1200 GS mit ihrem blauen Rahmen © BMW/Künstler

Fürs echte Rallye-Feeling braucht’s dann aber noch die breiten Enduro-Fußrasten, den verstellbaren Bremshebel, den verstellbaren Schalthebel, die auch aus Asphalt unglaublich haftfreudigen schlauchlosen Offroad-Pneus von Metzeler, die Aluminium-Motorschutzplatte, die Zylinderschutzbügel, und, und, und. Wir sind inzwischen bei rund 20.000 Euro – noch ohne Gepäcklösung, Navigationsgerät und andere Nebengeräusche. Aber egal: Wer in die Vollen geht, macht keinen Fehler, lassen sich doch GS-Modelle bestens wiederverkaufen, je „voller“, desto leichter.

Vor dem Wiederverkauf dürften freilich in den meisten Fällen einige Jahre voller Fahrspaß liegen. Den bietet eine BMW R 1200 GS im Style „Rallye“ in der Tat. Durchzug, Fahrstabilität, Handlichkeit – in diesen Punkten setzt „die GS“ schon seit Jahren bei den Reiseenduros den Maßstab, legt die Messlatte von Generation zu Generation höher. So weit oben wie im Falle der Rallye-Variante lag sie nie zuvor, sieht man mal vom wenige Jahre gebauten, sündteuren Sondermodell HP2 Enduro ab. An die erinnert zumindest Kenner der blauen Rahmen der Rallye. (SP-X)



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