11. Oktober 2016

Weltpremiere der K 1600 B BMW Motorrad folgt der Logik des amerikanischen Marktes

Der Bagger K 1600 B kommt im Sommer kommenden Jahres. Fotos ▶
Der Bagger K 1600 B kommt im Sommer kommenden Jahres. © AG/Mertens

BMW Motorrad hat am Montag in Los Angeles die Weltpremiere der Bagger 1600 B gefeiert. Mit diesem und seinen Heritagemodellen wollen die Münchner in den USA ihren Marktanteil noch vor dem Jahr 2020 verdoppeln. Bis dahin sollen weltweit auch 200.000 Einheiten abgesetzt werden.




Von Frank Mertens

Die Taktrate bei BMW Motorrad ist hoch. Gerade erst haben die Münchner die neue G 310 R bei ersten Testfahrten präsentiert, auf der Intermot in Köln in der Vorwoche unter anderem die R nineT Pure und die R nineT Racer, nun folgte am Montag die Weltpremiere der Bagger K 1600 B.

Es ist das Modell, mit dem BMW Motorrad zusammen mit seinen Heritage-Maschinen in den USA und damit auch weltweit seinen Wachstumskurs fortsetzen will. Derzeit liegt der Marktanteil von BMW Motorrad in den USA bei vier Prozent, bis zum Jahr 2020 soll er verdoppelt werden. "Ich gehe davon aus, dass das sogar schon etwas früher der Fall sein kann", sagte Motorradchef Stephan Schaller am Montag bei der Vorstellung der neuen Maschine in Los Angeles.

Noch ist Deutschland für die Motorradsparte der Münchner mit jährlich 25.000 Einheiten der größte Markt ist, doch innerhalb der kommenden drei Jahre sollen das die USA werden. Hier werden derzeit jährlich um die 15.000 Einheiten abgesetzt. Perspektivisch hat sich BMW Motorrad vorgenommen bis zum Jahr 2020 weltweit 200.000 Einheiten zu verkaufen. Nach drei Quartalen hat BMW Motorrad über 116.000 in diesem Jahr ausgeliefert - drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gute Voraussetzungen, um das sechste Rekordjahr in Folge zu absolvieren.


Basis der Bagger ist die 1600 GT

Die neue Bagger, dessen technische Basis auf der 1600 GT basiert, sei eine Maschine, die für Fahrten auf der Route 66 einlädt, wie Schaller sagte. Die Silhouette der Neuen ist tropfenförmig, der höchste Punkt der Maschine ist die Frontscheibe mit einer abfallenden Linie zum Heck. Dort finden sich zwei tief angebrachte Seitenkoffer mit integrierten Heckleuchten. Das sorgt für ein ausgesprochen breites Rückteil. So etwas muss man mögen.

Doch das Aussehen der Bagger folge der Logik des amerikanischen Marktes, wie Chefdesigner Edgar Heinrich sagte. Der Bagger stehe für stundenlanges Cruisen auf den endlos langen US-Highways. Die neue Maschine sei der Inbegriff des „American Touring“, heißt es vollmundig. Wie dem auch sei. In den USA wird diese Maschine mit ihrem 160 PS starken Sechszylinder und einem Gewicht von 336 Kilogramm bei den Kunden ankommen. Und auch in anderen Ländern? "Wir entwickeln keine Modelle für nur einen Markt. Entsprechend ist es auch eine Maschine für Europa, aber auch für China", so Schaller. Gerade in China erlebt BMW gerade eine enorme Nachfrage.

Stephan Schaller vor einer R nineT Race
Stephan Schaller vor einer R nineT Race © AG/Mertens

Doch wie schaut es mit der urbanen Mobilität bei BMW Motorrad aus? Hier habe man seine Scooter-Modelle und vor allen den C-Evolution. Die Reichweite des 15.000 Euro teuren Elektro-Scooters sei gerade auf 160 Kilometer erhöht worden, betonte Schaller. Aber was kommt noch? An diesem Dienstag wird in Los Angeles von BMW Motorrad das Vision Next 100 präsentiert. Damit komplettiert das Unternehmen nach seinen Visionsfahrzeugen von BMW, Mini und Rolls-Royce seinen Ausblick auf die Mobilität der Zukunft nun bei seiner Zweiradmarke.

Vernetzt in die Zukunft

Dass diese auch beim Zweirad vernetzt sein wird, sei klar, wie BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer sagte. Nachdem man bereits bei den Scootern einen Totwinkelwarner habe, werde es im kommenden Jahr auch einen Notrufassistenten - das so genannte eCall - bei den Motorrädern geben.

Und dass, was im Autobereich bei der Car-2-Car-Kommunikation und Car-2-X-Kommunikation erprobt werde, sei natürlich auch bei den Motorrädern ein Thema. "Zwei, drei Jahre, nachdem es diese Technologien beim Auto gibt, wird es sie auch bei den Motorrädern geben", kündigte Schwarzenbauer an. Dabei schränkte der Vorstand indes ein, dass die Umsetzbarkeit bei den Motorrädern schwieriger sei als beim Auto. Als Beispiel nannte er das Einspielen von Informationen für den Fahrer. "Wie erhält der Fahrer die Infos? Auf einen Screen im Cockpit oder wird es im Helmvisier angezeigt?" Das seien Fragen, die noch zu klären seien. Doch daran arbeite man ebenso wie an Mobilitätsdienstleistungen rund ums Motorrad.

Also Sharing-Modelle analog Rent-a-Bike? Kurzfristig wird es das nicht geben. „Das Thema wird erst dann interessant, wenn der Nutzer keinen Helm mehr braucht", sagte Schwarzenbauer. Heutzutage besteht indes für Motorräder in Deutschland nach wie vor Helmpflicht. Es bedarf also neuer Konzepte von zweirädiger Mobilität, für die man keinen Helm benötigt. So ein Motorrad gab es bereits einmal mit dem BMW C1. Es wurde aber wegen Erfolgslosigkeit eingestellt. Der C1 war seiner Zeit schlicht voraus.

Einstieg in unter 500 ccm

Das breite Heck der K 1600 B
Das breite Heck der K 1600 B © AG/Mertens

Aber was spricht gegen eine Neuauflage des C1 als Elektroversion, quasi einem C1 Evolution? Schwarzenbauer schmunzelt. "Wir arbeiten an vielen Konzepten." Für Motorradchef Schaller sei ein C1 Evolution in "vielleicht fünf bis zehn Jahren vorstellbar". Ein solches Modell sei sicherlich interessant, aber Priorität genießen andere Dinge, sagte er. Dass ein C1 Evolution keine höhere Wertigkeit genießt, mag auch daran liegen, dass die Verkaufszahlen dieses Modells überschaubar sind. Sie bewegen sich um die 1000 Einheiten. Es ist also auch bei den Motorrädern ein ebenso langer Weg zur nachhaltigen Mobilität wie bei den Automobilen.

Dass das Ziel von 200.000 Motorrädern und Scootern bis 2020 ein ambitioniertes ist, zeigen übrigens die aktuellen Absatzzahlen der Motorradsparte. Nach 137.000 Einheiten im Vorjahr mit einem Absatzplus von zehn Prozent hat sich das Wachstumstempo in diesem Jahr verlangsamt. Nach neun Monaten wurden weltweit 116.044 Einheiten ausgeliefert. Das ist ein Zuwachs von drei Prozent zum Vorjahreszeitraum. Es wird zwar zum sechsten Rekordjahr in Folge führen, aber der Markt wächst nicht mehr so stark wie in den zurückliegenden Jahren. Deshalb steigt BMW mit der G 310 R auch in den Markt unter 500 ccm ein – und erschließt sich damit neue Zielgruppen und Märkte.



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