BMW eilt von Vision zu Vision

Feierlichkeiten zum 100-Jährigen

So sieht die Zukunft aus, der BMW Next 100.
So sieht die Zukunft aus, der BMW Next 100. © dpa

Die Kanzlerin konnte nicht, dafür war Horst Seehofer gekommen und mit ihm 2000 weitere Gäste. Der Autobauer BMW feierte sein 100-jähriges Bestehen – und schaute dabei nicht nicht nur zurück.

Von Frank Mertens

Als fast alles vorbei war, fuhr das Highlight dieses Nachmittages vor. Es war golden lackiert - und es steht sinnbildlich für die Zukunft des Autobauers BMW. Mit der Vision Next 100 gaben die Münchner am Montag bei ihrer Feier zum 100-jährigen Bestehen des Konzerns vor 2000 geladenen Gästen in der Olympiahalle einen Ausblick darauf, wie sie sich in 20, 30 Jahren das Auto vorstellen.

Es hat nicht nur einen überragenden Cw-Wert von 0,18, fährt emissionsfrei und natürlich autonom, wenn der Fahrer es denn will. Natürlich bringt es zudem alles mit, was man von einem vernetzten Fahrzeug erwarten kann. Es erkennt Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer bereits dann, wenn sie noch längst nicht im Blickfeld des Fahrers sind und zeigt sie in der Windschutzscheibe an, die in diesem Auto die Funktionen eines Displays übernimmt.

Autonom und vernetzt

Reagiert der Fahrer nicht auf diese Hinweise, ist das Auto natürlich in der Lage, automatisch eine Notbremsung einzuleiten. "Wir dürfen der Zukunft ein Gesicht geben", sagte Adrian van Hooydonk einige Stunden vor dem offiziellen Festakt. Er sagte dies an historischer Stätte. Nämlich an dem Ort, wo BMW 1916, damals noch unter dem Namen Bayerische Flugzeugwerke, mit der Fertigung von Flugzeugmotoren den Grundstein für die spätere Erfolgsgeschichte legte. Sie führte BMW zum erfolgreichsten Premiumhersteller der Welt, der im Vorjahr 2,24 Millionen Fahrzeuge absetzte.

Eigentlich sollte auch die Kanzlerin in der Münchner Olympiahalle anwesend sein. Doch Angela Merkel musste am Flüchlingsgipfel in Brüssel teilnehmen. Sie entschuldigte sich per Videobotschaft, in der sie nicht nur die Innovationskraft von BMW lobte, sondern den Autobauer auch als Aushängeschild für den Wirtschaftsstandort Deutschland bezeichnete.

Ein Treiber, kein Getriebener

Horst Seehofer
Ministerpräsident Horst Seehofer dpa

Das sah Bayern Ministerpräsidenzt Horst Seehofer ebenso. "Auf den Feldern der Zukunftstechnologie ist BMW ganz vorne dabei", sagte der CSU-Politiker. Für ihn stehe die Marke BMW für das Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts. BMW sei für den Wandel der Mobilität gewappnet, befand Seehofer. Denn BMW sei kein "Getriebener, sondern ein Treiber". Seehofer jedenfalls wolle auch beim nächsten Jubiläum wieder mit dabei sein. In welcher Position, sagte er indes nicht.

Es war ein Nachmittag, an dem sich BMW feierte und stolz auf seine Vergangenheit zurückschaute. Einer Vergangenheit, die indes auch Schatten hatte, wie BMW-Chef Harald Krüger mittags bereits sagte und damit auf den Einsatz von Zwangsarbeitern zur NS-Zeit abzielte. Diesen Teil seiner Geschichte habe BMW aufgearbeitet.

Krüger, der im Mai des Vorjahres Norbert Reithofer als Vorstandsvorsitzender abgelöst hatte, steht vor der Aufgabe, den Autobauer auf die Zukunft vorzubereiten. Eine Zukunft, in der sich BMW noch weiter zu einem Mobilitätsanbieter wird wandeln müssen als es bisher schon mit seine Carsharing-Angebot DriveNow der Fall ist. Das Geschäft als klasischer Automobilhersteller wird sich für BMW und die gesamte Branche perspektivisch auf den Kopf stellen.Heute noch verdient BMW sein Geld mit dem Verbrennungsmotor und viel PS. Wer sich jedoch im Kampf um die Spitze bei den Premiumherstellern wird durchsetzen will, der muss führend bei Themen wie der Vernetzung, Digitalisierung, dem autonomen Fahren oder der Elektromobilität sein.

Noch drei weitere Visionen

Harald Krüger (r.) kann Rekorde beim Umsatz vermelden.
BMW-Chef Harald Krüger (r.) AG/Mertens

Das hat BMW erkannt. Gerade bei der Elektromobilität haben die Münchner die Weichen Richtung Zukunft gestellt, in dem man mit BMW i eine Submarke gründete. Doch hier lässt der große Erfolg noch auf sich warten. Im Vorjahr wurden weltweit rund 30.000 i-Modelle verkauft. Auf den i3 entfielen dabei 24.057 Fahrzeuge, für den Supersportwagen i8 entschieden sich 5456 Kunden. Krüger ist damit nicht unzufrieden. Denn die E-Mobilität sei schließlich kein Sprint, sondern ein Marathonlauf. BMW hat sich dafür auf jeden Fall schon einmal mit seiner Submarke gut vorbereitet. Was zukünftig kommen wird, bleibt anzuwarten.

Der BMW Vision Next 100 gibt einen ersten Ausblick darauf. Er ist indes nur ein Anfang. Die Marken Mini und Rolls-Royce werden ihre Visionen im Juni präsentieren. In den Monaten danach folgt die Motorradsparte. Sie nimmt in der Historie der Münchner eine besondere Bedeutung ein. Schließlich war die R32 das erste Fahrzeug, das von den Münchner im Jahr 1923 produziert wurde. Mittlerweile eilt BMW Motorrad Jahr von Jahr wie die Autokollegen zu neuen Rekorden. Im Vorjahr wurden 137.000 Scooter und Motorräder verkauft. Bis 2020 sollen es 200.000 Einheiten sein. Auch das ist eine Vision an diesem an Visionen nicht armen Jubiläumstag.